Holzeinschlag im Stadtwald hält an

Stürme, Trockenheit und Schädlinge setzen den hiesigen Bäumen zu. Mit schwerem Gerät rücken Forstarbeiter an, um die Schäden zu beseitigen. Allein bis jetzt sind 16.000 Festmeter aufgearbeitet worden - und ein Ende ist nicht absehbar.

Freiberg.

Lautstark frisst sich die Motorsäge des Harvesters durch einen Baum. Dann greift die tonnenschwere Holzerntemaschine erneut zu, entastet den Stamm, schneidet ihn in lange Stücke und transportiert ihn ab. Im Freiberger Rats- und Hospitalwald wird weiterhin in Größenordnungen Holz eingeschlagen. Ist das noch dem Borkenkäferbefall zuzuschreiben? Das fragen sich so einige Freiberger, vor allem die, die in dem Naherholungsgebiet spazieren gehen und joggen.

Jüngst liefen die Arbeiten im Bereich des Waltersdorfer- und Margarethenweges sowie derzeit nahe dem Waldcafé. Doch nicht nur auf dieses Areal konzentrieren sich die Forstarbeiter, heißt es dazu aus der Freiberger Stadtverwaltung. "Nach vorläufigen Schätzungen stehen im Stadtwald etwa 25.000 Festmeter abgestorbenes beziehungsweise vom Borkenkäfer befallenes Schadholz", erklärt Andreas Böhnstedt, Leiter des Hochbau- und Liegenschaftsamtes. Durch die Stürme der vergangenen Jahre sowie die trockenen Sommer 2018 und 2019 ist der gesamte Stadtwald vom Borkenkäfer betroffen. Denn das Insekt konnte jeweils bis zu drei Generationen ausbilden. "Die Fichte stirbt großflächig ab", bringt es Peter Dalke auf den Punkt. Der Revierförster betreut unter anderem den Freiberger Kommunalwald. Den Gesamtschaden kann die Stadt bisher nicht beziffern.

Auch in bereits abgearbeiteten Waldgebieten musste erneut mit dem Einschlag begonnen werden. "Zwischen Margarethenweg und Bahnlinie beispielsweise blieb nach den Arbeiten eine schmale Kulisse von Fichten stehen. Aus Verkehrssicherungsgründen wurden diese entfernt, damit sie nicht bei den nächsten Stürmen auf die Bahnlinie stürzen", sagt Böhnstedt. Er widerspricht zugleich Vermutungen, dass bei den derzeitigen Arbeiten gleichzeitig eine Schneise für die geplante Umgehungsstraße geschlagen wird. "Die Arbeiten dienen der Gefahrenabwehr und der Beseitigung von Forstschutzproblemen", sagt er. Peter Dalke blickt voraus: "Wenn wir erneut ein solch trockenes Jahr bekommen, haben wir auch nächstes Jahr noch voll zu tun." Derzeit arbeiten im Stadtwald zwei Harvester. Ein Unternehmen kommt aus dem erzgebirgischen Pfaffroda, das andere aus Sachsen-Anhalt.

Rund 16.000 Festmeter Schadholz sind laut Böhnstedt bisher in diesem Jahr im Stadtwald geschlagen worden. Das entspricht dem Vierfachen der sonst üblichen Ernte. "Sämtliches Holz wird durch die Forstbetriebsgemeinschaft Freiberger Land an Holzaufkäufer vermarktet", so Böhnstedt. Allerdings hat die in Deutschland und Europa anfallende riesige Menge den Holzmarkt zusammenbrechen lassen. Die Preise sind nach seinen Worten von 96Euro je Festmeter auf unter 30Euro gefallen. Die 2019 ausgegebene Summe für Fäll-, Räumungs- und Sicherungsarbeiten durch die Stadt beziffert er auf etwa 424.000 Euro.

Ziel ist es, den Stadtwald großflächig wieder aufzuforsten. Entscheidend hierbei, so Böhnstedt, ist die Wahl der Baumarten, da selbst Eichen und Buchen zum Teil vertrocknet sind. "Auch drei Hektar Tannensaaten aus dem Jahr 2017 sind der Trockenheit zum Opfer gefallen." In Zukunft sollen Robinie, Kirsche und Baumhasel größere Bedeutung erlangen. Der Zeitraum des Wiederaufforstens hängt wesentlich vom Wetter, von einer ausreichend vorhandenen Menge an Pflanzgut und der weiteren Schadholzaufbereitung ab. Geplant sind größere Aktionen wegen der noch anstehenden Arbeiten ab 2021, je Hektar Neuaufforstung müssen etwa 10.000 Euro geplant werden.

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