Auf den Spuren des Welterbes

Um für die Montanregion Erzgebirge zu werben, gibt es in Freiberg eine neue Führung. 40 Stationen steuern die Teilnehmer an. Und erfahren so manches.

Freiberg.

Erfreut schaut Wolf-Dieter Jentzsch in die Runde, die sich vor dem Silbermann-Haus am Freiberger Schlossplatz eingefunden hat. Die neun Damen und Herren sind das Premierenpublikum für eine ganz neue Stadtführung, welche Jentzsch selbst entwickelt hat. Dabei handelt es sich um die Welterbe-Führungen durch Freiberg, die es von nun an regelmäßig geben soll.

Die Versammelten sind sehr gespannt. Ein Paar aus Sachsen-Anhalt ist extra deswegen angereist, um den dezentralen Standort der 4. Sächsischen Landesausstellung auf der Reichen Zeche zu besuchen, und dort in die Tiefen des Silberbergwerks vorzudringen. Da sie eine Einfahrt erst für den kommenden Tag gebucht haben, verbringen sie die Zeit nun sinnvoll. "Wir wollen dem Bergbau hier in Freiberg nahe kommen", sagen sie. Die anderen Teilnehmer kommen aus Schwarzenberg, Freiberg, Großschirma oder einer anderen Welterbe-Stadt, nämlich dem fränkischen Bamberg.

Wolf-Dieter Jentzsch beginnt, bevor die rund zweistündige Wanderung ihren Anfang nimmt, mit dem Grundlegendsten, nämlich mit dem Gruß "Glück auf!". Dieser, so berichtet der Stadtführer, sei erstmals im Jahr 1575 aus Eibenstock her verbürgt. "Einerseits bedeutet er, dass sich die Bergleute untereinander Glück gewünscht haben, auf dass sie wieder wohlbehalten ans Tageslicht kommen", so Jentzsch. "Aber man wünschte sich auch das Glück, einen neuen Gang oder Stolln aufzutun."

Die erste Station der Welterbe-Führung ist dann gleich vor der Nase: Schloss Freudenstein. Jentzsch berichtet unterhaltsam von den Erbauern der Vorgängerburg, von den Eitelkeiten der Mächtigen vergangener Zeiten, denen die heutigen immer noch stark ähneln, und von einem immer wieder etwas stiefmütterlich reflektierten Teil Freiberger Geschichte, nämlich der Historie als Münzstätte. Dazu geht es in den Tordurchgang des Schlosses, wo ein Fries von eben jener Vergangenheit Zeugnis ablegt. Von da läuft man in die Brennhausgasse. "Diese hat ihren Namen von den Brennöfen, die hier einst zu finden waren", erklärt Jentzsch, und die Gäste seiner Führung lauschen interessiert. Von Ledebur ist die Rede, aber auch vom "Silberblick", der nichts mit einem Defekt der Augenstellung zu tun hat, sondern damit, dass der Hüttenmann in Erz und Schlacke den Silberanteil entdeckt. Dieser Anteil, so der kundige Führer, sei deutlich geringer als es sich zunächst anhört.

Im vergangenen Jahr haben sich die Stadtführer Freibergs zusammengesetzt, um nach Erlangung des Welterbetitels für die Montanregion Erzgebirge zu beraten, wie man dieses Welterbe in der Silberstadt, die Teil dessen ist, noch besser darstellen könne. "Wir wollten Angebote bringen, die das montanhistorische Erbe herausstellen", so Jentzsch. "Wir haben innerhalb der Stadt so viele Zeugen der Bergbau- und Hüttengeschichte, dass es sich lohnt, sie zu zeigen."

Entstanden ist die Welterbe-Führung, die rund 40 Stationen beinhaltet. Ausgehend vom Schloßplatz über die Brennhausgasse geht es durch den Schönbergschen Hof zum Oberbergamt, von dort zum Dom St. Marien, dem Stadt- und Bergbaumuseum über den Untermarkt durch das Gerberviertel hin zur Pfarrgasse, wo ehemals Christiansdorf zu finden war. Der Schüppchenberg, an dem der Überlieferung nach 1168 mit dem ersten Silbererzfund der Urknall für Freiberg stattfand, darf nicht fehlen. Letztendlich landet man am Obermarkt, wo abschließend das Steigerlied ausführlich erläutert wird. Es gibt noch eine erweiterte Variante der Führung, die rund drei Stunden dauert und sich vor allem an Reisegruppen richtet, die vorab gebucht haben.

Die nächsten regulären Termine für die Welterbe-Führungen sind 19. August, 9. September und 11. Oktober. Voranmeldungen in der Tourist-Information sind erforderlich. www.freiepresse.de/welterbe

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