Botschaft erinnert nicht nur an Genscher

Straßen und Botschafter, ungewöhnliche Orte, Promis: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt. "Freie Presse" veröffentlicht einen Teil seiner Berichte. Teil 14: die Trabi-Skulptur in Prag.

Zwickau/Prag.

25 Jahre Mauerfall und Wiedervereinigung - diese Jubiläen waren auch ein später kleiner Triumph für den einst als "Rennpappe" verspotteten Trabant, dessen Produktionsende sich am 30. April ebenfalls zum 25. Mal jährt. Kaum ein Pressebericht kam ohne die Bilder von Trabi-Kolonnen an den Grenzübergängen oder den Trabi-Motiven am längsten noch erhaltenen Berliner Mauerstück "East Side Gallery" aus. Trabi-Souvenirs und Trabi-Safaris stehen bei Hauptstadt-Touristen und in Dresden per se hoch im Kurs.

Die wohl außergewöhnlichste Ehrung erfährt der Zwickauer Zweitakter in Prag. Der Künstler David Cerný formte aus der "Legende auf Rädern" eine "Legende auf Beinen": Wie Bigfoot auf allen Vieren scheint der Trabant durch den prächtigen Garten der Deutschen Botschaft zu stapfen. Offiziell trägt das Denkmal den Namen "Quo Vadis" und symbolisiert die Massenausreise im Herbst 1989. Damals nahmen hier tausende DDR-Bürger die Beine in die Hand und ließen ihre Trabis in den Altstadtgassen zurück. Nach den erlösenden Worten des am 31. März 2016 verstorbenen Außenministers Hans-Dietrich Genscher auf dem Botschaftsbalkon rollten die Flüchtlingszüge über Dresden und Zwickau nach Hof.

Botschaftssitz ist das oberhalb der Karlsbrücke gelegene Palais Lobkowitz. Man läuft die Straße Vlašská hinauf und biegt in Höhe des Krankenhauses nach links in einen Weg ab, der zur Rückseite des Diplomatengeländes führt. Durch den hohen Zaun, über den DDR-Flüchtlinge kletterten, bietet sich der schönste Blick auf das Denkmal und historische Gebäude. Aber Vorsicht: Wer sich der angrenzenden US-Botschaft zu weit nähert, bekommt Ärger mit dem Wachposten!

Bei der Bronzeskulptur handelt es sich um eine Kopie, die seit Herbst 2001 im Botschaftsgarten steht. 2007 wurde sie um einige Meter nach vorne verschoben, um die Sichtbarkeit des in vielen Reiseführern erwähnten Kunstwerks zu verbessern. Das Original wurde dem Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig überlassen. Bildhauer ČCerný hat weitere Aufsehen erregende Skulpturen in Prag erschaffen, darunter die urinierenden Männer im Hof des Kafka-Museums.

www.zwickautopia.de

www.freiepresse.de/spuren

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