Die gute Seele im Freiberger Krankenhaus

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Eigentlich könnte Brigitte Salac-Urban ihren Ruhestand genießen - doch Stillstand ist nicht ihr Ding. So hilft sie im Freiberger Kreiskrankenhaus - ihre Tätigkeit klingt ungewöhnlich.

Freiberg.

In TV-Arztserien wird die Realität meist so dargestellt: Wenn Visite angesetzt ist, versammeln sich viele Weißbekittelte rund um das Bett eines Patienten, dem meist gut zugeredet wird, nachdem man ausgiebig untereinander Fachgespräche geführt hat. Was das Fachliche und das gut Zureden anbelangt, gibt es im Kreiskrankenhaus Freiberg wohl kaum Unterschiede. Dass allerdings ein Geschwader Ärzte durch die Zimmer zieht, ist eher selten der Fall. Patienten sind deshalb manchmal irritiert und wissen nicht, ob denn nun schon Visite war oder nicht.

Um solche und noch viele andere Dinge zu erklären, gibt es seit vergangenem September Brigitte Salac-Urban. Die quirlige Frau, der man nicht ansieht, dass sie bereits Rentnerin ist, hat eine ungewöhnliche Berufsbezeichnung: Patientenbefragerin. Als solche ist sie in den Bereich der Pflegedirektion integriert mit der Aufgabe, nicht nur Antworten zu geben, sondern auch zu erfragen, was eventuell nicht gut läuft, womit man unzufrieden ist oder wobei man helfen könne.

Hintergrund dafür, jemanden wie Brigitte Salac-Urban einzustellen sei es, die Patientenzufriedenheit zu erhöhen, sagt Pflegedirektorin Sabine Hesse. "Wesentlich ist dabei eine schnelle Umsetzung, denn die Aufenthalte vieler Patienten sind meist nur auf wenige Tage beschränkt", so Hesse. "Als konkreter Ansprechpartner leistet Frau Salac-Urban wertvolle Arbeit." Die Freibergerin ist eigentlich gelernte Chemielaborantin, war aber später Inhaberin einer Fahrschule. Später wurde sie sogar Teamleiterin Ergo- und Physiotherapie in einem Wilsdruffer Pflegeheim. "Da habe ich spätestens gemerkt, dass ich gut mit Menschen kann", sagt sie.

Als der wohlverdiente Ruhestand kam, war für sie sofort klar, dass sie noch weiter tätig sein wollte. Stillstand ist auch nichts, was man mit Brigitte Salac-Urban in Verbindung bringen könnte. Die Aufgabe im Kreiskrankenhaus reizte sie. "Normalerweise nehme ich mir am Tag eine Station vor, gehe durch die Zimmer, spreche mit den Menschen, frage nach ihren Problemen", erläutert sie ihren Ablauf. "Daraus fertige ich ein Protokoll, das an die Geschäftsleitung geht, die dann darauf reagiert."

Meist sind es vermeintliche Kleinigkeiten, wie etwa ein kaputter Fernseher auf dem Zimmer, kleine Besorgungen - all solche Dinge, die kaum machbar sind, wenn man das Bett hüten muss. "Die Patienten nehmen das dankbar an", sagt Salac-Urban. In der Regel wird auf Probleme schnell reagiert. Am wichtigsten sei aber, dass da jemand ist, mit dem geredet werden kann.

Besonders wichtig ist das in der Pandemie-Zeit mit ihren zusätzlichen Unsicherheiten. Den Menschen eine Freude zu machen, sei unglaublich schön. Weihnachten etwa, als Brigitte Salac-Urban nicht nur zusätzliche Stunden vor Ort war, sondern viel zum Vorlesen dabei hatte. Schüler des "Glückauf"-Gymnasiums Dippoldiswalde/Altenberg hatten Adventsbriefe an ihnen unbekannte Patienten geschrieben, in denen viele gute Wünsche standen. Diese las sie vor, und die Reaktionen der Menschen gingen ihr tief ans Herz. Tränen der Rührung und Hoffnung seien geflossen, erzählt sie und ist dabei immer noch sehr bewegt. Für sie steht fest, dass sie Patientenbefragerin sein will, so lange, wie es geht.

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11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 8
    0
    Juri
    05.02.2021

    Schön das mal nicht übers Krankenhaus gemeckert wird. Klasse Idee, wichtiges Angebot, passende Mitarbeiterin. Weiter so mit solchen Ideen und Aktivitäten.