Krätze breitet sich in Sachsen aus

Die Gesundheitsämter registrierten 2017 mehr als doppelt so viele Erkrankte wie im Jahr zuvor. Und der Trend hält an. Nicht zuletzt weil die Krankheit heimtückisch ist.

Chemnitz.

Juckreiz, Bläschen, gerötete Haut: Die Krätze ist für Betroffene eine Qual. Seit einiger Zeit greift die Infektionskrankheit auch in Sachsen wieder vermehrt um sich, wie Daten der Gesundheitsämter und der Krankenkasse Barmer zeigen. "In Chemnitz stieg die Anzahl der gemeldeten Fälle von 80 im Jahr 2016 auf 176 im Jahr 2017", sagt Anke Protze, stellvertretende Amtsärztin von Chemnitz. Ähnlich ist die Situation im Landkreis Mittelsachsen. Dort hat sich die Anzahl der Krätze-Kranken von 2016 auf 2017 von 48 auf 140 verdreifacht, wie Sprecher André Kaiser informiert. Ein Ende sei nicht in Sicht. "In den ersten Wochen des neuen Jahres hatten wir schon 85 Meldungen", so Kaiser. Auch Dresden verzeichnet im Jahresvergleich einen Anstieg von 67 auf 138 Fälle.

Den Gesundheitsämtern werden allerdings nur Erkrankungen in Gemeinschaftseinrichtungen gemeldet. Deshalb liegt die tatsächliche Anzahl der Betroffenen viel höher, wie aus Daten der Krankenkasse Barmer abzulesen ist. Sie hat die Ausgabe von Arzneimittel-Wirkstoffen gegen Krätze untersucht. "Die Verordnungen von entsprechenden Salben und Tabletten an Barmer-Versicherte stiegen innerhalb eines Jahres in Sachsen um mehr als die Hälfte - von 900 auf 1400, im Bundesschnitt sogar um rund 70 Prozent auf mehr als 61.000", sagt Fabian Magerl, Geschäftsführer der Kasse in Sachsen.

Bei Infektionskrankheiten wie der Krätze gebe es immer wieder Schwankungen, erklärt Anke Protze. "Einen nicht unwesentlichen Teil der Neuerkrankungen führen wir auf die Zuwanderung zurück. Auf der Flucht lebten die Menschen oft unter unhygienischen Bedingungen und dicht beieinander. Auch in Kitas und Schulen gehe es teils eng zu. Da breiten sich solche Erkrankungen sehr schnell aus", so Protze. Neu eingeschleppt worden sei die Krätze aber nicht. Sie komme seit Jahrzehnten in Deutschland vor.

Die Krätze-Milben graben sich unter die Haut und legen dort ihre Eier ab. Vorwiegend suchen sie sich trockene und dünne Hautstellen, etwa zwischen den Fingern und den Zehen, unter den Achseln und im Genitalbereich. Durch den Milbenkot kommt es zu Entzündungsreaktionen, erklärt Hautärztin Angela Unholzer. "Der Juckreiz ist so stark, dass sich die Betroffenen blutig kratzen. Das kann wiederum Infektionen nach sich ziehen." Diese Beschwerden führten die Betroffenen dann zum Arzt. "Doch auch dort kann die Krankheit mit einer Allergie oder einem Ekzem verwechselt und damit falsch behandelt werden", weiß Hautärztin Utta Petzold. Das fördere die weitere Verbreitung.

Die Krankheit wird in der Regel mit einer Salbe behandelt. Das einmalige Auftragen genüge meist, sagt Unholzer. Seit Mai 2016 gibt es auch eine Tablette gegen Krätze. Doch die Produktionskapazitäten reichen nicht aus. Immer wieder kommt es zu Engpässen. So auch derzeit, wie der Pharmagroßhändler Noveda bestätigt: "Vor April können wir nicht liefern." Die Salben seien verfügbar.

"Krätze kann jeden treffen. Das hat nicht unbedingt etwas mit Unsauberkeit zu tun. Die Übertragung erfolgt durch intensiven Körperkontakt", sagt Utta Petzold.

Und die Krankheit ist heimtückisch. Bis die ersten Entzündungen auftreten, können bis zu zehn Wochen vergehen. Dann ist es schwer, noch die Infektionsquelle auszumachen. Eine Weiterverbreitung lässt sich stoppen, wenn Bettwäsche, Handtücher und Kleidung bei 60 Grad gewaschen wird. "Ist das nicht möglich, werden die Sachen für etwa eine Woche fest in einer Plastiktüte verpackt. Ohne Nahrung sterben die Milben nach etwa vier Tagen", so Protze.

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