Wer kontrolliert die Feuerwerker?

Illegales Geballer, das schon fast Volkssport geworden ist, nervt Anwohner. Im Sozialausschuss wurde das Thema teils leidenschaftlich diskutiert - aber noch nicht gelöst.

Zwickau.

Gefühlt jede Woche hört Parkstraßenbewohner Max Schuster* ein Feuerwerk in der Zwickauer Innenstadt. Das Geknalle nervt nicht nur ihn. Als Behörden wegen der langen Trockenheit jegliche Feuerwerke untersagten und es trotzdem wieder knallte, griff er zum Telefon. Am 4. August, 22.18 Uhr, rief er im Polizeirevier am Alten Steinweg an. "Es hörte sich an wie ein Feuerwerk in der Nähe von Schloss Osterstein oder am Muldeparadies", sagt der Parkstraßenbewohner.

Doch der Beamte am Telefon, der den Notruf entgegennahm, habe weder etwas gehört noch habe er sich zuständig gefühlt, erzählt Schuster. Das sei Sache des Ordnungsamtes, erfuhr der Zwickauer. Für Stadtrat Christian Siegel (CDU) ist das ein Unding. Er weiß, dass es sich vielfach um illegale Feuerwerke handelt, und forderte jetzt im Sozialausschuss, diese einzudämmen.

Bürgermeister Bernd Meyer (Die Linke) erklärte, die Masse der beantragten Feuerwerke werde in Zwickau abgelehnt. Wie viele das sind, war auch auf Nachfrage der "Freien Presse" bis Redaktionsschluss nicht in Erfahrung zu bringen. Auch nicht, wie viele Beschwerden es über die Böllerei gibt. Die illegalen Feuerwerker zu erwischen, sei jedoch schwierig, erklärte Meyer: Wenn die Mitarbeiter vor Ort eintreffen, sei meist alles vorbei.

Sozialausschussmitglied Klaus Seltmann wollte nicht glauben, dass da einer bei der Polizei anruft, die sich aber nicht zuständig fühle. "Wenn der Ordnungsdienst nicht greifbar ist, muss doch automatisch die Polizei übernehmen - richtig oder falsch?", fragte er. Richtig, erklärte Meyer. Auf den Vorwurf der Untätigkeit wollte der Bürgermeister jedoch nicht eingehen, weil man dafür erst einmal den konkreten Vorfall prüfen sollte. Unbestritten sei, dass die Ordnungskräfte der Stadt und die der Polizei streckenweise personell nicht in der Lage seien, hinterherzukommen.

Das Argument, dass die Polizei zu wenig Leute habe, wollte CDU-Stadtrat Karl-Ernst Müller, früher selbst Ordnungsamtsleiter der Stadt, so nicht akzeptieren. Für ihn sei unverständlich, dass man den Tannenbaum in Zwickau mit Polizeibegleitung transportiere, sagte er. Ganz zu schweigen davon, dass Polizisten Fußballspiele absichern müssten. Fraglich ist für ihn auch, warum man ihm am 1. Mai gleich "zwei Toniwagen hinterherschickte, um festzustellen, ob der Müller getrunken hat."

Auch der Moseler Ortsvorsteher und Stadtrat Reiner Seidel (CDU) erklärte, dass ihn Bürger oft auf private Feuerwerke ansprechen. Er wünsche sich, dass die Ortschaftsverwaltung in Kenntnis gesetzt wird, ob ein Feuerwerk genehmigt wurde. Bernd Meyer versprach, das prüfen zu wollen. Parkstraßenbewohner Max Schuster entdeckte auf einem Spaziergang am nächsten Tag mehr oder weniger zufällig den möglichen Tatort: Der Parkplatz am "Alten Gasometer" lag voller Raketenüberreste.

(*Name der Redaktion bekannt)


Ordnungsamt war im Einsatz

Für Polizeisprecher Christian Schünemann (Foto) ist es nicht mehr genau nachvollziehbar, was da am Abend des 4. August passierte. Grundsätzlich aber werden die Polizeibeamten von der Stadtverwaltung über legale Feuerwerke informiert und können nachsehen, ob ein Feuerwerk gemeldet wurde oder nicht.

Aus Schünemanns Recherchen im Computersystem geht hervor, dass die Beamten wegen eines Feuerwerks im Bereich der Bahnhofstraße um Hilfe gerufen wurden. Da an diesem Abend der Stadtordnungsdienst im Einsatz war, der gerade im Sommer nicht selten bis 2 Uhr Dienst schiebt, wurde dieser informiert. Die Rathausmitarbeiter hätten sich vor Ort umgesehen, aber kein Feuerwerk mehr festgestellt. "Grundsätzlich können sich Bürger, die sich durch Lärm, Feuerwerk oder Ähnliches gestört fühlen, an uns wenden", sagte Schünemann. Die Polizei werde Hinweisen selbst oder durch Ordnungsbedienstete der Stadt nachgehen. (upa)

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