Ideen für das Herz von Planitz gesucht

Der Marktplatz ist seit mehr als 100 Jahren das Zentrum von Oberplanitz. Vor allem aber ist er zum Verkehrsknoten geworden. Das soll sich jetzt ändern.

Zwickau.

Anwohner und Gewerbetreibende am Oberplanitzer Markt sind sich einig: Das Areal braucht nicht nur eine Frischekur, sondern eine vollständige Neugestaltung. Grünflächen, die den Namen verdienen, gibt es kaum, Bänke fehlen, und bei jedem Schritt muss man auf den Verkehr achten. Das Problem ist nicht neu. Ende 2015 hatte der Stadtrat beschlossen, für 25.000 Euro ein Fördergebietskonzept erarbeiten zu lassen.

Fertig ist es noch immer nicht, wie Rathaussprecher Mathias Merz bestätigte. Die CDU-Fraktion im Stadtrat drückt aufs Tempo. "Da muss sich dringend etwas tun", fordert Fraktionschef Thomas Beierlein. Vor allem müsse der Verkehr anders geführt werden. Er geht davon aus, dass eine Umgestaltung auch die Sanierung des ehemaligen Schocken-Kaufhauses und die Bebauung der angrenzenden Freifläche beschleunigt.

Wie Merz sagte, überlegt ein Einzelhandelsunternehmen, das marode Kaufhaus zu sanieren. Auch eine Erweiterung auf das Nachbargrundstück sei im Gespräch. "Es gab bereits erste Abstimmungen ", sagte er. Bisher jedoch seien weder eine Bauvoranfrage für das Kaufhaus noch für das Grundstück eingegangen. Klar ist: "Es sollten Grünflächen angelegt und Bänke aufgestellt werden." Konkrete Pläne, wie der Platz einmal aussehen könnte, gibt es freilich noch nicht. Die hängen von der künftigen Verkehrsführung ab. Hier sind die Vorstellungen schon etwas deutlicher: Die Kreuzung Zwickauer/Post-/Edisonstraße könnte zu einem Kreisverkehr umgebaut werden. "Hierfür bedarf es jedoch weitergehender Planungen", sagte Merz.

Die ansässigen Händler würden eine Umgestaltung des Marktes lieber heute als morgen sehen, haben aber auch Bedenken, wenn es darum geht, die Autos zu verbannen. Für Nancy Freitag vom Eiscafé "Eisbär" wäre es vor allem wichtig, die Verkehrsinsel zu vergrößern und zu gestalten. Aber: "Die Kunden müssen an den Geschäften parken können."

Auch Christiane Dreißig, Inhaberin des gleichnamigen Feinkostgeschäftes, ist dieser Meinung. Sie würde es gern sehen, wenn der Platz auch für Feste genutzt werden könnte. Sie regte zudem an, das Gebiet um den Markt zur Tempo-30-Zone zu machen.

Von einer Umgestaltung könnte auch der Wochenmarkt profitieren. Matthias Rose, bei der Kultour Z. für Märkte zuständig, räumte ein, dass es weniger Händler geworden sind. "Aufgrund von Beschwerden wurde der Parkplatz erweitert und damit die Marktfläche reduziert". Die Idee, auch den Busverkehr vom Markt zu verbannen, sieht die Geschäftsführerin der Städtischen Verkehrsbetriebe, Anett Glöckner, allerdings skeptisch, weil die Haltestelle für Umsteiger wichtig ist. "Ich sehe zum gegenwärtigen Standort keine Alternative", sagte sie. Auf jeden Fall, so Glöckner, sollte die Haltestelle barrierefrei ausgebaut werden.


Kommentar: (K)ein Plan

Der gefräßige Verwaltungspapiertiger hat wieder zugeschlagen. Sein Leckerli diesmal: ein Fördergebietskonzept. Das mag vielleicht tatsächlich 25.000 Euro wert sein. Wenn der Steuerzahler das Geld schon rausrücken muss, dann sollte aber wenigstens sichergestellt sein, dass bei derartigen Aufträgen nachvollziehbare Fristen gesetzt werden. Zwei Jahre, in denen nichts passiert und die Händler am Planitzer Markt mit den Problemen allein gelassen werden, sind einfach zu lang. Otto Normalverbraucher versteht ohnehin kaum noch, wozu die dicken Ordner mit Papier gebraucht werden. Es erklärt ihm ja auch kaum einer, dass das die Folge durchbürokratisierter Förderpolitik ist. Ohne detailliertes Konzept keine Fördermittel, so einfach ist das für Vater Staat. Die Kommunen müssen mitspielen, denn ohne Fördermittel geht gar nichts mehr bei den städtischen Investitionen. Bei aller Korrektheit droht allerdings auch in Planitz eine Planung über die Köpfe der Betroffenen hinweg. Bis heute hat keiner mit den Händlern über ihre Wünsche gesprochen. Bürgernähe sieht anders aus.

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