Unwetter wütet im Erzgebirge

Dachstuhlbrand, umgestürzte Bäume, überflutete Straßen und vollgelaufene Keller: Ein schweres Gewitter ist am Montag über die Region gezogen. Dabei hielt erst vor vier Tagen eine Superzelle Marienbergs Einsatzkräfte in Atem. Und es bahnt sich noch ein Gewitter an.

Marienberg.

Es kam schnell, blitzschnell. "Und es hat uns heftig getroffen", sagt eine Bewohnerin aus Sorgau. Ihr Hof war binnen weniger Minuten mit bis zu 1,5 Zentimeter großen Hagelkörnern bedeckt. Wenige Hundert Meter entfernt schlug ein Blitz ein. Die wohl dramatischste Folge des Unwetters, das am Pfingstmontag über das Erzgebirge hinwegzog, war aber ein Dachstuhlbrand in Steinbach, zu dem auch die Kameraden aus Marienberg und Reitzenhain ausrückten - einer von mehreren Einsätzen in der Region.

Gewitter, Starkregen und Hagel ließen Bäume umstürzen, Straßen überfluten und Keller volllaufen. Besonders schlimm hat es die B 174 bei Lauta getroffen. Die Wassermassen stauten sich so an, dass die Straße für längere Zeit komplett gesperrt werden musste, sagt Marienbergs Stadtwehrleiter Kay Kretzschmar. Seine Kameraden halfen zudem in Steinbach mit, den Dachstuhlbrand zu löschen. "Ich habe es einschlagen sehen. Es sah aus wie ein Kugelblitz", so Einsatzleiter Peter Tippmann von der Feuerwehr Steinbach. Das Haus bleibe trotz des Feuers bewohnbar. Es gab keine Verletzten.


In Olbernhau wurde die Ortswehr Kleinneuschönberg wegen eines umgestürzten Baums auf der Wernsdorfer Straße alarmiert. Allerdings benötigten die Helfer selbst Hilfe, als ihr Einsatzfahrzeug einen technischen Defekt erlitt und von einem Lkw des Olbernhauer Bauhofs abgeschleppt werden musste, vermeldet die Wehr auf ihrer Facebook-Seite. Kameraden der Olbernhauer Wehr räumten schließlich den Baum weg.

Insgesamt wurden in der Rettungsleitstelle Chemnitz 39 Einsätze im Erzgebirgskreis dokumentiert. Bei den meisten handelte es sich um Hilfeleistungen wie Schlammlawinen beseitigen und Keller auspumpen, erläutert Landkreissprecherin Katja Peter. Personen wurden nicht verletzt, teilt die Polizei mit.

Für Marienberg war es bereits das zweite Unwetter binnen weniger Tage. Erst am Donnerstag hing eine sogenannte Superzelle über der Bergstadt fest. Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und Wohnräume sowie ein glimpflich ausgegangener Dachstuhlbrand hatten die Einsatzkräfte in Atem gehalten. "Am Donnerstag war das Stadtgebiet bis Gebirge und Pobershau besonders betroffen, diesmal eher die Ortsteile in der Grenzregion sowie Lauta", erklärt Stadtwehrleiter Kretzschmar.

Jens Weißbach aus Dittersdorf hat die Superzelle am Montag über dem Marienberger Raum mit verfolgt - sowohl als Radarbild per Wetter-App, als auch mit eigenen Augen unter freiem Himmel. Für Hobbymeteorologen wie ihn sind solche Wetterlagen höchst spannend. Die Struktur der Superzelle sei sehr deutlich gewesen. Dabei handelt es sich um ein Gewitter, das durch einen tiefen, ständig rotierenden Aufwind gekennzeichnet ist. Weißbach verfolgte auf dem Radarbild, wie sich die Zelle aufbaute und von Tschechien kommend über den Fichtelberg nach Annaberg zog und später von Marienberg nach Freiberg abdriftete. Energiereiche Luftmassen und viel Feuchtigkeit in der Atmosphäre sind die Zutaten für so ein Wetterphänomen, so Weißbach.

Am heutigen Mittwoch wären diese Voraussetzungen nochmals gegeben, bevor sich die Wetterlage weiter beruhigt. In Marienberg wurden daher am gestrigen Dienstag bereits Vorkehrungen für ein erneutes Unwetter getroffen, sagt Stadtsprecherin Gisela Clausnitzer. Mitarbeiter des Bauhofs säuberten Einläufe und behoben andere Schäden.

Der Zschopauer Raum blieb von dem Unwetter diesmal verschont. Obgleich viele Feuerwehrleute unter Spannung standen, wie der Zschopauer Wehrleiter Mike Hildebrandt bestätigte. Auch in Grünhainichen und Börnichen blieb es vergleichsweise ruhig. "Es hat zwar ordentlich geschüttet, Schäden hat es aber nicht gegeben", sagte Gemeindewehrleiter Gunnar Ullmann. Lediglich in Waldkirchen hätten Kameraden einen Durchlass wieder freimachen müssen. In Großolbersdorf und Drebach mussten die Wehren nicht ausrücken. In Pockau-Lengefeld, Wolkenstein und Großrückerswalde blieb es ebenfalls weitestgehend ruhig.

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