Mehrheit im Rat für Straßenbahn-Erhalt

Aus der Zwangspause soll kein Schlussstrich werden: Drei Fraktionen bekennen sich klar zur Fortführung der Bahnhof-Verbindung.

Zwickau.

Leicht quietschend und im Schneckentempo biegt der Zugwagen der Linie 7 um die Ecke. Montag, kurz vor halb elf. Acht Fahrgäste steigen am Hauptbahnhof aus, sechs steigen ein, vier weitere kommen unterwegs dazu. Fünf Minuten später steigt am Georgenplatz ein junger Zwickauer aus. Er wohnt gleich um die Ecke, sagt er. 23 Jahre ist er alt. "Ich fahre zwar oft mit der Straßenbahn, aber fehlen wird sie mir nicht", sagt er. Der Zehn-Minuten-Takt bleibt schließlich, künftig werden statt der ausfallenden Bahnen Busse eingesetzt. "Ob Bus oder Bahn, da hab ich keine Präferenz. Hauptsache, man kommt in die Stadt."

Nachdem bekannt wurde, dass Mitte Dezember mit dem Fahrplanwechsel die Straßenbahnlinien 5 und 7 zum Hauptbahnhof wegen Schäden an den Gleisen bis mindestens 2023 eingestellt werden, fürchten Bahn-Befürworter, dass der 2016 mühsam zustande gekommene Beschluss zum Erhalt der Bahnhofstram wieder wackeln könnte. Seinerzeit waren AfD sowie anfangs große Teile von CDU und Linken gegen eine Fortführung des Betriebs der Linien zum Hauptbahnhof. Eine Einigung zugunsten der Bahn kam erst nach einem Veto der Oberbürgermeisterin zustande.

Eine neue Abstimmung würde vermutlich auch kein anderes Ergebnis bringen. 25 Stimmen sind im Stadtrat für die absolute Mehrheit nötig, nach aktuellem Stand gibt es für Bahn-Gegner keine Mehrheit. Die CDU-FDP-Fraktion (14 Sitze) will "auf alle Fälle" an der geltenden Beschlusslage festhalten, sagt Fraktionschef Thomas Beierlein. "Die Linie zum Bahnhof muss wiederkommen. Straßenbahnen sind für die Zukunft ein unverzichtbares Verkehrsmittel." Dass die CDU 2016 in der ersten Abstimmung noch eine andere Linie vertreten hatte, tut Beierlein als Betriebsunfall ab. Mittlerweile hätten alle Fraktionsmitglieder die Wichtigkeit der Bahn erkannt.

Die gemeinsame Fraktion von SPD, Grünen und Tierschutzpartei (neun Sitze) betont, unverändert zu dem Erhalt und dem Ausbau der Verbindung zu stehen. "Wir werden alles daran setzen, den Bahnhof so schnell wie möglich wieder an das Straßenbahnnetz anzuschließen", sagt der stellvertretende Fraktionschef Lars Dörner. Auch hätten erste Reaktionen aus der Bevölkerung gezeigt, dass doch viele Fahrgäste an der Bahn hängen. Man müsse jetzt gemeinsam mit den Verkehrsbetrieben ermitteln, welche Möglichkeiten es gibt, den Bahnhof so schnell wie möglich wieder an das Netz anzuschließen.

Die Fraktion Bürger für Zwickau (BfZ, fünf Sitze) stellt ebenfalls den 2016 gefassten Beschluss zur Bahn nicht infrage. "Die Gefahr, dass die Straßenbahn stirbt, wird aber größer, je länger sie nicht fährt", sagt Fraktionsgeschäftsführer Tristan Drechsel. Dass die Bahn wegen Gleisschäden mehrere Jahre lang ausgesetzt werden muss, sende eine verheerende Botschaft. "In der Stadt der Elektromobilität fährt die elektrische Straßenbahn nicht einmal zum Hauptbahnhof - das kann man doch keinem erklären." Er hoffe darauf, dass die Zwangspause noch abgewendet werden könne.

Die Linke (acht Sitze), die 2016 intern uneins, aber mehrheitlich gegen die Bahnverbindung war, und die AfD (elf Sitze), die sich damals strikt dagegen ausgesprochen hatte, haben sich bisher dazu nicht geäußert. Die Fraktionen reagierten am Montag nicht auf Anfragen.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...