Nach Proteststurm: Regiobus lenkt am Seilerberg ein

Beim Info-Abend zum neuen Freiberger Liniennetz schlugen die Wogen hoch. Dabei sollen Zug und der Wasserberg nun doch direkt erreichbar bleiben. Kritikern geht diese Reform der Reform nicht weit genug.

Freiberg.

Der Stadtteil Wasserberg und der Ortsteil Zug werden auch im neuen Liniennetz des Freiberger Stadtverkehrs vom Seilerberg direkt erreichbar bleiben. Außerdem soll die Haltestelle Hegelstraße/Werner-Seelenbinder-Straße im oberen Teil des Seilerbergs nun doch nicht vom Freiberger Stadtverkehr abgeschnitten werden. Mit diesen Änderungen reagiert das zuständige Unternehmen Regiobus Mittelsachsen auf einen Proteststurm nach der Bekanntgabe einer zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember anstehenden Reform des Liniennetzes.

Eigentlich wollte Regiobus die Anbindung des Bahnhofs stärken sowie Liniennetz und Fahrplan übersichtlicher gestalten. Insbesondere Bewohner des Seilerbergs monierten aber, mit dem geplanten Wegfall der Linien B und C würden ihre direkten Verbindungen zum Wasserberg, zum Gewerbegebiet Häuersteig sowie nach Zug gekappt. Darüber hinaus schneide Regiobus den oberen Bereich des Seilerbergs völlig vom Stadtverkehr ab. Die Linie D, die künftig im unteren Bereich des Seilerbergs eine Schleife fährt, wurde kaum als gleichwertiger Ersatz empfunden.

Regiobus hat daraufhin die Pläne noch einmal überarbeitet. Bei einem Informationsabend am Montagabend in der Karl-Günzel-Schule stellte Fachbereichsleiter Henning Schmidt zwei Änderungen vor, die sich im neuen Fahrplan noch unterbringen lassen. So sollen Busse der Linie A, die künftig Halsbrücke mit dem Wasserberg verbindet, im Stundentakt weiter bis zum Seilerberg fahren. Und einzelne Fahrten der neuen Linie D enden nicht am Seilerberg, sondern fahren über die Hegelstraße bis Zug.

Um ab Fahrplanwechsel zum Häuersteig zu gelangen, müssen die Seilerberger aber auch nach den angepassten Plänen am Wasserberg umsteigen - oder den Fußweg bis zum Südkreuz auf sich nehmen. Den allermeisten der mehr als 100Teilnehmern der Veranstaltung gehen die beiden Änderungen somit nicht weit genug. Viele zeigten sich aufgebracht, teils drohte die Stimmung zu kippen. Sie lebe schon seit fast 60 Jahren auf dem Seilerberg und habe sich dort immer wohlgefühlt, sagte die 80-jährige Ursula Zillmer der "Freien Presse". Die Pläne von Regiobus würden nun ihren Lebensabend beeinträchtigen.

Wie viele andere Anwohner, die öffentlich das Wort ergriffen, wies sie darauf hin, dass am Seilerberg viele ältere, in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen wohnen, die etwa auf Rollatoren angewiesen sind. Gleichzeitig gibt es dort keinen Supermarkt, lässt die Versorgungslage damit zu wünschen übrig. "Wir sind hier von allem abgehängt", rief eine aufgebrachte Dame. "Wir kriegen hier noch nicht einmal eine Briefmarke." Viele Redner zeigten Unverständnis, warum das Liniennetz überhaupt geändert werden müsse. "Die Leute auf dem Seilerberg fühlen sich verarscht", rief eine Frau unter Beifall. Während ein Mann beklagte, der Wasserberg sei, da dort künftig die Linie D nicht mehr fahre, noch viel stärker betroffen. Vielfach wurde die Forderung laut, die Fahrplan-Reform gleich ganz abzusagen - oder zumindest zu verschieben.

Das sei nicht möglich, sagte Regiobus-Mann Henning Schmidt mit Verweis auf die Komplexität eines solchen Fahrplans sowie das nötige Genehmigungsverfahren. Immerhin mochte er nicht ausschließen - wenn auch nicht zusagen - dass noch vor dem Fahrplanwechsel weitere Änderungen denkbar seien. Dabei geriet die Linie B Brand-Erbisdorf-Freiberg in den Blick, die bislang abwechselnd über die Berthelsdorfer Straße oder den Seilerberg führt. An diesem Wechsel solle festgehalten werden, forderte beispielsweise Anwohner Detlef Zillmer. Zumal in Niederzug entlang der Berthelsdorfer Straße kaum Bedarf für einen halbstündigen Takt bestehe, wie er nun geplant sei.

Regiobus-Vertreter Schmidt warb grundsätzlich für die Region. Die Kritik sei fast nur aus dem Seilerberg gekommen, man müsse alle Stadtteile im Blick behalten. Eine Stadt entwickele sich weiter, das gelte auch für den Busverkehr. Und OB Sven Krüger (parteilos), der die Veranstaltung moderiert hatte, versprach, alle aufs Tablett gekommenen Vorschläge würden geprüft. Krüger verwies auf seinen Rechtsamtsleiter Jörg Woidniok, der ihm bei der Diskussion zur Seite stand - und der als Fraktionschef der CDU-Kreistagsfraktion auch im Aufsichtsrat von Regiobus sitzt.

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1Kommentare
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  • 2
    0
    Juri
    05.12.2018

    Warum werden nur die Menschen immer erst verrückt gemacht, um dann (manchmal), nach reichlich Spektakel, auf den Weg der Vernunft zurück zu finden?
    Sollte man nicht vorher einfach mal das Gehirn einschalten? Vielleicht auch nur das Herz? Sich einfach mal in die hinein versetzen, um die es eigentlich geht. Um die Bürger unserer Stadt, um die neben und mit mir?

    Warum werden immer und immer wieder die Schwachen zurück gelassen? Ist das tatsächlich die richtige Stelle an der gespart werden muss oder ist es einfach nur der Weg des geringsten Widerstandes. Solche Aktionen machen denen, die es eh schon schwerer haben Angst.
    Ein Segen, dass es zunehmend mehr Menschen gibt, die den Mund aufmachen.
    Wir müssen uns auch nicht wundern, dass es mehr Bürger gibt, die traurig, statt fröhlich auf dieses reiche Deutschland blicken. Auf dieses reiche Deutschland, wo so viel Gutes möglich ist. Aber eben auch liebloser Unsinn.

    Es gibt viele „richtige“ Probleme. Könnten wir uns solche peinliche, Mensch gemachte Not, die alles andere als Vertrauen schafft, nicht einfach sparen?



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