KZ-Gedenkstätte: Debatte um Villa

Weitgehend Einigkeit besteht bei dem Plan, das ehemalige KZ im Frankenberger Ortsteil Sachsenburg zu einer Gedenkstätte auszubauen. An einem Gebäude aber scheiden sich die Geister.

Frankenberg.

Die Stadt Frankenberg will den nächsten Schritt in Sachen Gedenkstätte KZ Sachsenburg gehen. Am heutigen Mittwoch steht auf der Tagesordnung des Stadtrates, worüber bereits der Hauptausschuss beraten hatte: das weitere Vorgehen nach dem ersten gescheiterten Antrag auf Gedenkstättenförderung durch den Bund.

"Der Stadtrat hält grundsätzlich am Beschluss zur Errichtung der Gedenkstätte fest", heißt es in der Beschlussvorlage. Damit es auf dem Weg dorthin vorangehen kann, sollen die Stadträte einer Reihe von Maßnahmen zustimmen. So will die Verwaltungsspitze beim Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst einen Antrag auf Unterstützung stellen. Hat dieser Erfolg, wäre es möglich, eine wissenschaftliche Begleitung des Vorhabens auszuschreiben, vorzugsweise eines Historikers. Des weiteren strebt das Rathaus einen professionelleren Umgang mit der historischen Bausubstanz an.

Zudem soll das geplante Kommunikations- und Dokumentationszentrum realisiert werden. Nach dem Kauf des benachbarten Gasthofs "Fischerschänke" durch die Kommune ist dessen Obergeschoss als Interim vorgesehen, bis die Gedenkstätte eröffnet wird.

Hintergrund der zur Abstimmung stehenden Maßnahmen ist die Ablehnung des ersten, im August 2018 von der Stadt beim Bundesbeauftragten für Kultur und Medien eingereichten Antrags auf Bundesgedenkstättenförderung. Nach diesem sollten die Arbeiten an der Gedenkstätte derzeit schon laufen. Doch die Experten des Bundes lehnten das Papier ab. Ihre Kritikpunkte waren: kein tragfähiges Konzept zum dauerhaften Betrieb der Gedenkstätte, Zweifel an der hinreichenden professionellen Unterstützung des Antragstellers durch den Freistaat oder eine Universität und Abriss erheblicher Teile des baulichen Ensembles.

Vor allem am von der Stadt angestrebten Abriss der kaputten Kommandantenvilla gibt es Kritik. Gegen den Abriss sprachen sich unlängst auch nationale und internationale Wissenschaftler in einem offenen Brief aus. Vor diesem Hintergrund bringt die Fraktion Die Linke/SPD nun einen Änderungsantrag ein. "Der Stadtrat soll den Beschluss zum Abriss aussetzen und nicht vollziehen", fordert stellvertretend Fraktionschef Jörg Hommel. Die Aussetzung solle solange erfolgen, bis ein Konzept zur Gedenkstätte erstellt ist. Wenn ein solches inklusive Villa umsetzbar sei, werde der Abriss überflüssig. Andernfalls verliere die Gedenkstätte einen Bezugspunkt, einen Täterort und einen Teil ihres didaktischen Potenzials.

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