AfD siegt in der Region Freiberg

Bei den Wahlen in Mittelsachsen lässt die CDU Federn: Die Alternative für Deutschland gewinnt die Direktmandate in der Kreisstadt sowie in Döbeln. In Flöha, Frankenberg und Rochlitz dominiert die Union.

Freiberg.

Die mittelsächsische CDU büßt an Einfluss im Landtag ein. Zwei der fünf Direktmandate im Landkreis, die bislang Vertreter der Union besetzt hatten, müssen sie an die Alternative für Deutschland abgeben. In Freiberg unterliegt Mandatsinhaber Steve Ittershagen seinem Herausforderer Rolf Weigand von der AfD. Der Großschirmaer Weigand holte am Ende nach vorläufigem Ergebnis mit 13.111 Stimmen über 600 Stimmen mehr.

Gegen 21.15 Uhr räumte Steve Ittershagen seine Niederlage ein: Im Hotel Kreller hatte er mit Parteifreunden, Freunden und Wahlkampfhelfern die einlaufenden Auszählungsergebnisse beobachtet. Weigand hat er nach eigenen Angaben alles Gute für die nächsten fünf Jahre gewünscht. "Es hat nicht gereicht", räumte der Zuger Ittershagen ein und dankte seinem Wahlkampfteam sowie seiner Familie. Gemeinsam habe man in den vergangenen fünf Jahren viel geleistet für die Region, sagte Ittershagen. "Wie es in der Region mit der CDU weitergeht, muss der Kreisverband sehen", konstatierte er.

Wahlsieger Rolf Weigand hatte lange die Ergebnismeldungen verfolgt, bis nur noch wenige Wahlbezirke ausstanden: "Als für Freiberg noch vier Wahllokale auszuzählen waren, aber Großschirma vorn lag, war mir klar, dass ich gewinnen könnte", sagte er. Am Ende sei es so gewesen, wie er vorausgesagt hatte: "Die letzte Wahlurne würde den Sieger küren. Dass es jetzt so deutlich ist, gibt mir Ansporn, dass das Ergebnis tatsächlich legitimiert ist und es sich nicht nur um einen hauchdünnen Vorsprung handelt." Dazu habe sicher der "wahnsinnig anstrengende Wahlkampf entscheidend beigetragen", sagte er. "Ich war in Vereinen, auf Wochenmärkten, war mit den Leuten im Gespräch: Ich habe ihnen gezeigt, dass ich als Politiker für sie da sein will."

Susan Leithoff sitzt für die CDU neu im Landtag. Sie machte das Rennen gegen Romy Penz aus Flöha, die sich ebenfalls beworben hatte. Im Wahlkreis Frankenberg holte CDU-Amtsinhaberin Iris Firmenich erneut das Direktmandat, ebenso ihr Parteikollege und Sachsens bisheriger Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt im Wahlkreis Rochlitz. In Döbeln sitzt Lars Kuppi künftig für die AfD im Landtag.

Derweil avancierte Markus Scholz von den Grünen zum Shootingstar des Tages. Als einer der beiden Spitzenkandidaten der Grünen Jugend konnte sich der 23-Jährige über ungeteilte Aufmerksamkeit freuen. Ab 15Uhr wurde er von einem ZDF-Kamerateam bei der Vorbereitung seiner privaten Wahlparty in Freiberg begleitet, bis es am Abend zur Partei-Party nach Dresden ging. Mit dem Ergebnis der Wahl ist er zufrieden, auch wenn er es selbst nicht in das Parlament geschafft hat. "Es ist das beste Ergebnis der Grünen in Sachsen", sagte er. "Das Ergebnis zeigt, dass Umweltschutz und Klima die Menschen bewegen und sie uns ihre Stimme geben", so Scholz weiter. Enttäuschte Gesichter bei der SPD. So hatten die Sozialdemokraten zum Beispiel im Wahlkreis 19 nur 6,8 Prozent der Zweitstimmen geholt. Direktkandidat Alexander Geißler sprach von einem engagierten Wahlkampf, aber die Situation in Berlin habe es der Basis schwergemacht.

Zum Nachlesen: Liveticker zur Landtagswahl

Zur Wahlpräsentation: Alle Daten aus den Gemeinden und Wahlkreisen


Wahlkreis 18/ Mittelsachsen 1

Susan Leithoff (CDU)

Augustusburg; Brand-E.; Dorfchemn.; Eppend.; Flöha; Großhartmannsd.; Leubsd.; Mulda.; Neuhausen; Niederwiesa; Oederan; Rechenb.-B.; Sayda

Direktstimmen

Susan Leithoff (CDU)          35,0%

Romy Penz (AfD)          33,4%

Toni Christoph (Linke)          9,3%

Sebastian Walter (Grüne)          4,4%

Sylvio Wyschkon (SPD)          6,1%

Werner Helfen (FDP)          4,4%

Klaus Büttner (Freie W.)          7,3%

Listenstimmen           (2014)          2019

CDU          (46,7%)          36,6%

AfD          (10,1%)          32,1%

Linke          (17,5%)          8,6%

Grüne          (2,8%)          3,8%

SPD          (10,4%)          6,6%

FDP          (4,2%)          3,7%

Freie Wähler          (1,2%)          4,2%

Sonstige          (7,1%)          8,1%

Wahlbeteiligung (2014: 51,8)          68,9%


Wahlkreis 19/ Mittelsachsen 2

Rolf Weigand (AfD)

Bobritzsch-Hilbersdorf; Frauenstein; Freiberg; Großschirma; Halsbrücke; Lichtenberg/Erzeb.; Oberschöna; Reinsberg; Weißenborn/Erzgeb.

Direktstimmen

Steve Ittershagen (CDU)          32,1%

Rolf Weigand (AfD)          33,7%

Jana Pinka (Linke)          11,9%

Markus Scholz (Grüne)          4,8%

Alexander Geißler (SPD)          6,2%

Benjamin Karabinski (FDP)          3,1%

Holger Gustmann (Freie W.)          8,2%

Listenstimmen           (2014)          2019

CDU          (42,6%)          31,2%

AfD          (9,6%)          32,2%

Linke          (18,3%)          8,7%

Grüne          (4,8%)          6,3%

SPD          (11,3%)          6,8%

FDP          (3,9%)          3,9%

Freie Wähler          (1,4%)          5,3%

Sonstige          (8,1%)          5,6%

Wahlbeteiligung (2014: 51,8)          69,3%


Wahlkreis 20/ Mittelsachsen 3

Iris Firmenich (CDU)

Altmittweida; Erlau; Frankenberg; Hainichen; Kriebstein; Lichtenau; Mittweida; Rossau; Striegistal

Direktstimmen

Iris Firmenich (CDU)          37,1 %

Holger Zielinski (AfD)          31,3 %

Eyk Fechner (Linke)          9,5 %

Renate Sauer (Grüne)          5,0 %

Oliver Mende (SPD)          6,4 %

Philipp Hartewig (FDP)          4,2 %

Rico Walter-Bretschneider (FW)          6,5%

Listenstimmen           (2014)          2019

CDU          (45,8%)          35,6 %

AfD          (9,6%)          30,6 %

Linke          (18,5%)          8,7 %

Grüne          (2,9%)          4,5 %

SPD          (10,9%)          7,2 %

FDP          (3,8%)          4,1 %

Freie Wähler          (1,2%)          4,0 %

Sonstige          (7,3%)          5,3%

Wahlbeteiligung (2014: 50,0)          66,3 %


Wahlkreis 21/ Mittelsachsen 4

Lars Kuppi (AfD)

Döbeln; Großweitzschen; Hartha; Leisnig; Ostrau; Roßwein; Waldheim; Zschaitz-Ottewig

Direktstimmen

Rudolf Lehle (CDU)          29,8%

Lars Kuppi (AfD)          31,7%

Marika Tändler-Walenta (Linke)          10,9%

Maria-C. Anderfuhren (Grüne)          3,3%

Henning Homann (SPD)          10,8%

Constanze Cyrnik (FDP)          4,6%

Sven Weißflog (Freie W.)          8,9%

Listenstimmen           (2014)          2019

CDU          (42,0%)          33,9%

AfD          (8,4%)          30,2%

Linke          (19,9%)          10,0%

Grüne          (2,8%)          3,7%

SPD          (11,9%)          8,9%

FDP          (5,1%)          4,4%

Freie Wähler          (1,3%)          3,7%

Sonstige          (8,6%)          5,2%

Wahlbeteiligung (2014: 46,2)          62,5%


Wahlkreis 22/ Mittelsachsen 5

Thomas Schmidt (CDU)

Burgst.; Claußn.; Geringswalde; Hartmannsd.; Königsfeld; Königshain-W.; Lunzenau; Mühlau; Penig; Rochlitz; Seelitz; Taura; Wechselburg; Zettlitz

Direktstimmen

Thomas Schmidt (CDU)          36,9%

Christian Wesemann (AfD)          29,4%

Robert Sobolewski (Linke)          9,9%

Wolfram Günther (Grüne)          5,2%

Steve Sarfert (SPD)          7,2%

Miro Becker (FDP)          3,4%

Mario Stein (Freie W.)          8,0%

Listenstimmen           (2014)          2019

CDU          (46,1%)          36,5%

AfD          (9,0%)          28,8%

Linke          (17,4%)          9,2%

Grüne          (3,2%)          4,5%

SPD          (12,1%)          7,7%

FDP          (3,9%)          3,7%

Freie Wähler          (1,4%)          4,9%

Sonstige          (6,9%)          4,7%

Wahlbeteiligung (2014: 50,0)          66,7%


Wahl-Splitter

Die erste mittelsächsische Gemeinde, in der das Wahlergebnis vorlag, war kurz nach 19 Uhr Zettlitz im Wahlkreis Mittelsachsen 5. Die Wahlbeteiligung lag bei 55,5 Prozent der insgesamt 611 Wahlberechtigten.

Der sächsische Grünen-Spitzenkandidat Wolfram Günther hat in seinem Heimatort Königsfeld von 705 Direktstimmen nur 44 erhalten. Die meisten Wähler in der Gemeinde stimmten für den CDU-Kandidaten Thomas Schmidt. Er erhielt 242 Erststimmen.

Ohne Pannen ist die Landtagswahl nach Einschätzung von Kreiswahlleiter Peter Schubert in Mittelsachsen abgelaufen. Nach Schließung der Wahllokale schätzte der Mitarbeiter im Landratsamt ein: "Es war es ruhiger Wahltag. Wir erhielten vereinzelt Anrufe mit Nachfragen, zum Beispiel zu formalen Vorgängen." So hätten sich Helfer in Wahllokalen oder Mitarbeiter aus Rathäusern erkundigt, wie zu verfahren ist, wenn die Wahlbenachrichtigung fehlt. Auch zum Wahlablauf seien Nachfragen eingegangen, etwa weil Wähler gemeinsam in die Wahlkabine wollten.

Thomas Schmidt, Sachsens bisheriger Landwirtschaftsminister und Direktkandidat der CDU im Wahlkreis Mittelsachsen 5 hat in seinem Heimatort Taura die meisten Erststimmen bekommen. Von 981 gültigen Stimmen erhielt er 418. AfD-Direktkandidat Christian Wesemann lag mit 314 Stimmen in Taura auf Platz zwei.

Eine Patt-Situation ist im Mittweidaer Ortsteil Tanneberg laut vorläufigen Wahlergebnissen entstanden, wo AfD und CDU laut OB Ralf Schreiber jeweils 35,3 Prozent der Listenstimmen erhielten. (grit/fpe/jl)

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11Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    4
    gelöschter Nutzer
    05.09.2019

    Zeitung: :-))

  • 4
    4
    Zeitungss
    05.09.2019

    @thombo01: Bleiben Sie es und halten sich daran. Auch wenn es Ihr innigster Wunsch ist, Deutschland wird nun einmal nicht mehrheitlich BLAU. Ja, es sind in diesem Land dringend Veränderungen erforderlich, aber nicht mit Ihren Idolen. Bleiben Sie auch wirklich entspannt, wenn Sie von der Realität überrollt werden, Spaziergänge in Dresden helfen hier auch nicht weiter.
    Hat sich denn das Freib u r g in Sachsen wiedergefunden ? Wenn ja, arbeite ich es in meine lückenhaften Geographiekenntnisse unverzüglich ein.

  • 3
    4
    gelöschter Nutzer
    05.09.2019

    Zeitungss: da können sie noch so viel hetzen. Ich bleibe entspannt ;-))

  • 4
    4
    ChWtr
    04.09.2019

    FG und Umgebung ist blau eingefärbt. Ist leider so. Zwar schon etwas länger und damit nichts Neues. Da kann auch ein ehemals roter OBM, jetzt parteilos - nicht viel ausrichten. Hand in Hand gehen hier AfD und CDU. Zu mindestens hat man gemeinsam einen Linken bei den Kommunalwahlen verhindert und rausgekegelt.

  • 3
    6
    Zeitungss
    04.09.2019

    @thombo01: So ist das mit dem Übereifer, dass Sie irgend ein Freib u rg auch noch einbinden wollen, kann ich schon nachvollziehen.
    Warum bitten Sie die Freib e r ger jetzt um Vergebung, es geht doch in Ihre Richtung oder langt es noch immer nicht ?

  • 6
    4
    Hinterfragt
    04.09.2019

    "...Die FREIBERGER werden es mir verzeihen...."

    Sicher, nur die Rosinenpicker nicht ... s.u..

  • 7
    5
    gelöschter Nutzer
    04.09.2019

    Sorry, war das korrekturprogramm und habs im "Eifer" nicht nochmal durchgelesen. Die FREIBERGER werden es mir verzeihen.

  • 6
    11
    Blackadder
    04.09.2019

    @thomboy: In Geographie sind Sie also auch schlecht.

  • 4
    12
    Zeitungss
    04.09.2019

    @thombo01: Freib u r g gehört wenigstens nicht zu Sachsen. In Ihrem Eifer bringt man die Landkarte schon einmal durcheinander.

  • 9
    3
    gelöschter Nutzer
    03.09.2019

    Soll FREIBERG heißen.

  • 8
    6
    gelöschter Nutzer
    03.09.2019

    Herzlichen Dank nach Freiburg!



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