Ein Regal gegen Verschwendung

In Mittweida gibt es nun einen offenen Schrank für Foodsharing. Unterstützung gab es dafür vom Freiberger Studentenwerk. Nicht mehr benötigte Lebensmittel finden nun noch Abnehmer.

Freiberg/Mittweida.

Kartoffeln, Äpfel, Reis, Gewürze, Nuss-Nougat-Creme, Konservendosen und einiges mehr dürfen hinein. Fleisch, Fisch, Milchprodukte und andere Lebensmittel, die ohne Kühlung leicht verderben, nicht. Was genau in dem Foodsharing-Regal abgegeben werden darf, das es seit einiger Zeit in Mittweida gibt, ist vor Ort gut sichtbar auf einem Blatt Papier vermerkt. Das offene Holzregal steht im Mensa- und Bibliotheksgebäude der Hochschule direkt neben der Eingangstür. Wer Lebensmittel übrig hat, die zu schade zum Wegwerfen sind, kann sie dort hineinstellen. Jeder darf sich - ganz ohne Gegenleistung - aus dem Regal bedienen.

Angestoßen wurde dies von der Hochschulstudentin Maria Clausing. "Die Idee hatte ich schon länger, da wechselnde Mitbewohner in meiner Wohnung immer wieder Lebensmittel beim Auszug dagelassen haben", erklärt sie. Bei einem Treffen mit anderen Studierenden aus ganz Deutschland, das vom Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband organisiert wurde, habe sie erfahren, dass es an anderen Bildungseinrichtungen bereits ähnliche Projekte gibt, die funktionieren.

Bei der Umsetzung unterstützt wurde Maria Clausing vom Studentenrat (Stura) der Hochschule Mittweida, in dem sie selbst als Referatsleiterin Sport tätig ist, sowie vom Studentenwerk Freiberg, das die Mensa in Mittweida betreibt. Laut Stura-Geschäftsführer Gordon Guido Oswald wird das Regal von dem studentischen Gremium gepflegt. "Es wird regelmäßig geschaut, ob alle Inhalte in den Schrank gehören oder leider entsorgt werden müssen", erklärt er. "Die Grundüberlegung besteht darin, Lebensmittel mit anderen zu teilen und dadurch persönlich einen Beitrag zum nachhaltigen Konsum zu leisten." Die Mensa sei als Standort besonders geeignet, da dort täglich viele Hochschulangehörige und Gäste zum Mittagessen vorbei schauen. Die Rückmeldungen, die sie zu dem Regal erhalten habe, seien positiv gewesen, berichtet Maria Clausing. "Ich denke, dass es ziemlich gut angenommen wurde", sagt sie.

Auch Michaela Hüge gefällt die Idee. Sie hat vor fünf Jahren die Facebook-Gruppe "Foodsharing Mittweida" gegründet, die ein ähnliches Konzept verfolgt. Dort können angemeldete Nutzer übrig gebliebene Lebensmittel anbieten und sich mit anderen Gruppenmitgliedern zur Übergabe verabreden. Die Gruppe zählt mittlerweile über 370 Mitglieder, ist seit einiger Zeit allerdings ein wenig eingeschlafen.

Für die Rettung von Lebensmitteln setzt sich auch der Verein Food-sharing mit Sitz in Köln ein. Auf seiner Internetseite listet er sogenannte offene Fairteiler, die wie das Regal in Mittweida funktionieren. Für Mittelsachsen sind dort bislang erst zwei derartige Angebote vermerkt - beide in Freiberg. Für Chemnitz sind acht, für Dresden 15, für Leipzig sogar 20 Fairteiler gelistet. www.foodsharing.de/karte


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