Wie Michelle die Schule meistert

Das schwerstbehinderte Mädchen besucht die Förderschule in Markneukirchen - zum Alltag dort gehören sogar Streichel-einheiten. Doch etwas besonders Wichtiges fehlt.

Klingenthal / Markneukirchen.

Sehr viel Zuneigung erfährt die schwerstbehinderte Michelle aus Klingenthal täglich von ihrer Mutter Daniela Engelhardt (43). Und auch von vielen anderen Menschen: nämlich von ihren Mitschülern und Lehrern in der Förderschule Markneukirchen. Dort ist die Freude bei ihren Klassenkameraden und der Lehrerin groß, wenn die 14-Jährige an drei Tagen in der Woche den Unterricht in der Klassenstufe 7 besucht. Es ist ein Unterricht, der nicht mit dem in einer Oberschule zu vergleichen ist. Alles ist auf Michelle abgestimmt. In erster Linie geht es darum, ihre Wahrnehmung zu fördern. Denn Michelle leidet an einer seltenen Stoffwechselerkrankung, die sich Tyrosinämie Typ 1 nennt. Die Folge: Sie ist auf den Rollstuhl angewiesen, kann sich nicht bewegen, nicht sprechen und auch nicht sehen. Doch das soziale Verhalten ihrer Mitschüler scheint sie zu spüren, sagt Klassenlehrerin Bärbel Meisel: "Die Zuneigung merkt sie schon. Sie strahlt dann besonders viel Ruhe aus. Man merkt es auch an ihrem offenen und munteren Blick, der sich dann auftut." Um die Wahrnehmung zu fördern, wird an der Schule unter anderem mit Gerüchen gearbeitet. Blumen oder Kräuter etwa sollen den Geruchssinn schärfen.

Bärbel Meisel bekommt im Fall von Michelle Unterstützung durch die Einzelfallhelferin Elisabeth Henke. Sie unterstützt die 14-Jährige in den Schulstunden - und auch, wenn es ihr mal nicht so gut geht: Das Mädchen kann nicht immer durchgehend von morgens bis nachmittags an den Doppelstunden teilnehmen. Wenn es mal nicht so gut läuft, zieht sich Elisabeth Henke mit ihr in einen sogenannten Snoezelraum zurück, ein Zimmer der Ruhe. Dort erfährt Michelle auch schon mal gefühlvolle Streicheinheiten mit einer Bürste oder einem Pinsel - alles im Sinne der Wahrnehmungsförderung.

Ausflüge mit der Klasse sind indes nur schwer möglich. Der Fahrdienst, der Michelle früh zur Schule bringt und später wieder nach Hause schafft, sei dafür nicht zuständig. Hier wäre ein behindertengerechtes Auto hilfreich, auf das auch im privaten Bereich Michelles Mutter Daniela angewiesen ist, um zum Beispiel Arztfahrten zu erledigen. Denn im Sommer gab ihr 14 Jahre alter Kleinbus den Geist auf. Erneuert werden müssten Getriebe, Kupplung und Bremsen. Eine Reparatur oder ein neues Auto kann sich Da-niela Engelhardt nicht leisten. Ein neues behindertengerechtes Fahrzeug wäre auch unterstützend im schulischen Bereich. "Wenn Frau Engelhardt so ein Auto hätte, dann könnte Michelle auch an Ausflügen und Projekttagen teilnehmen", sagt Lehrerin Bärbel Meisel. "Freie Presse"-Leser können dafür spenden.

Im Internet erhalten Sie Infos über die aktuellen Spendenprojekte. Zugleich haben Sie die Möglichkeit, Ihre Spende direkt für das jeweilige Hilfsprojekt zu überweisen.

Zum Leser-helfen-Spezial

Zum Spendenformular

 

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...