Patchwork-Familie Großhartmannsdorf

Vor 25 Jahren haben sich Großhartmannsdorf, Obersaida, Mittelsaida und Niedersaida zusammengeschlossen - freiwillig. Ein Selbstläufer war das nicht. Im Gegenteil.

Großhartmannsdorf.

Seit 25 Jahren bildet Großhartmannsdorf eine große Familie mit Niedersaida, Mittelsaida und Obersaida; praktisch eine Patchwork-Familie. Das war nicht immer leicht, doch ab heute feiern die rund 2500 Familienmitglieder eine Woche lang ihr 25-jähriges Jubiläum.

Es war 1993, die politische Wende hatte nicht nur Biografien, sondern auch Strukturen des öffentlichen Lebens auf den Kopf gestellt. Die vier Ortschaften Großhartmannsdorf, Obersaida, Mittelsaida und Niedersaida hatten damals noch jeweils einen eigenen Bürgermeister und beschäftigten eigene Verwaltungen. Die Orte waren klein, die Herausforderungen der neuen Zeit enorm. In Mittelsaida und Obersaida gab es schon Bestrebungen, etwas zu verändern. "Die Rechtsaufsicht riet uns damals zu einem Eingemeindungsvertrag", erzählt Werner Schubert. Er war damals Bürgermeister des eigenständigen Großhartmannsdorf und am Zusammenschluss direkt beteiligt. Heute ist er sozusagen Familienoberhaupt der Patchwork-Familie. "Es war die erste Eingemeindung im damaligen Landkreis Brand-Erbisdorf, und das auch noch freiwillig", hebt er hervor. Zum 1.1.1993 sind die drei Orte fusioniert. Die Niedersaidaer, die bis dahin zum Kreis Marienberg gehörten, standen kurz darauf vor der Entscheidung: Anschluss an das Trio oder Orientierung in Richtung Marienberg? "Zwei Drittel der Einwohner entschieden sich für Großhartmannsdorf", erinnert sich Schubert. Seit 1.1.1994 ist das Trio also ein Quartett. Dabei lief aber nicht alles von Anfang an glatt. Sich in dieser neuen Familie zurechtzufinden, sich mit ihr zu identifizieren, fiel vielen nicht leicht. Auch auf organisatorischer Ebene standen Herausforderungen an: "Vier Verwaltungen mit vier Haushalten galt es zusammenzubringen und dazu viele Personalprobleme zu lösen", so Schubert. Zum Glück habe es keine sofortigen Entlassungen gegeben. Doch schließlich wurde Personal abgebaut, qualifiziert und neu sortiert, das Rathaus umgebaut, Aufgaben und Ämter neu verteilt. Mit der Einweihung im September 1994 war die Gemeinde Großhartmannsdorf startklar.

Themen wie Trinkwasser-, Abwasser- und Erdgasversorgung mussten geklärt werden, aber auch die Frage, welche der beiden Schulen - Mittelsaida oder Großhartmannsdorf - darf bleiben, wurde heftig diskutiert. Verzichten wollte niemand. "Damals demonstrierten Eltern mit Babys auf dem Arm gegen die Entscheidung, die Schule in Mittelsaida zu erhalten", erinnert sich Schubert.

Rückblickend, meint er, habe sich vieles gut entwickelt. Nach anfänglicher Skepsis werde die Grundschule Mittelsaida heute gut angenommen, auch von Eltern aus dem Ortsteil Großhartmannsdorf. "Man wächst immer mehr zusammen, auch wenn manches nicht gleich geklappt hat", so Schubert. Er spielt darauf an, dass sich die vier Ortswehren anfangs sträubten zu fusionieren. Später sei das aber mangels Personal und aktueller Technik ohnehin notwendig geworden. Heute gibt es die Freiwillige Feuerwehr "Arno Päßler" in Großhartmannsdorf und die Freiwillige Feuerwehr "Saidenbach" Mittel-, Nieder- und Obersaida mit eigenen Wehrleitern.

Das Besondere an dem Familien-Quartett: Jeder Ort hat sich seinen Treffpunkt erhalten. Obersaida hat die Sportstätte samt Festplatz, Mittelsaida die Grundschule und den Hort, und bald auch ein Dorfgemeinschaftshaus, Niedersaida hat eine sanierte Turnhalle samt Gaststätte, und Großhartmannsdorf hat ein Feuerwehrgerätehaus sowie einen Kindergarten.

Worauf alle Familienmitglieder heute stolz sein könnten? Schubert: "Wir sichern die Versorgung unserer Einwohner ab. Wir haben Ärzte, eine Apotheke, Schule, Hort und Kita, einen Einkaufsmarkt, ein Naturbad, zwei Chöre, zwei Kirchen, ein Pflegeheim und sogar eine Busanbindung nach Dresden und Annaberg."

Das Gemeindefest hat mit einem Festakt im Mayoratsgut begonnen und findet die ganze Woche über in den verschiedenen Ortsteilen statt. Dabei steht jeder Tag unter einer anderen Überschrift (siehe Programm).


Das erste große Fest seit 1992

20 bis 30 Männer und Frauen gehören dem Kernteam an, welches das Fest für die Gemeinde Großhartmannsdorf auf die Beine stellt. Einer davon ist Frank Richter (Foto), sportlicher Vorstand der Landsportvereinigung Großhartmannsdorf. "Seit zweieinhalb Jahren planen und organisieren wir. Es ist im Prinzip seit dem Schul- und Heimatfest 1992 das erste Fest in der Gemeinde", sagt er. Dementsprechend sei es für alle eine "Wundertüte".

Für die Abendveranstaltung nächstes Wochenende rechnet das Team mit jeweils 400 Besuchern. Die Gemeinde als Veranstalter schätzt die Kosten auf rund 35.000 Euro und schießt 10.000 Euro hinzu. 25.000 Euro sollen über den Verkauf von Getränken und Eintrittskarten eingenommen werden. "Wichtig ist uns, dass wir alle Menschen aus allen Orten ansprechen, zusammenbringen und ein schönes Fest feiern", so Richter. Wenn es angenommen wird, könne man darüber nachdenken, das in fünf Jahren zu wiederholen, sagt er.

18.8. Tag der Sportvereine: Auf dem Sportgelände in Niedersaida gibt's von 9 bis 13 Uhr das Familien-Gaudi-Sportfest. 10.30 Uhr starten Crosslauf und Walking. Von 14 bis 18 Uhr gibt es auf dem Sportgelände in Großhartmannsdorf ein Fußballturnier der Ortsteile. Ab 19 Uhr Sternwanderung auf die "Lichte".

19.8. Tag der Kirchgemeinden: 10 Uhr Familiengottesdienst in Mittelsaida, 12 Uhr Wanderung über die "Lichte" zur Kirche Großhartmannsdorf, 14.30 Uhr spielt eine Band.

Vom 20. bis 23.8. stellt sich täglich ein Ort mit Programm vor. Niedersaida: 18.30 Uhr Talentewettbewerb. Obersaida: 17 Uhr Freizeit-Volleyball-Turnier. Mittelsaida: 18 Uhr gemeinsamer Auftritt von Volks- und Kirchenchor.Großhartmannsdorf: Ab 19.30 Uhr kleine Schlagernacht mit einer Newcomerband.

24.8. Tag der Jugend: Rummel und Bullriding ab 16 Uhr auf dem Festplatz Großhartmannsdorf, ab 22 Uhr die DJs Marcapasos und Janosh live.

25.8. Tag der Feuerwehren: Ab 10 Uhr kämpfen 18 Teams im Kreisausscheid Löschangriff gegeneinander. 14 Uhr Gemeindeschützenfest, ab 21 Uhr Partyband Jolly Jumper.

26.8. Finale: 9.30 Uhr Zeltgottesdienst, 14 Uhr Showprogramm mit Akteuren aus der Gemeinde. (cor)

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