Bei Umbau: Wohin mit der Verwaltung?

Im August entscheidet sich, ob die Mittel für die Rathaussanierung in Sayda bewilligt werden. Ob die Mitarbeiter derweil ins Gewerbegebiet oder in Container ziehen, sei eine Preisfrage.

Sayda.

Wie aus der Zeit gefallen wirkt das Rathaus in Sayda: Die steile Treppe nach oben, die alten, teils undichten Fenster; stellenweise regnet es ins Gebäude. Hauptamt, Standesamt und Co: Elf Mitarbeiter bilden die Kernverwaltung in Sayda. Täglich arbeiten sie in dem Eckgebäude am Markt. Für circa 1850 Saydaer und rund 1500 Dorfchemnitzer sind sie Ansprechpartner, wenn es beispielsweise um Bauangelegenheiten, eine Gewerbeanmeldung oder einen Kinderreisepass geht. Umgebaut und modernisiert werden soll schon lange. Es wäre die erste Bestandssanierung nach gut 150 Jahren. Vor vier Jahren fällten die Stadträte den Grundsatzbeschluss dazu.

"Wir rechnen im August mit dem Förderbescheid vom Innenministerium. Demnach sollen bis Anfang August alle Zahlen feststehen", sagt Bürgermeister Volker Krönert (CDU) zum derzeitigen Stand es Projektes. Er hofft, dass er nicht wieder wie voriges Jahr aus allen Wolken fällt: Ursprünglich hatte die Kämmerei die Kosten auf 2,5 Millionen Euro geschätzt. In Vorbereitung des Fördermittelantrags schätzten die Planer die Kosten dann plötzlich auf das Doppelte. Die Ursache dafür seien gestiegene rechtliche Anforderungen, etwa in Sachen Energieeffizienz bei öffentlichen Bauten, so Krönert im April 2018. Wenn das Fördergeld bewilligt und der Umbau genehmigt wird, räumen die Mitarbeiter im Herbst Schreibtische und Aktenschränke und ziehen für gut anderthalb Jahre in ein Interimsquartier um, erläutert Krönert.


Dafür gibt es zwei Varianten. Erstens: Die Verwaltung bezieht eine Etage in einem Gebäude im Gewerbegebiet, Cämmerswalder Straße 3. Zweitens: Auf dem Festplatz werden Container aufgestellt, in denen die Mitarbeiter ihre Büros einrichten. "Diese zu mieten, ist sehr teuer. Beim Kauf ist das Problem, dass Container nicht so schnell verfügbar sind", so Krönert. Zudem müssten noch Versorgungsleitungen für Strom, Wasser, Abwasser und Internet gelegt werden. Die Vorzugsvariante? "Das ist eine Preisfrage. Und eine Frage der Machbarkeit. Auch das muss bis Anfang August geklärt sein."

Nicht nur für die Mitarbeiter, auch für die Bürger ist der andauende Schwebezustand des Projektes nervenaufreibend. Vor allem barrierefrei sollte das neue Rathaus werden. Doch hier macht sich die geografische Lage bemerkbar: Weil Haupt- und Nebengebäude des Rathauses am Hang gebaut sind, sind die Decken in den Häusern unterschiedlich hoch. Um sich barrierefrei darin bewegen zu können, müssten diese angeglichen werden. Dafür sollte das Hauptgebäude erhalten, das Nebengebäude aber ursprünglich abgerissen und neugebaut werden. Weil das aber zu teuer sei, so Krönert, könne die Rechtsaufsichtsbehörde des Landratsamtes diese Variante nicht genehmigen. Also: noch mal neudenken.

Möglichst viele Anforderungen an den Bau sollen eingehalten werden; dennoch soll es ein voll funktionsfähiges Rathaus werden, was auch die Belange von Bürgern berücksichtigt, die mit Gehhilfen, Rollstuhl oder Kinderwagen in die Behörde kommen. "Das muss bis Anfang August in ein Konzept gegossen werden und vom Planer verpreist werden."

Gegenüber den ersten Plänen sei die aktuelle Version "total abgespeckt": Ein Ratssaal und ein Aufzug bleiben außen vor. Das Bürgerbüro im Erdgeschoss soll als zentrale Anlaufstelle sowohl für Einwohner als auch für Urlauber dienen. Um das Büro größer und offener zu gestalten, sollen Wände eingerissen werden. "Wenn ein Bürger die Treppen nicht hochsteigen kann, kommt ein Mitarbeiter ins Bürgerbüro runter. Dort wird es einen Besprechungsraum mit PC geben, um das Anliegen zu klären", schildert Krönert. Er sieht darin sogar einen besonderen Service für ältere Menschen.

Im Idealfall beginnt die Entkernung ab November/Dezember. Dann müssen die alten, von Ungeziefer heimgesuchten Holzbalkendecken repariert oder erneuert werden und die alte Haustechnik komplett ausgetauscht, das Dach des Hauptgebäudes repariert und der Dachstuhl im Nebengebäude gänzlich neugebaut werden.

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