Werbung/Ads
Menü

Themen:

Der kleine Leonhard - hier mit Mutter Isabel (links) und Vater Sven Fischer sowie Hebamme Susann Spreer - ist das 900. Baby, das im Geburtenhaus an der Oststraße in Freiberg das Licht der Welt erblickt hat.

Foto: ECKARDT_MILDNER

Wo die Familie wächst

Im Geburtenhaus Freiberg ist kürzlich das 900. Baby zur Welt gekommen. Seit 13 Jahren gibt es die Einrichtung an der Oststraße.

Von Angelika Neumann
erschienen am 27.11.2017

Freiberg. Früher war es der Konsum des Wohngebietes an der Oststraße, heute ist es ein Geburtenhaus. Seit 13 Jahren gebären hier Frauen, begleitet von professionellen Hebammen. Dieser Tage kam das 900. Baby seit Bestehen der Einrichtung zur Welt. Isabel Rost aus Mulda gebar ihr zweites Kind. Stolze 3700 Gramm brachte der kleine Leonard auf die Waage.

Die junge Frau wollte, dass ihre Hebamme Susi sie auch zur Geburt begleitet, zudem ließen Erfahrungsberichte von Freundinnen den Entschluss reifen, diesmal im Geburtenhaus zu entbinden. "Eigentlich ist unsere Familie nun komplett, aber sollte sich doch noch ein Kind ankündigen, gehe ich wieder ins Geburtenhaus", so die 33-Jährige.

"Die Geburt war familiär und hat uns gut getan. Der Papa war dabei und ganz tapfer. Es war sehr schön", strahlt die junge Mutter. Leonard durfte gleich nach der Geburt mit Mama noch lange kuscheln, ehe es an das übliche Messen und Wiegen für ihn ging. "Es wird einem Zeit gegeben" - das empfand die Muldaerin besonders angenehm.

Beate Lewinski und Ines Schulze leiten das Geburtenhaus. Zu zweit begannen die Frauen, die zuvor viele Jahre auf der Freiberger Geburtenstation gearbeitet hatten, etwas in der Stadt bis dahin Ungewöhnliches. "Einige Nachbarn dachten, wir richten hier ein Freudenhaus ein", erinnert sich Beate Lewinski lachend an die Anfangszeit. Inzwischen hat sich herumgesprochen, was an der Oststraße passiert. Ein Zimmer ist in rot, eins in grün gehalten, mit vielen Kissen und hübsch dekoriert und einem Doppelbett, damit auch der Kindsvater zur Seite sein kann. Zwischen beiden Räumen steht eine Entbindungswanne, womit auch diese Art des Gebärens auf Wunsch möglich ist.

"Bei uns klappt auch keiner der Herren weg, die sind viel zu beschäftigt", sprudelt es aus Beate Lewinski heraus. Die Männer halten zum Beispiel bei der Geburt die Hand ihrer Partnerin, streicheln sie, reichen ihr etwas zu Trinken und gehen den Hebammen mit kleinen Hilfeleistungen zur Hand. So ähnlich wie es früher in den Schlafzimmern oder Wohnstuben der Familien ablief.

Doch die Hebammen stehen den Frauen und Paaren auch bei einer Hausgeburt bei. Gewollt oder aus der Situation heraus - denn manchmal wird aus dem angeforderten Hausbesuch auch eine ungeplante Hausgeburt. Einfach, weil das Kind nicht mehr warten kann. "Das passiert, für uns kein Problem. In der Familie erweisen sich dann jedoch meist die Omas und Opas als die Gelasseneren", sagt Ines Schulze. "Die Väter müssen wir schon mal zum Rauchen ins Freie schicken."

Unzählige lustige und berührende Geschichten können die Hebammen erzählen. Ein Vater sprang vor Freude über die glückliche Geburt mit einem kühnen Sprung aufs Bett. Adoptiveltern erlebten das Auf-die- Welt-Kommen des neuen Erdenbürgers mit, der künftig bei ihnen aufwächst. Eine Mutter sang ihrem Neugeborenen ein Lied. Das sind die Momente, die auch die Hebammen nie vergessen.

Inzwischen arbeiten sechs Hebammen im Freiberger Geburtenhaus, eine siebente kommt demnächst dazu. 450 Patientinnen werden jährlich betreut, aus der Region und manchmal auch weiter davon entfernt. Im ersten Halbjahr des Bestehens kamen neun Kinder zur Welt, später pegelte es sich auf jährlich rund 25 Geburten ein, jetzt sind es 80 bis 90. Das Geburtenhaus arbeitet eigenständig und dennoch eng mit dem nahen Kreiskrankenhaus zusammen. "Unsere Verlegungsrate ist mit 2,07 Prozent allerdings sehr gering", sagt Beate Lewinski. "Die Frauen, die sich bei uns auf die Geburt vorbereiten lassen, entbinden meist auch bei uns." Drei Hebammen sind für die Entbindungen zuständig, die anderen widmen sich Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskursen oder Kursen für Geschwister.

"Die Frauen wollen alle ummuttelt werden, und das bieten wir ihnen rund um die Uhr", so Lewinski, deren Tochter Anna im Haus die Logistik und das Qualitätsmanagement übernahm. Briefe und Karten, in denen sich Eltern dafür bedanken, flattern regelmäßig in Haus, oft mit Fotos der glücklichen Familie garniert. Die 13-Jährige entscheidet sich ebenso wie die 46-Jährige für eine Entbindung in fast familiärer Atmosphäre. Es kommen Frauen aus allen sozialen Schichten, von der Hartz-IV-Empfängerin bis zur Frau Professor. Meist verbringen sie drei oder vier Stunden im Geburtenhaus. Kommt das Kind nachts, sitzen alle Beteiligten dann oft auch gemütlich zum Frühstück zusammen, manchmal auch mit der ganzen Familie der Wöchnerin. Manchmal schlafen die Geschwister des neuen Erdenbürgers auch gleich mit im Haus, wenn es niemanden gibt, der sie in der Zeit der Geburt betreuen kann.

Das Familiäre begrenzt sich nicht auf das Du. Es gibt Hilfe bei Schwangerschaftsbeschwerden oder Behördenangelegenheiten, mal Pizza für die ganze Familie oder Ratschläge bei ganz persönlichen Problemen der werdenden Mutter. Da ist ein Mädchen viel zu zeitig schwanger, da zieht der Partner nicht mit, da hat die ältere werdende Mutter Ängste... Die Probleme sind vielgestaltig.

Doch die Hebammen nehmen sich Zeit für solche Gespräche, besuchen die Betroffenen auch daheim. Das selbstbestimmte Gebären, und das ohne Zeitdruck, steht im Mittelpunkt des Hauses an der Oststraße. "Wir beobachten die Geburt und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Es läuft alles so natürlich wie möglich ab", sagt Ines Schulze. "Die Frauen lernen, auf ihr Körpergefühl zu achten, denn das geht heutzutage oft verloren." Als vorteilhaft sehen die Hebammen auch die gemeinsame Geburtsvorbereitung von Erstgebärenden und gestanden Müttern sowie blutjungen und älteren in den gemeinsamen Kursen an. Da nimmt eine mehrfache Mutter dem jungen Mädchen die Angst vor der Entbindung, da entstehen Freundschaften, die manchmal auch danach Bestand haben. Ein bisschen Familie eben...

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
0

Lesen Sie auch

Kommentare
0
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
Bildergalerien
  • 18.01.2018
Haertelpress
So wütete Friederike in der Region

Sturmtief Friederike ist am Donnerstag über Südwestsachsen hinweggezogen. Unsere Bildstrecke zeigt Impressionen. ... Galerie anschauen

 
  • 02.01.2018
Nadine Langer
So leuchtete der Supermond in der Region

Das neue Jahr startete spektakulär - mit einem Supermond. Weil der Vollmond in der Nacht zum 2. Januar der Erde besonders nahe kam, erschien er größer als gewöhnlich. Unsere Bildstrecke zeigt Motive aus der Region Südwestsachsen. ... Galerie anschauen

 
  • 20.12.2017
Jana Rogge
Wildgerichte für Einsteiger

Trier (dpa/tmn) - Die Hähnchenbrust, die Rinderlende oder das Schweinekotelett: Sie gehören zu den gängigen Fleischsorten, die regelmäßig auf den Teller kommen. Einem Stück vom Wildschwein, Hirsch oder Reh dagegen begegnet manch einer mit Skepsis. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 09.12.2017
Jens Uhlig
Glätteunfälle in der Region

Glatte Straßen haben am Wochenende zu einer erhöhten Unfallgefahr in Südwestsachsen geführt. ... Galerie anschauen


 
 
 
 
 
 
Wetteraussichten für Freiberg
Sa

3 °C
So

1 °C
Mo

1 °C
Di

3 °C
Mi

7 °C
 
Unsere Youtube-Videos

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Freie Presse Immobilien
Immobilienangebote für Freiberg und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Freiberg

Immobilienportal

Mietangebote

Kaufangebote

 
 
 
 
Online Beilagen

Unser Onlineshop wird 1 Jahr und alle Märkte feiern mit - bei MediMax.

Unsere aktuellen Angebote - auf einen Klick...

 
 
 
 
Ärztliche Notdienste
Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiterlesen
 
 
 
 
Freie Presse vor Ort

09599 Freiberg
Kirchgäßchen 1
Telefon: 03731 3760
Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 9.00 - 17.30 Uhr, Sa. 9.00 - 12.00 Uhr

weiterlesen
 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm