Buchhändlerin mit Herz und Ideen

Heike Wenige verkauft Bücher - seit 25 Jahren. Doch sie organisiert auch das Leben mit Literatur in der Bergstadt. Für das Engagement erhält sie jetzt einen Preis.

Freiberg.

Ihr Name lässt sich in einer Reihe mit Hermann Hesse, Anton Philipp Reclam, Joschka Fischer und Christina Stürmer nennen - Heike Wenige. Mit ihr haben die Berühmtheiten eines gemeinsam: Alle waren als Buchhändler tätig. Die Freibergerin ist es auch weiterhin. "Und ich will es bleiben", sagt die 50-Jährige. Zurückhaltend fügt sie an: "Ich kann ja nichts anderes." Mit ihrem Taschenbuchladen gehört sie zur Stadt - und das seit 25 Jahren.

Nicht nur, dass die kleine Frau mit den langen dunklen Haaren und ebenso dunklen, wachen Augen eine Familientradition aufrechterhält: "Ich wollte schon mit 15 gerne Buchhändlerin werden. Ich stamme aus einer Buchhändler- und Antiquarfamilie. Mein Großvater und die Großonkel waren solche, weswegen es in unserer Familie schon immer viele Bücher gab. Das prägt." Von 1986 bis 1988 ging sie in die Buchhändlerlehre, arbeitete zunächst in der Akademischen Buchhandlung in Freiberg, später in Chemnitz. 1994 kehrte sie nach Freiberg zurück. Mit 25 eröffnete sie ihren Laden in der Burgstraße, in dem sie zunächst all die Sehnsuchtslektüre verkaufte, die sie und ihr großer Freundeskreis zu DDR-Zeiten vermissten. Neben Büchern von Heinrich Böll standen Alexander Solschenizyn, aber auch Roald Dahl und Henry Miller im Regal.

Es kann schon mal eng werden in dem 45 Quadratmeter kleinen Geschäft, wenn Kunden sich in Romane, Sachbücher, Reise-, Kinderliteratur und vieles mehr vertiefen. Gleiches gilt für die "Kultur am Mittag", wenn es jeden ersten Dienstag, 12.10Uhr im Laden Nachdenkliches, aber auch Humorvolles zu hören gibt - vorgetragen von Gästen. 1995 organisierte Heike Wenige erste Veranstaltungen, mit Partnern wie Thomas Schmalz vom Studentenwerk und Michael Tolksdorf, damals Gastronomiechef der Alten Mensa und heute Inhaber der "Stadtwirtschaft". "Ich wusste von Anfang an, dass sich Kultur nicht rechnet, aber es macht mir großen Spaß", sagt sie lachend. Viele Autoren hat sie in den Jahren nach Freiberg geholt, darunter Wladimir Kaminer, Wiglaf Droste, Herbert Feuerstein, Manfred Krug, Mariana Leky. Selbst Tschingis Aitmatow kam 1998. Auf große Veranstaltungen mit Sabine Ebert blickt sie ebenso gerne zurück.

"Warum sich die Gäste die handverlesenen Autoren näher ansehen und -hören möchten, ist ein Geheimnis, das Heike Wenige in ihrer Liebe zum Buch und seinen Erzeugern gerne teilt. Was sie empfiehlt, hat offensichtlich Qualität und damit auch Erfolg", sagt Matthias Wolf, Dramaturg am Mittelsächsischen Theater. Mit ihm organisiert Heike Wenige den viel beachteten Lyriksalon in Freiberg - der 80. steht an. Lang ist die Liste jener literarischen und musikalischen Nachmittage und Abende, die Herbst und Winter außerdem bereithalten. Ein besonderer soll der 13. November sein, wenn die bis heute unabhängige Buchhändlerin im "Tivoli" mit allen, die es mögen, das 25-jährige Geschäftsbestehen feiert. Keine geringeren als Autor und Magazin-Kolumnist Stefan Schwarz und Hans-Eckart Wenzel am Klavier werden den Geburtstag schmücken.

Zuvor, am 2. Oktober, nimmt die Freibergerin den Deutschen Buchhandlungspreis entgegen - zum dritten Mal wird sie geehrt. Jury-Mitglied Stefan Weidle, Verleger und Vertreter der Kurt-Wolff-Stiftung, lobt ihr Engagement, die Kultur nicht auf die Buchhandlung zu fixieren: "Was Frau Wenige tut, ist wichtig für alle, um die intellektuelle Auseinandersetzung zu fördern. Das ist in einer kleinen Stadt wie Freiberg nicht immer einfach. Sie leistet eine tolle Arbeit."


Lesungen und Musikalisches

Lyriksalon mit Olaf Stelmecke 20 Uhr im Salon der Stadtwirtschaft, am Dienstag, 17. September: "Vom Mann, der durch die Wüste ging". Stelmecke liest und singt Franz Hohler. Reservierungen im Taschenbuchladen erwünscht.

Lesung mit Michael Kleeberg im Rahmen der Interkulturellen Woche und in Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde Petri: "Der Idiot des 21. Jahrhunderts", am 25. September, 19.30 Uhr in der Petrikirche.

Lesung mit Bastian Backstein: "Katrinchen Zimtstern und die wundersame Weihnachtspost". Ein neues Adventszeit-Abenteuer um Kathrinchen Zimtstern am 14. Oktober, 16.30 Uhr im Campus Café im SIZ, Burgstraße.

Harry Potter Nacht: Das Freiberger Pi-Haus wird zur Schule für Zauberlehrlinge: am 18. Oktober von 17 bis 22 Uhr können sich Kinder und Erwachsene auf eine ganz besondere Reise begeben. Es herrscht Kostümpflicht.

Lyriksalon anlässlich des 80. Geburtstages von Hans Magnus Enzensberger. Ihm gebührt ein Ständchen am 22. Oktober ab 20 Uhr im Salon der Stadtwirtschaft.

Der Taschenbuchladen wird 25 Jahre alt. Gefeiert wird am 13. November ab 19.30 Uhr im Freiberger Tivoli mit Stefan Schwarz und Hans-Eckart Wenzel. Karten im Vorverkauf und an der Abendkasse.

"Kultur zum Mittag": Jeden ersten Dienstag im Monat, 12.10 Uhr im Taschenbuchladen mit Gästen, ausgewählten Texten und literarischen Kleinodien, manchmal auch Musik, Keksen und Tee. (ar)


Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 5 Bewertungen
1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 0
    0
    Juri
    18.09.2019

    Herzlichen Glückwunsch dieser tollen Frau. Frau Wenige ist freundlich, sie empfiehlt, berät, sie sucht und wenn sie etwas tatsächlich nicht hat, dann gibt sie Tips, wo man das Gesuchte bei der "Konkurrenz" finden könnte.
    Ich geh gern in ihren Laden und bin froh, dass es so etwas in Freiberg gibt.



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