Neue Glocken rufen morgen in Stangengrün zum Gottesdienst

Das Dorf hat wieder ein Bronzegeläut im Kirchturm hängen. In ihm steckt auch ein Stückchen Silber.

Stangengrün.

Erstmals seit einem knappen Jahr werden die Dorfbewohner morgen früh wieder von einem Dreiklang zum Gottesdienst gerufen. Und erstmals seit etwa 100Jahren werden wieder drei Bronzeglocken im Turm der alten Wehrkirche schwingen. Zwei der 1887 gegossenen waren im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen worden. "Nur die kleinste, die Taufglocke, wurde damals verschont, weil sie gebraucht wurde, um die Leute vor Gefahren wie Feuer zu warnen", berichtet Uwe Barth, der Mitglied des Kirchenvorstandes ist.

Nach dem Krieg hatte ein Planitzer Strickwarenfabrikant für ein neues Dreiergeläut aus Stahl gesorgt. Die kleine Taufglocke musste die ganzen Jahre über still im Glockenstuhl hängen, weil ihr Klang nicht zu der anderen passte. Ab morgen ist sie wieder zu hören. Und zwar in schöner Harmonie mit den beiden neuen Bronzeglocken, die die Kirchgemeinde in der Innsbrucker Gießerei Grassmayr neu hat anfertigen lassen. 55 Stangengrüner waren extra nach Österreich gefahren, um den Guss live zu erleben. Und groß war die Freude, als die neuen Exemplare gemeinsam mit der historischen am 2. Oktober bunt geschmückt vor der Glockenweihe auf einem Traktorengespann durch das Dorf gefahren wurden.

Inzwischen hängt das Geläut im Turm der 1317 errichteten Marienkirche. "Die größte, die g-Glocke, wiegt 730 Kilo, die h-Glocke, 395 Kilo und die historische kleine d-Glocke 165 Kilo", weiß Uwe Barth. Er berichtet, dass alle drei am 4. Oktober mit Hilfe eines Autokrans durch eine kleine Öffnung im Turm in den Glockenstuhl gehoben worden sind. "Trotz des nasskalten Wetters hatten sich etliche Einwohner das Spektakel nicht entgehen lassen", sagt Barth. "Das ging nicht so zack, zack, das war eine vorsichtige Millimeterarbeit, hat von morgens 9 bis gegen 14 Uhr gedauert."

Die alten Stahlglocken erhalten jetzt einen Ehrenplatz auf dem Kirchengelände. Der Glockenstuhl aus dem Jahr 1511 ist aufwendig aufgearbeitet worden. Da er unter Denkmalschutz steht, wurde das historische Holz erhalten und nur dort ausgetauscht, wo es morsch war. Auch die Turmuhr wurde restauriert und geht künftig elektrisch.

140.000 Euro hat die ganze Aktion gekostet. 52.000 Euro kommen von der sächsischen Landeskirche. Auch die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse Zwickau beteiligen sich mit einem großen Betrag. Und Gemeindeglieder spendeten insgesamt mehr als 40.000 Euro. 2000Euro kamen von der Stadt Kirchberg, zu der Stangengrün als Ortsteil gehört. Außerdem steckt ein Stück Silber in den Bronzeglocken. Stangengrün hatte sich für den Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" qualifiziert und Silber gewonnen. 2000 Euro der insgesamt 5000 Euro Preisgeld hat der Ortschaftsrat der Kirchgemeinde überreicht.

Der Kirchweih-Gottesdienst, zu dem die drei Bronzeglocken erstmals rufen, beginnt morgen um 8.45 Uhr in der Marienkirche in Stangengrün.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...