Schloss Osterstein GmbH: Der letzte Akt beginnt

Am 21. März erfahren die Gläubiger, wie viel Geld sie aus der Insolvenzmasse erwarten können. 16 Jahre dauerte das Verfahren.

Zwickau.

Im März 2002 war es die Top-Nachricht: Kurt Fliegerbauer und seine Schloss Osterstein Verwaltungsgesellschaft stecken in finanziellen Schwierigkeiten. Wegen offener Steuerforderungen hatte das Finanzamt einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Jetzt, fast auf den Tag genau 16 Jahre später, steht das Verfahren vor dem Abschluss. Am 21. März wird Insolvenzverwalter Bruno Kübler in Chemnitz erklären, wie das verbliebene Vermögen der Firma unter den Gläubigern aufgeteilt wird.

Insgesamt hat der Insolvenzverwalter etwas mehr als 14 Millionen Euro als berechtigte Forderungen anerkannt. Dem gegenüber stehen 988.000 Euro an gesichertem Firmenvermögen. Mehr konnte der Insolvenzverwalter nicht auftreiben. Das hatte Kübler im Jahr 2002 noch optimistischer gesehen. Damals sagte er der "Freien Presse": "Vermögen in Form von Immobilien ist auf jeden Fall vorhanden." Eine aktuelle Anfrage an die Kanzlei blieb unbeantwortet.

"Der Insolvenzverwalter hat die Lage falsch eingeschätzt", sagt der Osterstein-Geschäftsführer Kurt Fliegerbauer. Die in der Öffentlichkeit diskutierten knapp 300 Wohnhäuser waren nicht Eigentum der Firma. Sie gehörten laut Fliegerbauer privaten Investoren. "Die Firma hat die Immobilien in deren Auftrag saniert und dann vermarktet." Fliegerbauer bestätigt, dass es Grundstücke im Firmenbesitz gab, die vom Insolvenzverwalter übernommen wurden. "Allerdings waren diese mit dem Auslaufen der Sonderabschreibungen nicht mehr so viel wert wie erhofft", sagt er. Gründe für die Pleite sieht er zum einen in eigenen Außenständen in Millionenhöhe sowie in der Mietpreisbindung. Damit sollte den Immobilienbesitzern eine schnelle Refinanzierung ihrer Investitionen garantiert werden. Das allerdings führte zu vergleichsweise hohen Mieten. "Da wurde es immer schwerer, neue Mieter zu finden", sagt Fliegerbauer.

Dennoch sieht er noch heute das Insolvenzverfahren als übereilt an. Es ging um 250.000 Euro, die er dem Fiskus in Form von Körperschaftssteuern und Mehrwertsteuern geschuldet haben soll. Invest-Mittel in größeren Summen seien nicht rechtzeitig geflossen. Fliegerbauer sprach damals von maximal zwei Wochen, die er benötigt hätte, um seine Schulden beim Finanzamt zu bezahlen. Doch so lange habe das Amt nicht warten wollen.

Für Fliegerbauer spielt das Insolvenzverfahren heute keine große Rolle mehr. Für ihn war es wichtig, seine Arbeit fortsetzen zu können. "Wir haben natürlich weiter saniert", sagt er. "Alle Projekte wurden zum Abschluss gebracht und auch neue begonnen." Auch die Stadt Zwickau hat Forderungen im Verfahren eingereicht, will sich wegen des Steuergeheimnisses und des Datenschutzes aber nicht näher äußern. Anwalt Kübler hatte 2002 von etwa einer Million Euro an Gewerbesteuern gesprochen.

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