Naundorfer feilen an Ortskern

Dem Ortsteil der Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf fehlt ein Treffpunkt für die Einwohner. Eine Interessengemeinschaft stellte nun erste Ideen vor.

Naundorf.

Oberbobritzsch hat den Platz rund um das Gerätehaus der Feuerwehr und das alte "Erbgericht", Niederbobritzsch den "Goldenen Löwen", Hilbersdorf den Platz an der Grundschule, Gasthaus und Spielplatz und das kleine Sohra ein Bürgerhaus als Treffpunkt. In Naundorf, ebenfalls Ortsteil der Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf, mangelt es dagegen an einem Ortskern. Das soll sich ändern. Seit März gibt es eine Interessengemeinschaft "Ortskernentwicklung". "Wir wollen den Schwung des zuvor entwickelten Dorfumbauplans, der die gesamte Gemeinde betrifft, mitnehmen", sagt Steffen Schmieder, der schnell bei dem Projekt dabei war. Nach Zusammenkünften und Begehungen ist ein erster Entwurf fertiggestellt. Dieser wurde nun bei einer Bürgerversammlung in der Grundschule Naundorf vorgestellt.

Die Aufgabe übernahmen Thomas Kästner und Dirk Schmidt, beide sogenannte Neu-Naundorfer, die aber schon mehrere Jahre im Ort leben. Im Mittelpunkt aller Ideen steht der Bahnhofsberg. Der Platz, an dem früher die Züge auf der Strecke zwischen Nossen und Klingenberg hielten, wird seit Jahren nicht optimal genutzt. Hauptsächlich hat dort das Unternehmen Homilius Bohren und Umwelttechnik seinen Sitz. Von der alten Bahnhofsherrlichkeit zeugen nur noch ein alter Güterboden und zwei Häuschen, die als Materiallager dienen.

Bürgermeister René Straßberger (CDU) schlug vor, einen regelmäßigen Markttag auf dem Gelände abzuhalten, an dem zeitgleich Bäcker, Fleischer und Sparkassen-Mobil vor Ort sind, die jetzt an unterschiedlichen Tagen nach Naundorf kommen, erläuterte Thomas Kästner. Doch soll das Areal, geht es nach dem Entwurf der Interessengemeinschaft, weitere Funktionen erfüllen. Vor allem sollen Parkplätze entstehen, die dafür vorgesehen sind, dass Eltern, die ihre Kinder am Morgen zur 200 Meter entfernten Grundschule nebst Kindertagesstätte bringen, hier halten und nicht den Weg Obere Engen benutzen. "Regelmäßig herrscht morgens dort ein Verkehrschaos", erklärte Dirk Schmidt. Selbst die freiwillige Feuerwehr habe klargemacht, dass sie bei einem Einsatzfall in den Morgenstunden momentan keine Möglichkeit sehe, zum Gebäude durchzukommen.

Ein weiterer verkehrstechnischer Punkt lässt den Bahnhofsplatz interessant erscheinen. So könnte eine Buswendeschleife eingerichtet werden, mit einer Haltestelle, an der die Schüler aus- und einsteigen. "Zur Vitalisierung des Platzes soll ein Vereinsheim geschaffen werden", so Dirk Schmidt. Das alte Kulturhaus an der Grillenburger Straße sei abrissreif und nicht mehr sanierbar. Das Bürgerheim unweit der Kirche werde derzeit als Ausweichstätte für die Kita Niederbobritzsch genutzt, für die bis Anfang 2020 ein Neubau entsteht. Auch treffen sich dort einige Vereine, doch sei die Struktur des Hauses recht angegriffen. Zudem sprechen die abseitige Lage und die schlechte Erreichbarkeit dagegen, es im Sinne der Ortsentwicklung zu nutzen. Man könne entweder eines der alten Bahnhofsgebäude ausbauen, wofür es andernorts gute Beispiele gibt, oder einen Neubau in Angriff nehmen. Beachtet werden müsse allerdings, dass genug Platz für die Buswende bleibt.

Perspektivisch bietet sich noch eine weitere Möglichkeit an, denn Wolfdietrich Homilius plant, seinen Firmensitz in das Gewerbegebiet Ost zu verlegen, weshalb auch seine bisherige Halle in die Betrachtungen einbezogen werden könne. Der hintere Teil des Bahnhofsplatzes könne nicht genutzt werden, da dafür im Gemeinderat der Beschluss zur Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens gefasst wurde. Es sollen Wohnhäuser entstehen. Angedacht ist ferner, den Bahnhofsplatz zum Ausgangsort für einen neuen Rundwanderweg zu gestalten, für den der alte Viehweg am Buchberg wieder gangbar gemacht werden soll.

Bei den zahlreich erschienenen Einwohnern stießen die Ideen grundsätzlich auf Zustimmung. "Wichtig ist nun, dass sich der Gemeinderat dieser Ortsentwicklung annimmt", so Bürgermeister Straßberger. "Und wir müssen uns Gedanken machen, woher wir Fördermittel bekommen." Denn alleine könne die Gemeinde eine solch umfassende Aufgabe nicht schultern.

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