Werteunion fordert Meier-Entlassung

Die aus Zwickau stammende neue Justizministerin steht unmittelbar nach Amtsantritt in der Kritik. Die Reaktionen in der Muldestadt sind gemischt.

Zwickau.

Die Werteunion hat den Ministerpräsidenten aufgefordert, die neue sächsische Justizministerin Katja Meier (Grüne) zu entlassen. Die Entlassung sei "eine Frage der politischen Hygiene". Die in Zwickau-Eckersbach aufgewachsene Katja Meier hatte in ihrer Schulzeit Mitte der 1990er-Jahre Bass in der Zwickauer Punkband Harlekins gespielt. In einem erst kürzlich bekannt gewordenen Liedtext heißt es: "Advent, Advent, ein Bulle brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei." Meier hatte sich am Donnerstag vom Inhalt des Lieds, zu dem sie mit 16 Jahren lediglich Bass gespielt habe, distanziert und betont, dass sie jegliche Form von Gewalt verurteile.

Der Vorsitzende der südwestsächsischen Werteunion-Regionalgruppe Eckhard Leuschner bezeichnet diese Distanzierung als nicht glaubhaft. Zudem werde mit zweierlei Maß gemessen. "Hätte sie in einer rechten Band gespielt, würde man bestimmt nicht darüber wegsehen", sagt er. Die Werteunion versteht sich als konservative Stimme in der CDU, auch wenn sie von der Partei nicht offiziell anerkannt ist. Zuvor hatte die sächsische AfD eine Ablösung Meiers gefordert. Der Zwickauer AfD-Landtagsabgeordnete Wolfram Keil schreibt auf Facebook: "So jemand hat auf einem Ministersessel nichts verloren."

Der Landtagsabgeordnete Gerald Otto (CDU) bezeichnet dagegen die Forderungen als "völlig überzogen". Man müsse Meier eine Chance geben, sich im Amt zu beweisen. "Auch wenn der Liedtext zum Naserümpfen ist, dafür einen Rücktritt zu fordern, ist wie mit Kanonen auf Spatzen zu schießen", sagt Otto.

Der Zwickauer Grünen-Stadtrat Wolfgang Wetzel verteidigt Meier. In den 90ern seien die wenigen linken Jugendlichen in Zwickauer Plattenbaugebieten "häufig verkloppt" worden, "weil die Faschos immer in der Überzahl waren", schreibt Wetzel auf Facebook. "Wer im Zwickau der 1990er als 16-Jährige/r den Mut hatte, in einer Punkband zu spielen", sei "geradezu prädestiniert, heute in Sachsen politische Verantwortung zu übernehmen."

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