Die Provence in Mittelsachsen

Eine Hobbygärtnerin hat ihre Liebe zu Lavendel entdeckt und erklärt, wie die Pflanze gedeiht und was sie alles kann

Ein lila leuchtendes und duftendes Feld im Rochlitzer Burgenland. Auf 1000 Quadratmetern wachsen dort Lavendelpflanzen. Eine Handvoll verschiedene Sorten - liebevoll gepflegt von Hobbygärtnerin Christine Winkler-Dudczig. Denn längst ist Lavendel nicht mehr nur in Südfrankreich zu Hause. Überall blüht er derzeit auch hierzulande - zwar etwas später als am Mittelmeer, aber ebenso in Violett-Tönen, Rosa und Weiß. Lavendel wird in vielen Gärten als Zierpflanze genutzt. Aber was kann die Pflanze noch, und welche Pflege braucht sie? Gabriele Fleischer hat sich dazu mit der Lavendel-Liebhaberin aus Königshain-Wiederau bei Mittweida unterhalten. Sie gehört zu den rund 100 Ausstellern, die sich am Wochenende bei den ersten Sekt- und Gartenträumen auf Schloss Wackerbarth in Radebeul vorstellen.

Freie Presse: Frau Winkler-Dudczig, warum fasziniert Sie Lavendel so sehr, dass Sie der Pflanze ein ganzes Feld einräumen?


Christine Winkler-Dudczig: Ich habe meine Liebe zum Lavendel in meinem ehemaligen Stadtgarten entdeckt und mich dann intensiv mit dem Anbau beschäftigt. Farbe, Heilkraft und Duft sind im wahrsten Sinne des Wortes eine Wonne. Als ich von Dresden wieder in die Heimat auf das elterliche Grundstück in die Nähe von Mittweida gezogen bin, stand die Neugestaltung des Gartens an. Ich habe mit Lavendel die Hauptlinien geschaffen und beschlossen, noch mehr Lavendel anzubauen. Die Pflanzen wurden bei mir vorgezogen und in der Gärtnerei meiner Schwiegereltern in Großhartmannsdorf kultiviert.

Die Gärtnerei war für Sie also kein Beruf, sondern Berufung?

Ja, unbedingt. Von Beruf bin ich Sozialwissenschaftlerin, aber mit einem grünen und lilafarbenen Gen. Und das im doppelten Sinn. Bereits als Kind wünschte ich mir einen eigenen Garten. Mein Vater hatte mir damals ein Stück Wiese umgegraben. Egal, wo ich später wohnte, ich habe mir immer eine grüne Oase geschaffen, Boden bearbeitet, Kübel und Töpfe transportiert. Lavendel spielt in meinem Garten die entscheidende Rolle. Ich habe dafür mit Züchtern in Frankreich und England gesprochen, Messen besucht, viel gelesen und studiert.

Was sind hierzulande die gängigsten Sorten und warum?

Auf jeden Fall sollten sich Hobbygärtner für echten Lavendel entscheiden. Der ist winterhart und hat tolle Eigenschaften. Hidcote blue zum Beispiel mit seinen dunkelvioletten Blüten. Aber auch Lavendel mit solchen exotischen Namen wie Blue scent, Grosso, Blue Ice und Miss Katherine.

Was ist der Unterschied zwischen echtem und unechtem Lavendel?

Echter Lavendel enthält wertvolle Öle und ist winterhart. Wer Lavendelöl kauft, sollte auf die Zusätze fein oder extra achten. Dann erwirbt man Öl des echten Lavendels. Unechter Lavendel, also Lavandin, ist eine Kreuzung aus echtem und dem sogenannten hohen Speiklavendel. Er wird auf großen Feldern angebaut, ist ertragreicher in den Blüten, enthält aber nicht so wertvolles Öl und ist nicht winterhart. Der in Töpfen kultivierte Schopflavendel, der auch in Gartenmärkten verkauft wird, gehört zum unechten Lavendel.

Welche Pflege braucht die Pflanze unbedingt?

Lavendel braucht für ein gesundes Wachstum kalkreichen Boden und Sonne. Er verträgt keine Staunässe. Damit er nicht verholzt, muss ein Drittel vom Laub mit Blütenstielen zurückgeschnitten werden - am besten nach der Blüte im August.

Das heißt, Lavendel kommt gut mit Hitze und Trockenheit aus?

Ja. Lavendel mag es trocken. Er stammt ja aus mediterranen Gefilden. Die Gefahr, dass er vertrocknet, ist im Winter wesentlich größer als im Sommer. Durch das Einwirken von Sonnenstrahlen kann das Wasser in den Blättern schneller verdunsten, als über die Wurzeln aufgenommen wird. Wurzelpartien dürfen aber auch nicht zu feucht gehalten werden, weil die Pflanze sonst eingehen kann.

Was ist Ihre Lieblingssorte?

Unbestritten Hidcote blue. Ich mag an ihr die tiefblau-violetten bis hellblauen Blüten. Sie verbreiten einen beruhigenden Duft und wirken selbst getrocknet noch attraktiv. Aus meinem Lavendel werden Sträuße gebunden und auf Märkten sowie in der Gärtnerei der Schwiegereltern verkauft. Zur Veranstaltung am Wochenende im Schloss Wackerbarth bringe ich frischen Lavendel in unterschiedlichen Blautönen und Duftkissen mit.

Lavendel ist aber noch weitaus vielseitiger.

Ja. Echter Lavendel wirkt entspannend, beruhigend - und desinfizierend. Man sagt, dass er Motten abhält. Viele pflanzen Lavendel in Rosennähe, um so die Blattläuse zu vertreiben. Aber eigentlich haben beide Pflanzen unterschiedliche Bodenansprüche. In verarbeiteter Form wie in hochwertigem Öl lassen sich Brandverletzungen behandeln. Aus den Blüten werden Duftkissen und Seifen hergestellt, Tees und kühle Getränke aufbereitet. Marmeladen, Gelees, Kuchen, Zucker verleiht Lavendel eine besondere Note. In Tees und Dragees fördert er innere Ruhe, hilft bei Schlafstörungen, pflegt in Salben die Haut. In der Kosmetik, Parfüm- und Waschmittelindustrie wird dagegen eher Lavandin, also unechter Lavendel, verwendet.


Gartenträume in Radebeul 

Schloss Wackerbarth in Radebeul lädt vom 5. bis zum 7. Juli zu den ersten Sekt- und Gartenträumen ein.

Erwartet werden 100 Aussteller aus den Bereichen Gartenkunst, Design und Floristik.

Geöffnet ist Freitag und Sonntag, jeweils von 10 bis 18 Uhr, Sonnabend bis 19 Uhr. Das Wochenendticket kostet 15 Euro.

www.freiepresse.de/Gartentraum

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