Bahnhof: Schandfleck kommt weg

Für Kauf und Sanierung werden voraussichtlich über 18 Millionen Euro gebraucht. Das ist kein Pappenstiel für Freiberg.

Freiberg.

In drei bis fünf Jahren könnte der Freiberger Bahnhof wieder in altem Glanz erstrahlen. Diese Prognose hat Baubürgermeister Holger Reuter (CDU) am Donnerstag vor dem Freiberger Stadtrat abgegeben. Den Weg dafür haben die Räte frei gemacht: Sie billigten den Kauf des Gebäudes nebst gut 10.000 Quadratmetern Grund und Boden - der Parkplatz vor dem Bahnhof und die Brache in Richtung Hotel "Alekto" gehören zu dem Deal dazu - von der Aedificia EGRS KG aus Frankfurt/Main durch die Stadt.

Inklusive der Nebenkosten sowie dringender Sicherungsmaßnahmen werden bereits im ersten Schritt rund 1,3 Millionen Euro fällig. Die notwendige Sanierung war vom BBF Baubüro Freiberg auf gut 17,1 Millionen Euro taxiert worden.


Volker Meutzner votierte als Einziger mit Nein. "Der Bahnhof ist ein ganz schön dickes Ei, und das legen wir dem nächsten Stadtrat", sagt der Haus/Grund-Vertreter. Eventuell müsse die Stadt wegen des Projekts Abstriche bei anderen Vorhaben machen, so der 72-Jährige. Die Gefahren durch den Altbergbau seien nicht abschätzbar. Das Kostenrisiko sprachen auch andere Stadträte an.

Die mehr als 18 Millionen Euro seien trotz erhoffter Zuschüsse von gut 9 Millionen Euro "für Freiberg eine Hausnummer", bestätigte Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos). Jedoch sei mit der Eigentümerin seit etwa zwei Jahren verhandelt worden. Die Chance, "den letzten großen städtebaulichen Missstand in Freiberg" zu beheben, komme vielleicht nicht wieder. Die Stadt könne sich das Vorhaben sowohl finanziell als auch von den personellen Kapazitäten in der Bauverwaltung her leisten, erklärte Krüger.

Wichtig sei aber eine wirtschaftliche Nutzung, so der OB. Neben dem klassischen Bahnhofsbetrieb mit Ticketverkauf, öffentlicher Toilette, Café und Reisebedarfsladen seien Büros etwa für Existenzgründer und Stadtverwaltung denkbar. Im Gegenzug könnten das Stadthaus II an der Heubnerstraße und das Haus Petriplatz 8 veräußert werden. Die Freifläche am Bahnhof sei beispielsweise für Bus- und Pendlerparkplätze geeignet.


Aus der Historie

Das Empfangsgebäude in Freiberg ist 1862 mit der Verlängerung der Bahnstrecke Dresden-Tharandt eröffnet worden. Bei seinem Entwurf hatte der Freiberger Architekt Professor Eduard Heuchler neogotische Stilelemente verwendet. Die Deutsche Bahn bot das Gebäude 2010 zum Verkauf an. Die Stadt Freiberg nahm wegen ihrer damaligen Finanzlage Abstand vom Erwerb. So ging die Immobilie 2011 an die Freiburger Tora Immobilien GmbH, die sie 2015 an die Aedeficia aus Frankfurt/Main weiterverkaufte. Beide Eigentümer wollten Einzelhandelsflächen und Büroräume einrichten, eine Sanierung erfolgte aber nicht.


Kommentar: Eigentumverpflichtet

Es ist buchstäblich höchste Eisenbahn, dass der Freiberger Bahnhof hergerichtet wird. Der jahrzehntelange Verfall nährt Zweifel, ob die Pseudo-Privatisierung der Bahn im Jahr 1994 gesamtgesellschaftlich ein guter Schachzug war. Zumal der Staat dem Straßenverkehr parallel dazu jährlich mit Milliardenbeträgen Vorteile im Wettbewerb verschafft hat und dies wohl auch weiterhin tun wird.

Der Bahnhofsdeal in Freiberg hat noch einen weiteren faden Beigeschmack. Es ist nicht das erste Mal, dass Investoren ein wichtiges Gebäude in der Stadt gekauft und verheißungsvolle Pläne damit verkündet haben, die sich dann in Luft auflösen. Es ist bedenklich, wenn die öffentliche Hand den daraus folgenden Verfall - mitunter scheinbar sogar großzügig - kompensiert. Der Freiberger Bahnhof wird zum Preis von 2015 plus Nebenkosten von damals gekauft. Artikel 14 des Grundgesetzes besagt: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Da werden ungute Erinnerungen an Schloss Freudenstein vor der Terra mineralia wach; auch die Ruinen Burgstraße 38 und Petersstraße 19 kommen in den Sinn. (jan)

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    Juri
    07.07.2019

    Ja lieber Herr Meutzner, das ist unwidersprochen ein dickes Ei. Das haben Sie allerdings selber mit aus dem Nest gerollt. Es ist aber eben auch kein Fehler, wenn man den Mut hat eigene Fehlentscheidungen zu korrigieren und aus solchen Schrägschüssen lernt.



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