Gemeinsam zum "Moon Village" und in unendliche Weiten

Während die Nasa an einer Art ISS am Mond tüftelt, hat der Esa-Chef bereits ein Dorf auf dem Mond im Sinn.

Der Präsident der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa, Johann-Dietrich Wörner, mag viele Träume haben. Einer aber ist ziemlich konkret: der einer Basis auf dem Mond. Fans des Science-Fiction-Epos "Star Wars" wird das Modell mit den iglu-artigen Kuppelbauten an Onkel Owens Farm auf dem Wüstenplaneten Tatooine erinnern. Dabei ließen die Modellierer sich weniger vom Film inspirieren als von Sachzwängen.

Die transportabelsten Module für eine das Überleben sichernde Raumstation sind aufblasbare Kuppelstrukturen. Die aber müssen vor kosmischer Strahlung geschützt werden und vorm Meteoriten-Bombardement. Das sollen robotergesteuerte 3-D-Drucker übernehmen, indem sie die Aufblas-Dome, Schicht für Schicht, mit heißgepresstem Mondstaub überziehen. Während die Esa Technologien dafür auf der Erde bereits erproben lässt, ist das Konzept der Basis, Wörner redet vom "Moon Village", vom Dorf auf dem Mond, noch Vision.

Es ist Zukunftsmusik, aber nicht, weil Menschen nicht in der Lage wären, die nötigen vielfältigen Voraussetzungen zu schaffen. Der logistische Aufwand ist nur zu groß, als dass ihn eine Nation oder auch die Raumfahrtexperten eines einzelnen Kontinents allein stemmen könnten. Weg vom Wettlauf einzelner Länder brauche es einen Paradigmenwechsel hin zum Prinzip der Kooperation, sagt Wörner. Bestes Beispiel: die ISS. Das einzigartige Level der Zusammenarbeit auf der Raumstation bleibe sogar ungetrübt von allen Krisen, die zeitgleich auf der Erde stattfinden. Und nur so sei die Ära Weltraum 4.0 zu beschreiten, ist der Esa-Chef sicher. Was ihm vorschwebt, ist ein "Moon Village", das nicht nur allen Raumfahrt-Nationen, sondern auch für private Initiativen offensteht. Ob bemannte Besuche oder robotische Forschung, ob Wissenschaft oder wirtschaftliche Ressourcengewinnung, sogar Tourismus schwebt Wörner vor. Der offene Ansatz, bei dem Differenzen auf der Erde zurückbleiben, erlaube erst den dauerhaften Vorstoß ins All.

Insofern orientieren sich die Träume des Esa-Chefs dann doch an filmischen Visionen. Bei "Star Trek" ("Raumschiff Enterprise") waren zuerst auch Differenzen auf der Erde zu überwinden, bevor die Flotte der Föderation der Planeten unendliche Weiten erkunden kann.

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