Haftstrafen für jugendliche Räuber

Die Überfälle auf eine Tankstelle und eine Spielothek sind vorerst juristisch abgeschlossen. Am Dienstag wurden die beiden letzten Täter verurteilt.

Zwickau.

Ein 18-jähriger Zwickauer und ein 22 Jahre alter Iraker wurden am Dienstag am Amtsgericht zu Haftstrafen verurteilt. Die Jugendstrafkammer sah es nach fast sechs Stunden Verhandlung als erwiesen dann, dass die beiden Angeklagten Ende März in unterschiedlicher Beteiligung an den Überfällen auf eine Tankstelle in Niederplanitz und auf eine Spielothek in Pölbitz mitgewirkt hatten. Ein Jahr und neun Monate, lautet das Urteil für den Zwickauer. In Haft muss er nicht, weil die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Iraker muss hingegen für ein Jahr ins Gefängnis, weil er zur Tatzeit unter laufender Bewährung stand.

Die beiden Angeklagten hatten ein Geständnis abgelegt. Demnach war der Zwickauer mit einem bereits verurteilten Syrer am 28. März mit zwei geladenen Schreckschusspistolen in die Tankstelle marschiert, sie hatten die Angestellte bedroht und sie gezwungen, den Tresor zu öffnen. Als ein Kunde den Tankstellenshop betrat, flüchteten sie mit 2500 Euro Beute. Bereits zwei Tage später hat er sich von dem Syrer erneut in eine Straftat verwickeln lassen. Nach eigenen Angaben hat er die Spielothek "El Dorado" an der Leipziger Straße ausspioniert, die der Syrer gemeinsam mit dem Iraker überfallen wollte. Dieser ließ seine Anwältin vor Gericht eine Erklärung verlesen. Demnach sei er von dem Syrer, gegen seinen Willen, zur Teilnahme angestiftet worden. Der habe ihm auch die ungeladene Schreckschusspistole in die Hand gedrückt. Damit sind sie zu zweit in Richtung Spielothek gelaufen. "Ich wollte eigentlich gar nicht", sagte der Angeklagte. Als die Tür entgegen der Hoffnungen geschlossen war, sei er froh gewesen. Der Überfall sei daher für ihn abgehakt gewesen, und er habe sich zurück gezogen. Der Syrer hingegen hatte allein darauf gewartet, dass die Mitarbeiterin der Spielothek die Tür öffnete, um nach Hause zu gehen. Als Zeugin sagte sie am Dienstag, dass der Mann sofort auf sie eingeprügelt habe. Da sie sich heftig wehrte und schrie, verließ er die Spielothek ohne Beute. Dass er dabei allein war, bestätigte auch die Zeugin.

Der Iraker hatte sich, nachdem Anfang Mai die Festnahme des Syrers in Leipzig bekannt geworden war, selbst gestellt. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Dort verbrachte auch der Zwickauer vier Wochen, bevor er unter Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Auf ihn waren die Ermittler hauptsächlich durch die Aussagen der ehemaligen Lebensgefährtin des Syrers aufmerksam geworden.

Die beiden Opfer leiden heute noch an den Folgen der Überfälle. Sie sind, wie sie dem Gericht sagten, noch immer in ärztlicher Behandlung und arbeitsunfähig.

Der dritte Täter war bereits im August zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Auch der 20-jährige Syrer sollte am Dienstag als Zeuge aussagen. Da sein Urteil wegen der eingelegten Revision noch nicht rechtskräftig ist und er sich vor Gericht nicht selbst belasten muss, machte er von seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Daher wurde kurzfristig der Vorsitzende Richter in den Zeugenstand gerufen. Hauptsächlich sollte geklärt werden, ob der Zwickauer 400 Euro als Beteiligung ander Beute erhalten hat. Er selbst bestreitet das, sein früherer Kumpel jedoch behauptet das Gegenteil. Das Gericht glaubte ihm.

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