Wahlhelfer fühlen sich ausgebootet

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Zwickau sucht Freiwillige für die Bundestagswahl. Langjährige Unterstützer wundern sich aber über das konkrete Vorgehen des Rathauses.

Zwickau.

Andreas Pirgl hat bei der Suche nach Namen im Wählerverzeichnis und dem Auszählen von Stimmzetteln inzwischen Routine. Seit 2017 war der Zwickauer bei fünf Wahlen als Helfer aktiv, egal ob die Bürger Kandidaten und Parteien für den Bundestag, den Landtag oder das EU-Parlament ankreuzen konnten. "Ich helfe gerne dabei, dass alles ordnungsgemäß abläuft", erklärt der 55-jährige Niederplanitzer seine Motivation.

Deshalb stand für Pirgl fest, dass er auch am 26. September, wenn ein neuer Bundestag gewählt wird, wieder als Wahlhelfer fungieren möchte - zumal die Stadt Zwickau Mitte Februar Interessenten bat, sich zu melden. Insgesamt würden 600 Helfer benötigt, teilte das Rathaus mit. Wenige Tage später wollte sich Pirgl auf der Internetseite der Stadt einschreiben. Doch in seinem angestammten Wahllokal, der Dr.-Martin-Luther-Schule in Niederplanitz, ist kein Platz mehr frei. "Das hat mich fürchterlich geärgert. Man fühlt sich ausgebootet", sagt der langjährige Wahlhelfer. Schließlich habe er in der Schule in der Vergangenheit ein eingespieltes Team mit anderen Wahlhelfern gebildet.

Bei einem Blick auf die entsprechende Internetseite stellt man fest, dass erstaunlich viele Posten schon vergeben sind. In ungefähr zwei Dritteln der Wahllokale kann man sich nicht mehr als Helfer registrieren - und das, obwohl noch mehr als ein halbes Jahr Zeit ist bis zur nächsten Bundestagswahl. Nach Angaben von Heike Reinke vom Pressebüro der Stadt Zwickau sind schon etwa 470 der rund 600 Posten besetzt. "Dies ist im Vergleich zu den Vorjahren auch zu unserer Überraschung schon recht viel", sagt Reinke. Die Zahl setze sich aus 300 Rathaus-Mitarbeitern und 170 Freiwilligen aus der Bürgerschaft zusammen. Reinke betont, dass die Stadt durchaus auf eingespielte Wahlhelfer-Teams zurückgreifen wolle. Nach ihren Angaben wurden langjährige Wahlvorsteher gefragt, ob sie erneut aktiv werden und ihre Helfer benennen wollen.

Wahlvorsteher im Team von Andreas Pirgl war in den vergangenen Jahren stets Dietmar Hallbauer, der auch als Vorsitzender des Sportvereins Vorwärts Zwickau bekannt ist. Hallbauer, der früher im städtischen Sportamt beschäftigt war, ist seit 25 Jahren als Wahlhelfer aktiv, wurde aber nach eigenen Angaben im Vorfeld der anstehenden Bundestagswahl entgegen der Aussagen aus dem Rathaus nicht kontaktiert. "Ich habe mich gewundert, dass das so passiert ist", sagt der Rentner. Als er im Rathaus wegen der Angelegenheit vorsprach, sei er eingeladen worden, ein anderes Wahllokal zu übernehmen. Das wolle er aber nicht, sagt Hallbauer mit Blick auf seine angestammten Mitstreiter in Niederplanitz. Auch Andreas Pirgl könnte in ein anderes Wahllokal wechseln. "Ob ich das mache", sagt er, "habe ich noch nicht entschieden."

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