Wohin das Muldewasser fließt

Straßen, Botschafter, ungewöhnliche Orte: Der Journalist Christian Adler begibt sich auf die Spuren seiner Geburtsstadt Zwickau. "Freie Presse" ver- öffentlicht einige Berichte. Teil 21: eine Radtour entlang des Flusses.

Zwickau.

Den Zusammenfluss von Zwickauer und Freiberger Mulde bei Colditz haben wir in der Folge 20 meiner Berichte in der Ausgabe vor einer Woche erreicht. Nun radeln wir weiter entlang der 147 Kilo- meter langen Vereinigten Mulde. Auf größtenteils ebener Strecke geht es flott voran. Markante Punkte auf sächsischem Gebiet sind das Jagdhaus Kössern, die Klosterruine Nimbschen, die Altstädte von Grimma - bekannt auch als "Perle des Muldentales" - und Bad Düben, die Silhouetten von Wurzen und Eilenburg, die Unterquerungen der Autobahn 14 und der ICE-Strecke Dresden-Leipzig, die Schlösser Trebsen, Thallwitz und Schnaditz, der Planitzwald, die Radfahrer- kirche Gruna und die Mühle Tiefensee. Letzter Ort in Sachsen ist Löbnitz.

Die Landesgrenze verläuft quer durch den Seelhausener See. Seine Nachbarn, der Muldestausee und der Große Goitzschesee, liegen komplett auf dem Territorium von Sachsen-Anhalt. Bei diesen Gewässern handelt es sich um ehemalige Tagebaulöcher. Im Tagebau Muldenstein - dem heutigen Muldestausee - sind in den Jahren von 1955 bis 1975 rund 126 Millionen Tonnen Rohkohle gefördert worden. Dazu mussten 400 Millionen Kubikmeter Abraum bewegt und 450 Millionen Kubikmeter Grundwasser gehoben werden. Um den Tagebau Goitzsche zu erschließen, wurde die Mulde verlegt. Dafür nutzte man den erschöpften Tagebau Muldenstein und flutete ihn in den Jahren 1975 und 1976. Der langgezogene, sechs Quadratkilometer große und bis zu 35 Meter tiefe Muldestausee ist heute ein Naherholungsgebiet. Auf Flügen, etwa zwischen Düsseldorf und Dresden, lässt sich die Seenlandschaft bei Bitterfeld-Wolfen gut überblicken.

Muldestausee heißt auch eine Großgemeinde mit fast 12.000 Einwohnern. Nach einer Übernachtung im Ortsteil Pouch habe ich die letzte der vier Etappen in Angriff genommen. Dabei werden die Bahnstrecke Berlin-Leipzig und die A 9 unterquert. Stopps lohnen am Muldensteiner Herrenhaus mit Giftpflanzengarten, in der Altstadt von Jeßnitz und im Zentrum der Bauhausstadt Dessau. Sachsen-Anhalts drittgrößte Stadt hat wie Zwickau wegen starken Einwohnerverlusts ihren Großstadtstatus eingebüßt und sich 2007 mit dem Nachbarn Roßlau zur neuen Kommune Dessau-Roßlau zusammengeschlossen - vielleicht ein nachahmenswertes Modell für Zwickau und Wilkau-Haßlau.

Auf den letzten Kilometern windet sich die Mulde durch die flache Dessau-Wörlitzer Kulturlandschaft. Sehenswert sind die futuristische Tiergartenbrücke und die über- dachte Jagdbrücke aus Holz, wo sich Mulde- und Elberadweg kreuzen. Rund 290 Kilometer nach dem Tourbeginn an der Quelle im vogtländischen Schöneck ist das Ziel erreicht: die Mündung der Mulde in die Elbe.

www.zwickautopia.de

www.freiepresse.de/spuren

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