Der Herzschlag aller Traditionen

Was es mit dem Hauptquartal der Historischen Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft auf sich hat.

Freiberg ist eine Stadt, die von Traditionen lebt. Und damit etwas am Leben bleibt, benötigt es einen funktionierenden Organismus mit einem intakten Herz. Das Herz aller Freiberger Tradition ist die Historische Freiberger Berg- und Hüttenknappschaft. Seit dem Jahr 1986 marschiert sie in prachtvollen Uniformen nicht nur durch die Silberstadt, sondern paradiert ebenso auf fremden Pflaster, dabei nicht weniger bestaunt als daheim. Man begann mit 266 Gründungsmitgliedern, von denen heute immer noch 75 dabei sind. Die Gesamtzahl der Mitglieder liegt derzeit bei stolzen 426. Kein Wunder, dass dieses Herz aller Tradition kraftvoll schlägt. Wie sehr, das war am vergangenen Freitag beim Berghauptquartal der Knappschaft zu erleben.

Vorab sei geklärt, warum sich diese Jahreshauptversammlung überhaupt "Quartal" nennt, findet sie doch nur einmal im Jahr, traditionell am ersten Freitag im März, statt. Mit einer Viertelung des Jahres hat das also heute nichts mehr zu tun. Der Begriff des Quartals blieb erhalten, nachdem er früher tatsächlich für eine alle 13 Wochen erfolgende Bilanz stand. Zum Berghauptquartal legt der Vorsitzende, Knut Neumann, Rechenschaft ab, ebenso der 1. Schatzmeister Uwe Nitschke. Doch bevor aufgezählt und offengelegt wird, muss den Traditionen genüge getan werden.


Es beginnt mit dem Einmarsch der Fahnen und dem achtmaligen Läuten der Häuerglocke. Die Acht steht für die Stunden einer Schicht. Dann öffnet der Ladensteiger die Vereinslade. Da das Hauptquartal aus Platzmangel nicht in der Knappenstube des Vereins an der Chemnitzer Straße stattfinden kann, denn immerhin sind fast 200 Mitglieder zum Quartal erschienen, hat man eine leichtere Transportlade in die Neue Mensa der TU Bergakademie mitgebracht. In sie kommen im Laufe des Quartals Geschenke befreundeter Knappschaften, aber auch ein Pokal, den der Vereinschor errungen hat. Der Älteste entzündet schließlich das Licht an den Kerzen. Gottfried Porstmann mit seinen neunzigeinhalb Jahren geht dieser Aufgabe würdevoll nach.

Nun folgt der Anschnitt, die Rede des Vorsitzenden. Knut Neumann lässt das Jahr des Silberrausches mit seinen mannigfaltigen Aufgaben für die Knappen noch einmal Revue passieren. "Als einer der größten Traditionsvereine in Sachsen ist es für uns selbstverständlich, mit Aktionen auf solche Jubiläen unserer Silberstadt und des Freiberger Landes aufmerksam zu machen", so Neumann. Das Silberschmieden zu Neujahr, der Neujahrsempfang, die Bergparade zum Bergstadtfest und besonders der Silberrausch auf den Zuger Halden, all das und mehr war unvergesslich. Auch konnte man nach längerer Zeit wieder einmal den Bergmeisterpokal, einen Wettstreit der Knappschaftsvereine, gewinnen. Im Ausblick auf 2019 erwähnt Neumann schon einmal das Brückenfest in Oberschöna, den Tag der Schauanlagen und natürlich den Aufzug zum Geburtstag des Bergakademie-Absolventen Alexander von Humboldt am 14. September. Ein besonderer Moment des diesjährigen Quartals war die Ehrung von Eberhard Pönitz, der seit 1994 in Knappschaft und Chor zu den Stützen des Vereins zählt, wofür er die Medaille "Für besondere Verdienste" erhielt.

Mit dem Auszug der Fahnen, dem Schließen der Lade und dem Löschen des Lichtes, endet nur das Quartal, nicht aber der Herzschlag aller Traditionen in Freiberg.

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