Der Baumeister aus Neuhausen

Große Gebäude in klein: Harald Dittrich hat in den vergangenen 25 Jahren rund 250 Modelle gefertigt - vom Schlosshotel Purschenstein bis zur böhmischen Riesenburg. Doch bevor er an eine neue Arbeit geht, muss sich ein Wunsch erfüllen.

Neuhausen.

Im Eingangsbereich des Schlosshotels Purschenstein fällt dem Gast sofort eine Nachbildung des imposanten Bauwerkes auf. "Schloss Purschenstein en Miniatur ist gerade für die Kinder ein wundervoller Blickfang, ein echter Hingucker. Vor allem wenn es beleuchtet ist, strahlen die Kinderaugen", sagt Ingo Viertel, der Hotelmanager.

Der Neuhausener Harald Dittrich hat dieses Modell erst vor kurzem gefertigt. Es ist eines von rund 250Nachbildungen, die er von Sehenswürdigkeiten aus Neuhausen und der Region gebastelt hat. Um nur einige zu nennen: der Schwartenberg, der Dom und die Petrikirche Freiberg, Schloss Freudenstein, die ehemalige Neuhausener Brauerei, die böhmische Riesenburg, der Museumskomplex des Nussknackermuseums in seiner Heimatgemeinde. Im Maßstab 1:100 entstanden sie innerhalb von 25 Jahren unter den geschickten Händen von Harald Dittrich. Auf das Modell der Stadt Sayda um 1840 ist der ehemalige Schulhausmeister besonders stolz. An den 250 Häuschen und der majestätischen Kirche hat er etwa ein halbes Jahr gearbeitet. Das war vor 15 Jahren. Inzwischen hat das Modell des heute 76-Jährigen seinen Platz im Heimatmuseum der Bergstadt Sayda gefunden.

Vor allem die Burgen auf tschechischer Seite haben es dem Hobbybastler angetan. Er baute auch die Schlösser und Burgen der Adelsfamilie von Schönberg nach. Bei all seinen Arbeiten war zumindest ein Foto die Grundlage. Um an ein solches zu gelangen, waren er und viele seiner Freunde unermüdlich beim Suchen und Recherchieren. Und das Glück war ihnen hold: Es fanden sich stets ein Foto, eine Zeichnung oder eine Skizze als Vorlage. Seit nunmehr 25 Jahren bastelt Harald Dittrich akribisch an seinen kleinen Kunstwerken. Dabei bringt der sonst agile und umtriebige Rentner viel Geduld auf. Obwohl ihm sein Gesundheitszustand große Probleme und Schmerzen bereitet, wie er sagt. Seit 1949 leidet er an Kinderlähmung. Diese Krankheit begleitete ihn sein Leben lang und fesselte ihn oft an das Krankenbett. "Ich habe mich aber nie unterkriegen lassen", sagt er.

Als er Anfang der 90er-Jahre wieder einmal mehrere Monate im Bett zubringen musste, brachte ihm ein guter Freund einen Bastelbogen aus Tschechien mit. "Ich hatte mich mit so etwas noch nie beschäftigt, doch als ich den Hradschin, den ich als erstes gebaut hatte, dann vor mir stehen sah, bekam ich Lust auf mehr", erzählt der 76-Jährige. Zumal er im Laufe der Zeit gemerkt habe, dass ihm dieses Hobby gesundheitlich gut tat. Dies war der eigentliche Beginn seiner Basteleien. Seine Materialien sind Pappe aus Pizzabehältern, Schulfarbe, Leim, Sperrholz und Transparentpapier. Für eine Zeichnung auf Millimeterpapier vor dem eigentlichen Baubeginn brauchte er oftmals schon allein eine Woche. Dies sei eigentlich das Schwierigste und die wesentlichste Grundlage für ein gutes Gelingen, erzählt Harald Dittrich.

Seine Modelle stehen heute in vielen Museen der Region sowie bei Privatpersonen. Aber auch zu Urlaubsreisen nach Tschechien und Italien hat er sie mitgenommen. Eine Vielzahl ist im Technischen Museum bei Uwe Löschner in Neuhausen ausgestellt.

Die Dorfkirche Dörnthal sowie die Freiberger Petri- und Nikolaikirche stehen nun bei ihm im neuen Zuhause. Vor einigen Monaten ist er mit seiner Frau Christine in eine Wohnanlage in Freiberg gezogen, da ihn sein Gesundheitszustand an den Rollstuhl fesselt. Ein wenig traurig stimmt ihn, dass sich für diese Modelle bisher keine Interessenten finden. "Aber vielleicht werden jetzt einige neugierig, zumal ich meine Arbeiten immer kostenlos abgebe", betont Harald Dittrich.

Erst wenn die Modelle, die noch in seiner Wohnung stehen, Abnehmer gefunden haben, will er sich neuen Herausforderungen widmen. Dann sollen es vor allem Motive aus der Silberstadt Freiberg, seiner neuen Heimat, sein.

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