Wie die Wende laufen lernte

Das Jubiläum von 30 Jahren friedlicher Revolution wird 2019 und 2020 in Zwickau gefeiert. 20 Veranstaltungen erinnern andiese Ereignisse.

Zwickau.

Wenn Ulrike Lehmann an die Wende denkt, fällt ihr der Tag ein, an dem sie zum ersten Mal zu einem Friedensgebet in den Zwickauer Dom gegangen ist. "Ich war sehr ängstlich und habe mich gefragt: Kommen wir hier überhaupt wieder raus?", erzählt die Gleichstellungs- und Ausländerbeauftragte der Stadt Zwickau.

An die Zeit der Wende und friedlichen Revolution vor 30 Jahren wird in Zwickau ab diesem Monat mit zahlreichen Veranstaltungen gedacht. Die Termine und Highlights stellte Lehmann zusammen mit Matthias Bley vom Demokratiebündnis, dem Superintendenten des Kirchenbezirks Zwickau Harald Pepel, dem evangelisch-methodistischen Pastor Thomas Roscher und Ben Ulke vom "Alten Gasometer" am Donnerstag während eines Pressegesprächs im Zwickauer Dom St. Marien vor. Zudem geht es in den Veranstaltungen auch um Menschlichkeit, Meinungsfreiheit und Einigung der Zwickauer.

"Viele Menschen haben Angst, offen zu zeigen, dass sie für Toleranz und Vielfalt eintreten", sagt Lehmann. "Wir sollen die Werte der freien Gesellschaft schützen, die Demokratie schätzen." Die friedliche Revolution hat in Zwickau große Bedeutung. Im Jahr der Wende gab es in der Stadt 15 Standorte für Friedensgebete, an welchen sich Menschen treffen konnten und auch über Missstände in der DDR aufmerksam gemacht wurde.

Roscher betont, dass die Kirche damals einen maßgeblichen Anteil an der friedlichen Revolution hatte. "Dass die Kirche was bringt, das jeden unmittelbar angeht", sagt Roscher, "das traut der Kirche heute fast keiner mehr zu." Der Tag des ersten Friedensgebets 1989 in Zwickau, der 16. Oktober, wurde 2014 zum lokalen Gedenktag ernannt, zu dem im Fünfjahresrhythmus Veranstaltungen durchgeführt werden sollen.

"Es ist wichtig, die Erinnerungskultur aufrecht zu erhalten, vor allem für die jüngeren Generationen", bemerkt Superintendent Pepel. "Damit man sich klar wird, wo unsere Positionen sind und wie wir sie weiter einbringen können."


Was unter anderem auf dem Programm steht

Der Auftakt zur Veranstaltungsreihe findet am Montag mit dem Podiumsgespräch "Gottes Lobbyisten - wie politisch darf Kirche heute sein" 19 Uhr im Peter-Breuer-Gymnasium statt.

Der Hauptbahnhof steht am 3. Oktober 10 Uhr im Zeichen des Erinnerns an die Flüchtlingszüge, die 1989 von Prag in Richtung Hof fuhren.

Die Aufarbeitung persönlich erlittenen DDR-Unrechts bildet den Kern von Edmund Käbischs neuem Buch "Lange Schatten meiner Stasi-Bearbeiter", dessen Präsentation zuvor schon mehrfach verschoben wurde. Jetzt ist sie für den 15. Oktober in der Hochschulbibliothek angekündigt.

Die Orte der friedlichen Revolution in Zwickau werden am Jahrestag des ersten Friedensgebets besucht, also am 16. Oktober. Zu dem Rundgang ist auch der damalige Pfarrer des Doms, Thomas Storl, angekündigt.

Über Demokratiegeschichte in Zwickau spricht am 8. November die Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, Aleida Assmann, im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Käthe-Kollwitz-Gymnasium.

Weitere Veranstaltungen finden bis zum Herbst 2020 statt. Höhepunkt wird voraussichtlich ein Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit 2020 im Muldeparadies, wo zahlreiche Festbeiträge geplant sind.

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