Labsal für strapazierte Ohren

Beim Weihnachtskonzert mit dem Blema-Chor "Gerhard Hirsch" gab es auch besinnliche Geschichten zu hören.

AUE.

Was ist das Besondere an den Konzerten des Blema-Chores? Es sind die stillen Lieder ohne Instrumentalbegleitung. Ohne überflüssiges Zugebimmel, musikalisch wohlgeformt erzählend, ein Labsal für die getschingelbellten Ohren. Heidemarie Korb, seit 1995 Leiterin des Chores, hat einen Sinn für diese Schlichtheit, die schwerer zu machen ist als manches Schunkellied. Die Lieder "Hör den Klang der Stille" oder "Herbei, ihr Gläubigen" wurden so am Samstag im großen Saal des Kulturhauses Aue zum kleinen Ereignis.

Das Moderatoren-Duo Anett Grobe und Hendrik Beyreuther führte durch das Programm. Moderieren will gekonnt sein, moderieren muss man sich trauen, sonst wird man einfach nie richtig warm damit. Während Hendrik Beyreuther tontechnisch verkabelt wurde, gab Anett Grobe aus Burkhardtsgrün vor dem Konzert Auskunft, wie sie zum Moderieren gekommen ist. Seit 2010 moderiert sie den Blema-Chor mit. "Ich würde mir das zutrauen", hatte sie einst gesagt. Kein Wunder, denn sie redete schon als Kind gern vor anderen und war der Clown. Und bei Familienfeiern warten auch heute alle schon auf eine lustige Einlage. Schlager hört sie sehr gern, Musicals und liest Erzgebirgisches wie das von Manfred Blechschmidt. Sie arbeitet in der Gemeindeverwaltung Zschorlau.

Anett Grobe erzählte die Geschichte von der naiven Tanne im Wald, die gern ein Tannenbaum geworden wäre. Die anderen Bäume machten ihr Angst, denn da würde bald jemand mit einem scharfen Beil kommen. Aber die Tanne wird nicht abholzt, sondern ausgegraben, festlich geschmückt und später im Garten eingepflanzt. Das Schicksal der normalen Weihnachtsbäume mit Späne-Massaker wurde von Anett Grobe nicht erwähnt, denn es sollte besinnlich bleiben.

Für Besinnlichkeit sorgte auch der junge Mundharmonikaspieler Nico Pitzky. Die Stücke "Einsamer Hirte" und "Ave Maria" hörten sich in dieser Version gut an. Aber leider war es das letzte Konzert des beachtlichen Künstlers mit seinen seltenen Darbietungen. Der Beruf geht ihm künftig vor. Seit vielen Jahren als Begleiter des Blema-Chores dabei ist Tobias Möckel am Konzertflügel. Er macht nicht den geringsten Versuch, sich in den Vordergrund zu spielen. Trotzdem wäre es gut, wenn er sich mal als Solist hören ließe.

Die treuen Zuhörer des Chores sind in die Jahre gekommen. Sieben Rollstühle standen an der Seite des Saales, daneben ein Rollator und ein Hund an der Leine. Die Männerquote des Chores mag inzwischen bei unter zehn Prozent liegen. Es geht also auch fast ohne Männer, die ohnehin nicht so einen hohen Sinn für die Kunst haben wie die Frauen.

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