Buntes Haus: Jetzt redet Birgitt Pasternak

Die ehemalige Leiterin verteidigt ihre Nachfolgerin und den langjährigen Kindertreff-Chef. Sie sieht das Freiberger Mehrgenerationenhaus in Gefahr. Doch der Träger des Hauses vertritt eine andere Meinung.

Freiberg.

Birgitt Pasternak wollte eigentlich ihren Ruhestand genießen und sich aus der Arbeit des Bunten Hauses heraushalten. Doch jetzt sieht die 64-jährige Freibergerin das Mehrgenerationenhaus, das sie mit aufgebaut und elf Jahre lang geleitet hat, in Gefahr. Deshalb geht Birgitt Pasternak an die Öffentlichkeit.

Ihre Nachfolgerin Sylvia Richter ist im April vom Träger der Einrichtung, dem Christlichen Jugenddorfwerk (CJD) Sachsen, versetzt worden, genauso wie Kindertreff-Chef Thomas Starke. Derzeit ist das Haus, das früher wöchentlich bis zu 650Nutzer zählte, oft fast verlassen, weil Besucher ausbleiben.


Was sind die Ursachen? Bis 2015 gab es laut Pasternak ein gutes Miteinander von CJD und Team des Bunten Hauses. Ob neue Konzepte und Angebote oder Finanzplan - Projektleiterin Pasternak konnte darüber selbst entscheiden. Das habe sich 2015 geändert, als ein Führungswechsel im CJD Sachsen erfolgte. Stoyan Dimitrov wurde Chef, Heike Schmidt die für das "Bunte Haus" zuständige Fachbereichsleiterin. Seitdem habe es auch die früher üblichen Dienstberatungen nicht mehr gegeben, bei denen es um die Verbesserung der Arbeit vor Ort ging, sagt Pasternak.

Die Kontakte zum CJD seien sehr selten gewesen, obwohl die Frage ihrer Nachfolge angestanden habe. Pasternak wollte in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen. Doch ihr Vorschlag, die im Bunten Haus arbeitende Sylvia Richter einzusetzen, sei abgelehnt worden. "Dabei war sie engagiert und auch bereit, die Leitung zu übernehmen." Im April 2017 habe CJD-Fachbereichsleiterin Schmidt der Leitung des Hauses mitgeteilt, dass die Leiterstelle ausgeschrieben wird. Letztlich sei die Wahl doch auf Richter gefallen.

Im Dezember 2017 ging die langjährige Leiterin Birgitt Pasternak in den Ruhestand. Ihr sei damals vom CJD angekündigt worden, dass das Haus nach ihrem Weggang nicht mehr so selbstständig wie bisher arbeiten darf. Und das CJD habe Sylvia Richter die Befugnisse stark beschnitten. Beispiel: Eine Kursleiterin sei wegen Krankheit zurückgetreten, und für ihre bisherigen drei Sportkurse habe es genügend Teilnehmer gegeben. "Allerdings durfte kein neuer Kursleiter gesucht werden", so Pasternak.

Zudem verbiete das CJD jetzt, dass Kurse untereinander verrechnet werden. Neuerdings müsse jeder Kurs kostendeckend arbeiten. Dazu Pasternak: "Als wir noch selbst darüber entscheiden durften, hatten wir immer einen Finanzhaushalt, der auch aufging. Wir haben ordentlich gewirtschaftet, und der Erlös ist wieder in die Arbeit geflossen, Spenden kamen dem Kindertreff zugute."

Den Kindertreff habe das CJD 2017 aus dem Haus herauslösen wollen, daraufhin sei eine organisatorische Trennung erfolgt. "Das CJD Sachsen wollte nur die Filetstücke haben, aber mit Kinder- und Jugendarbeit ist kein Geld zu verdienen", so Pasternak.

Kindertreff-Chef Thomas Starke sollte laut Plänen des Trägers per 1.April in den CJD-Hort der Winklerschule wechseln. Pasternak quittiert das mit einem Kopfschütteln: "Er hatte einen super Draht zu den Kindern und leistete eine fachlich qualifizierte und engagierte Arbeit." Starke habe extra eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Erzieher absolviert, dann den Treff übernommen und in den vergangenen zehn Jahren zu einem echten Treffpunkt aufgebaut. Dabei habe er nicht nur in Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen gestanden, sondern auch zu deren Eltern. Im Treff seien Inklusion, Integration und generationenübergreifende Arbeit erfolgt.

Starke habe eine Top-Zusammenarbeit zu den Freiberger Förderschulen aufgebaut. Teils sei im Treff auch Essen für bedürftige Kinder gekocht worden. "Thomas Starke war für die Kinder und Eltern da - und das nicht nur acht Stunden am Tag", so Pasternak. "Wo bleiben die christlichen und sozialen Werte, wenn Kindern von einem Tag auf den anderen die Bezugsperson entzogen wird?" Sie will wissen, wieso nicht Starkes Nachfolgerin im Treff in die Kita gehen konnte.

Birgitt Pasternak bricht eine Lanze für das Konzept Mehrgenerationenhaus. Es sei einfach genial und ziele auf die bedarfsorientierte Arbeit ab. Eben deshalb müsse es auf dem Wasserberg, wo vorwiegend Rentner wohnen, viele Seniorenangebote geben. "Doch die Leitung des CJD Sachsen hat das Konzept nicht verstanden", sagt Pasternak. Ihren Informationen zufolge sollen die Seniorenangebote reduziert werden.

Bis 2020 läuft das jetzige Programm Mehrgenerationenhaus Buntes Haus. Birgitt Pasternak sieht nur einen Weg: Es müsse schnellstens ein neuer Träger gefunden werden. "Wenn Machtfragen die Arbeit bestimmen, kann das Projekt unter den derzeitigen Umständen nicht mehr weitergeführt werden."

Dem CJD Sachsen liegen die Aussagen von Birgitt Pasternak seit Montag vor. Eigentlich wollte Chef Stoyan Dimitrov schriftlich Stellung nehmen, doch bis Freitag blieb eine Antwort aus. Am Telefon sagte er am Mittwoch, dass "persönliche Empfindungen" und ein "Schlagabtausch in der Öffentlichkeit" der Sache nicht dienlich seien. Das CJD werde weder die Einrichtung und ihre Zukunft in Frage stellen, noch das Angebotsportfolio verringern, versicherte Dimitrov. Vielmehr solle das Haus noch besser als bisher werden. "Wer etwas anderes behauptet, will dem Bunten Haus schaden."

Auf den Einwand, dass im Haus aber derzeit deutlich weniger Besucher sind, sagte Dimitrov: "In einer Umstrukturierungsphase gibt es immer einen gewissen Rückgang." Alle Schritte erfolgten in Absprache mit Kooperationspartnern und Kostenträgern.

Eine Sprecherin der Stadt Freiberg bestätigt, dass Vertreter der Verwaltung und des Stadtrates im Gespräch mit dem CJD sind. Weitere Gespräche seien geplant, auch mit den ehrenamtlichen Mitarbeitern im Haus. "Aktuell sehen wir den Prozess auf einem guten Weg", so die Sprecherin. Anspruch der Stadt sei, dass das Haus gut aufgestellt ist und bleibt.

Das mittelsächsische Landratsamt wurde laut einem Sprecher Anfang April vom CJD über die Personalveränderung im Kindertreff informiert, der vom Kreis bezuschusst wird. Aber: "Konzeptionelle Änderungen sind uns nicht bekannt", so der Sprecher.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...