Brennende Fragen in großer Runde

Etwa 120 Zuhörer diskutierten in Frauenstein mit Michael Kretschmer

Frauenstein.

Ganz sicher war sich Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Mittwochabend nicht, ob er vergessen hatte, sich nach der gemeinsamen Radtour von Mittelsachsens Landrat Matthias Damm (CDU) zu verabschieden. Vielleicht käme dieser ja noch, mutmaßte der MP, als er etwa eine Viertelstunde verspätet in Frauenstein zum Bürgerforum eintraf. "Sie sehen heute alle schicker aus als ich, aber ich wollte Sie nicht länger warten lassen. Deshalb bin ich nicht erst zum Duschen ins Hotel gefahren", begrüßte er die etwa 120 Zuhörer in der Grundschule. Die waren trotz Hitze aus verschiedenen Orten gekommen, um Fragen zu stellen. Und Kretschmer war schon mitten im Gespräch, als der Landrat eintraf - frisch geduscht und gekleidet.

Kommt die kreisübergreifende Fusion von Frauenstein und Hartmannsdorf-Reichenau? Das siebte Jahr arbeiten beide Kommunen daran, sagte Reinhard Pitsch, Bürgermeister von Hartmannsdorf-Reichenau. Nach Ablehnung durch den Freistaat liegt der Fall vor dem Oberverwaltungsgericht. "Darauf kann ich keine abschließende Antwort geben", sagte der Regierungschef: "Wenn es starker Wunsch der Bürger ist, kann man sich schwer dagegenstellen." Beide Landkreise wollten die Fusion nicht. Über diese Ausnahme sei intensiver zu sprechen und ein Landtagsbeschluss nötig. Der Tourismus als Standbein der Region braucht Unterstützung des Freistaates. Die Pflege überregionaler Wanderwege müsse Pflichtaufgabe werden, forderte Frauensteins Wanderwegewart Reiner Hengst. Auf Sachsenforst und Landestalsperrenverwaltung könne man nicht bauen. Das zeige sich an der Talsperre Lehnmühle, deren Krone nicht betreten werden dürfe. "Die Region sollte stärker vom Tourismus profitieren", so Kretschmer. "Diese Dinge müssen aber auf regionaler Ebene aufgearbeitet - dann gemeinsam umgesetzt werden." Über die Talsperre sei zu reden. "Die Ortsumgehung Freiberg zügig in Angriff zu nehmen, ist mein Wunsch", so Kretschmer auf die Forderung von Thomas Hetze aus Holzhau nach besserer Anbindung des Erzgebirges auch Richtung Autobahn. Es könne nicht sein, dass derartige Projekte 15 oder 20 Jahre dauern: "Der Bund hat so viel Geld, und wir können nicht bauen." Wenn berechtigtes Umweltinteresse einer Mehrheit bestehe, sei das zu berücksichtigen. Das Interesse einzelner dürfe nicht darüber liegen.

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