Besucher blicken in Scharen hinter historische Fassaden

Die Handwerkskunst vergangener Zeit und die Sanierung baulicher Kostbarkeiten standen gestern zum Tag des offenen Denkmals im Mittelpunkt.

Freiberg.

Der gestrige bundesweite Tag des offenen Denkmals bot auch in Mittelsachsen und in Freiberg Gelegenheit, hinter historische Fassaden zu schauen. Laut Pressestelle des Landkreises waren es etwa 70 öffentliche Gebäude - vom alten Bahnhofsgebäude über Kirchen, Museen bis hin zu alten Industrieanlagen - die die Besucher empfingen. Doch auch die Besitzer von Privathäusern gewährten Einblicke.

So öffnete erstmals in Freiberg das Bürgerhaus "Wohnturm" in der Pfarrgasse 37. Schon früh hatte sich vor dem Haus eine Warteschlange gebildet. "Mit dem Andrang haben wir nicht gerechnet", gestand Bernd Lehmann, der gemeinsam mit seiner Frau Birgit das Erdgeschoss des sich noch mitten in der Sanierung befindenden Gebäudes zeigte. "Wir sind hier nur in Vertretung der Bauherren, meiner Tochter Franziska und ihres Ehemannes Christian Borrmann", so Lehmann weiter.

Die Hausbesitzer, beide Ärzte, die derzeit noch in der Schweiz leben, aber ab nächstem Jahr im Krankenhaus Freiberg tätig sein würden, hätten das Haus 2015 erworben. Seit Anfang Juli liefen die Sanierungen im Einklang mit dem Denkmalschutz. Bei dem Wohnturm handele es sich um das älteste noch erhaltene bürgerliche Steinhaus der Stadt, erbaut 1250. In der künftigen Küche zeigte Birgit Lehmann die historische Balkenkonstruktion, die den Blick frei gibt bis zum Dachgeschoss. Im Keller des Hauses, das seit den 1950er-Jahren leer stand, trocknet allmählich das Mauerwerk. Bis Januar müsse alles fertig sein, so die Lehmanns, wohl wissend, welche Anstrengungen noch nötig sind.

Geöffnet hatte gestern traditionell auch das Pressehaus am Obermarkt. Seit seiner Sanierung 2003 präsentiert sich das Gebäude regelmäßig zum Tag des offenen Denkmals. Auch gestern staunten die Besucher immer wieder über das Kleinod. Zwölf Stationen konnten sie bei einem Rundgang entdecken, beginnend in der Tonne im Keller - dem Veranstaltungsraum - über die Wendeltreppe bis zum Kreuzgewölbe. Dem Auge boten sich Wandmalereien aus dem 16. Jahrhundert oder eine filigran gestaltete Holzbalkendecke von 1471.

Ein Höhepunkt war zudem die Öffnung des Alnpeckhauses an der Korngasse Ecke Obermarkt. Höchstwahrscheinlich 1510 erbaut, konnte es dank einer grundhaften Sanierung von 1983 bis 1986 bis heute erhalten bleiben. "Diese Sanierung war eine der wenigen in der DDR, bei der tatsächlich Denkmalpflege betrieben wurde", erläuterte Architekt Andreas Werner den Besuchern während einer Führung. Seit einem Jahr ist das spätgotische Haus im Besitz der Saxonia-Gesellschaft. Behutsam wird es derzeit saniert, grundhafte Eingriffe seien dabei laut Architekt nicht nötig. Die Buchhandlung im Erdgeschoss wurde umgebaut, in den oberen Räumen ist nun Platz für Büros. Im zweiten Geschoss, in der früheren Bürgermeisterwohnung, hat seit Anfang August das Geokompetenzzentrum Freiberg seinen Sitz. Noch laufen die Arbeiten zum Ausbau des Dachgeschosses, wie Saxonia-Chef Erich Fritz den vielen Neugierigen erzählte, die sich diesen Einblick nicht entgehen lassen wollten. Insgesamt investiere man bis zu 600.000 Euro.

Der Denkmal-Tag in Mittelsachsen wurde von Landrat Matthias Damm (CDU) am Aussichtsturm in Böhrigen eröffnet. Er vergab die 2016er Denkmalpreise des Kreises an die Arbeitsgruppe Denkmaltag Frankenberg, den Verein Kulturdenkmal Gasthof Wilder Mann und Andreas Riethig aus Döbeln.

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