Wie sich ein König im Kleinkrieg verzettelte

Welcher Herrscher gibt schon Fehler zu? Ein solcher war Konrad I., ostfränkischer König, der vor 1100 Jahren starb.

Die Entstehung des ostfränkischen Reiches, später Deutschen Reiches, ist kompliziert. Karl der Große hatte ein Weltreich geschaffen und sich damit die römische Kaiserkrone verdient. Er gilt darum als "Vater Europas". Aber dieses Weltreich blieb nicht erhalten. Sein Sohn Ludwig I., der Fromme, hatte bestimmt, sein ältester Sohn Lothar solle nach seinem Tod (840) die Kaiserwürde erben, die anderen Söhne - Ludwig (der Deutsche) und Karl (der Kahle) - sollten auch Teile des Reiches erhalten. Nach heftigen Kämpfen einigten sich die Brüder 843 im Vertrag von Verdun darauf, dass Ludwig die östlichen und Karl die westlichen Reichsteile bekam, Lothar aber ein Gebiet von der Nordsee bis zu den Grenzen des Kirchenstaates in Mittelitalien, ein Gebiet zwischen Rhein, Schelde, Maas, bald "Lotharingen" genannt. Dieses Mittelreich blieb nicht lange bestehen, Lothars Nachkommen, die ein Erbrecht hätten beanspruchen können, starben 869 aus. 870 teilten sich Ludwig und Karl Lotharingen im Vertrag von Meerssen. So entstanden die bis heute bestehenden Länder Frankreich (Westfranken) und Deutschland (Ostfranken). Im Ostfrankenreich starb 911 Ludwig IV. (genannt das Kind), der letzte ostfränkische Nachkomme Karls des Großen.

Die germanischen Stämme dieses Reiches waren inzwischen selbstbewusst geworden und nicht bereit, dem einzigen überlebenden Karolinger, dem westfränkischen König Karl III., die Erbfolge in ihrem Gebiet zu übertragen, sie überließen ihm nur die einst lotharingischen Gebiete. Sie erinnerten sich an die altgermanische Form der Königserhebung und erhoben 911 in Forchheim (nördlich von Nürnberg) den Herzog Konrad von Franken zum König.

Jährlich fielen die Ungarn in Ostfranken ein und zerstörten weite Gebiete. Statt ihnen entgegenzutreten, überließ Konrad den Stämmen die Gegenwehr, ja er versuchte, deren Macht zurückzudrängen. Vor allem Herzog Heinrich von Sachsen machte er sich damit zum Feind. Konrad verweigerte ihm die Übertragung außersächsischer Reichsgebiete, die sein Vater besessen hatte. Während Konrad sich bemühte, die einst den Ostfranken zugeteilten Gebiete Lotharingens zurückzuerobern, fiel Heinrich in Hessen und Thüringen ein. Auch in Schwaben gab es Unruhe. Pfalzgraf Erchanger beanspruchte dieses Herzogtum. Um ihn friedlich zu stimmen, heiratete Konrad dessen Schwester. Aber auch das brachte keinen Frieden. Als Erchanger den Konstanzer Bischof gefangen nahm, musste Konrad gegen ihn einschreiten und ihn in die Verbannung schicken. Als sich der König nun gegen Heinrich wenden wollte, erfuhr er, dass Erchanger aus der Verbannung geflohen war und sich zum Herzog von Schwaben hatte ausrufen lassen. In Bayern maßte sich Herzog Arnulf (der Böse) Königsrechte an und eignete sich Kirchengut an. Um freie Hand gegen beide zu haben, anerkannte Konrad das Recht Heinrichs auf die von ihm beanspruchten Reichslehen. Auf der Synode von Hohenaltheim 916 wurden Erchanger und sein Bruder zu lebenslanger Klosterhaft verurteilt, sie konnten aber fliehen. Als sie gefasst wurden, wurde das Todesurteil über beide verhängt. Konrad vergoss darüber Tränen, doch das Urteil wurde vollstreckt. Arnulf war der Vorladung nach Hohenaltheim nicht gefolgt. Als Konrad gegen ihn vorging, wurde er im Kampf schwer verwundet. Arnulf floh zu den Ungarn, den Feinden des Reiches.

Von seinen Wunden erholte sich Konrad nicht mehr. Als er sein Ende nahen fühlte, erkannte er, in seiner Herrschaft versagt zu haben. Statt die Stämme zu einen und sie gegen die Ungarn zu führen, hatte er sich im Kleinkrieg verzettelt und sich die besten Heerführer - Heinrich, Erchanger und Arnulf - zu Feinden gemacht. Der Chronist Thietmar von Merseburg berichtet 100 Jahre später: Auf seinem Sterbebett ließ Konrad "alle von Heinrich erfahrene Gegnerschaft außer Acht und erteilte seinem Bruder Eberhard und den versammelten Ersten des Volkes diesen Rat: Wenn er der Natur seinen Zoll entrichten müsse, sollten sie wegen vollkommener Eignung jenem durch Wahl die Wahrung des Königtums ... anvertrauen". Konrad I. starb am 23. Dezember 918. Das Königtum ging auf Heinrich über.

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