Als Briefmarken-Kommissar nach China

Nicht nur beruflich ist Frank Blechschmidt aus Bermsgrün viel unterwegs. Sein Hobby brachte ihn zu einer Weltausstellung.

Bermsgrün/Wuhan.

Als Achtjährigen hat Frank Blechschmidt 1970 die Faszination für Briefmarken gepackt. Da konnte der Bermsgrüner freilich noch nicht ahnen, dass er durch die meist gezackten Sammelobjekte knapp 50 Jahre später etwas ganz Besonderes erleben würde: Er flog für zehn Tage nach China zu einer Welt-Briefmarkenausstellung. "Aber nicht als Aussteller, sondern in der Funktion als Kommissar für Deutschland", erklärt der Vorsitzende des Briefmarken-Sammlervereins Schwarzenberg. Er hatte die Objekte der 21 deutschen Aussteller nach China zu bringen, zu verzollen, aufzubauen. "Und nach der Schau dann alles in umgekehrter Reihenfolge", sagt Blechschmidt. "Die ganze bürokratische und technische Abwicklung ist schon ein großer Aufwand."

Dass der Bund deutscher Philatelisten den Erzgebirger mit dieser verantwortungsvollen Aufgabe betraute, war Ehre und Verpflichtung zugleich. Frank Blechschmidt hat langjährige Erfahrungen als Sammler und Preisrichter, in der Vereins- und Verbandsarbeit, als Organisator und Veranstalter von Ausstellungen. Er genießt deshalb hohes Ansehen und Vertrauen in Sammlerkreisen, sonst würde man ihm die oft sehr wertvollen Kollektionen - selbst wenn sie versichert sind - kaum anvertrauen.


In engem Kontakt mit dem deutschen Dachverband und den letztlich 21 bestätigten deutschen Ausstellern bereitete der Bermsgrüner alles akribisch vor. "Sechs Jugendobjekte und 15 Seniorobjekte, darunter fünf Bücher, meldeten wir für diese Weltausstellung an", erklärt Blechschmidt. "Ein Objekt mit Marken und Belegen hatte mindestens fünf Rahmen à 16 Blatt zu füllen. Je Rahmen waren 80 Dollar Gebühr fällig, dazu eine Kommissargebühr." Dieses Geld und viel Schriftliches, darunter die Bestätigungen für abgeschlossene Versicherungen - liefen bei Blechschmidt zusammen. Zum Stichtag hatte er alle Ausstellungsgebühren dem Generalkommissar der Schau zu überweisen. "Doch das ist nur ein Teil der Bürokratie, die abzuarbeiten ist", weiß Blechschmidt, der als Handelsvertreter sein Geld verdient. Er nennt weitere Beispiele aus dem "Pflichtprogramm": "Offizielle Einladung aus China und offizielles Entsendungsschreiben aus Deutschland, Visa-Beantragung und umfangreiche Zollformalitäten."

Logisch die Freude, wenn all das rechtzeitig fertig und in Ordnung ist, wenn das Flugzeug von Frankfurt (Main) über Hongkong endlich Wuhan in Zentralchina erreicht - und die Koffer auf dem Rollband auftauchen. "Die drei wertvollsten Objekte hatte ich aber im Handgepäck", sagt der passionierte Philatelist. "Ist 'ne Versicherungsfrage."

Alles ging gut: An- und Abreise, die zehn Tage in China mit der einwöchigen Ausstellung. "Die Gastgeber gaben sich große Mühe, sind ja riesige Dimensionen gewohnt", sagt Blechschmidt. "Kein Wunder, dass die Veranstaltung auch ,Olympische Spiele der Philatelie' genannt wurde: 800 Aussteller aus 83 Ländern, ungefähr 150.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 350.000 Besucher und ein Rahmenprogramm von Eröffnung über Ausflüge bis Festabend." Nur zwei deutsche Aussteller waren mit in China. Die übrigen scheuten Reisekosten und Aufwand. In der Schau ging es übrigens um die Ehre: Einmal Großgold, viermal Gold und fünfmal Vermeil gab's für Deutsche.

Ausblick: Im Juni 2020 findet im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin die "Ostropa" statt, eine traditionsreiche internationale Ausstellung insbesondere für die Freunde der osteuropäischen Philatelie. Als leitender Kommissar für diese Schau hat ein Erzgebirger den Hut auf: Frank Blechschmidt.

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