Annikas großer Traum geht endlich in Erfüllung

Das von Geburt an schwer behinderte Mädchen hegt seit Langem den Wunsch, ihren Vater bei seinen Touren auf dem Motorrad zu begleiten. Das passende Gefährt steht dank Spendenaufruf nun bereit.

Oelsnitz.

Annika Weigands Traum ist wahr geworden. Seit Anfang Mai ist die 13-jährige von Geburt an schwerstbehinderte Oelsnitzerin überglücklich. Nun kann sie an den Motorradausflügen mit ihrem Papa teilhaben. "Sie begeistert sich für alles, was mit Geschwindigkeit zu tun hat. Motorräder liebt sie besonders", erzählt ihr Vater Michel Weigand. "Jedes Mal, wenn ich mit meinem Motorrad losgefahren bin, wollte sie mit. Aber auf einem normalen Bike geht das nicht. Das hat sie sehr traurig gemacht."

Nun konnte sich die Familie aufgrund der großen Spendenbereitschaft, auch vieler Freie Presse"-Leser, ein Seitenwagen-Motorrad kaufen. Die Fahrten mit der Maschine sind wie eine Therapie für das Mädchen, das sonst im Rollstuhl sitzt. Weigand: "Sie hat sich sehr zum Positiven verändert, ist ausgeglichener und nicht mehr so aufbrausend." Annika war als Frühgeburt per Notkaiserschnitt nach Sauerstoffmangel und einer Gehirnblutung schwerstbehindert auf die Welt gekommen. "Sie kann nur schwer mit ihrer Umwelt kommunizieren, ist in sich gefangen, obwohl sie versteht, was um sie vorgeht", erklärt der Papa. "Wir haben uns eine Art Zeichensprache ausgedacht, mit der wir uns verständigen."

"Ich will mich bei allen bedanken, die gespendet oder uns irgendwie geholfen haben", strahlt Michel Weigand. "Speziell bei Marcel und Kevin Ranacher, die die ganze Sache ins Rollen gebracht haben. Ohne sie wäre alles nie so gekommen. Auch durch diese Aktion sind aus Nachbarn gute Freunde geworden, die gesamte Nachbarschaft ist zusammengerückt und hat geholfen."

Marcel Ranacher sagt: "Mir war klar: Wir mussten was machen. Es wird so viel Geld für Stuss ausgegeben, hier hatte es Sinn. Nach dem Artikel über Annika in der Freien Presse im September vorigen Jahres stand mein Telefon drei Tage lang nicht still. Das war klasse!" Ranacher gibt das Kompliment von Michel Weigand weiter: "Wir sollten auch die BMW-Freunde um Helmut Hahn aus Stockach nicht vergessen, der extra für Annika sein Seitenwagenmotorrad wieder zum Rollen und mit nach Oelsnitz gebracht hat." Auf seiner vom Bodensee herangeschafften Maschine hatte das Mädchen, das nächsten Monat 14 wird, begeistert erste Runden im Seitenwagen gedreht und war danach kaum wiederzuerkennen.

Der folgende Beitrag in der "Freien Presse" hatte eine Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst. "Eine Oelsnitzer Baufirma hat einen größeren Betrag überwiesen, dazu kamen viele Spenden von Privaten", erzählt Michel Weigand. 2700 Euro waren es zusammen. "Wir haben noch 300 Euro draufgelegt und kauften die Seitenwagenmaschine bei Ebay."

Mit der tschechischen Jawa aus dem Jahr 1995 machen sich Annika, Papa Michel und Mama Mandy nun am Wochenende auf zu kleineren Touren. "Annika findet es super, wenn ihr der Wind um die Nase weht", sagt der Papa. "Das ist schon ein festes Ritual. Irgendwie hat unsere Tochter einen siebenten Sinn entwickelt und weiß genau, wann es losgeht. Dann ist sie ganz aufgeregt, während der Fahrt quietscht sie vor Vergnügen. Und wenn wir am Ziel sind, bedeutet sie uns, dass sie nicht aussteigen und noch eine Runde gefahren werden will."

Die Jawa, die einem Motorradfreund aus Bayern gehört hatte, war ursprünglich weiß gewesen. "Aber die Maschine hatte sowieso eine neue Lackierung nötig", erklärt Michel Weigand. "Annika durfte die neue Farbe selbst raussuchen, Blau hat ihr am besten gefallen." So wurde die Jawa in Marcel Ranachers Werkstatt umgespritzt. Der übernimmt künftig kostenlos die technische Betreuung des Gefährts. Michel Weigand hat die große Resonanz eine Erkenntnis gebracht: "Man glaubt wieder ein Stück mehr an das Gute im Menschen. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man weiß, dass man mit seinen Problemen doch nicht so ganz allein dasteht."

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