Steht Reinsberg vor der Teilung?

Vier Jahre nach der Fusion von Döbeln und Mochau wird in Mittelsachsen über die nächste Gemeinde-Ehe geredet - diesmal mit zwei Bräuten.

Reinsberg.

Eine Liebeshochzeit wird das nicht: Der Gemeinderat von Reinsberg hat am Dienstagabend beschlossen, Gespräche für einen freiwilligen Beitritt von Ortsteilen in die Gemeinde Halsbrücke und in die Stadt Großschirma zu führen. Als Arbeitsgrundlage für die Vorbereitung der Verhandlung gilt die Modellvariante, die in der nebenstehenden Grafik dargestellt ist.

Mehrere Zuschauer - gut 40 Einwohner verfolgten die Ratssitzung - plädierten vehement für die weitere Selbstständigkeit der Gemeinde. So sorgt sich Ute Flemming vom Verein "Reinsberg.er.leben" um den Badepark Reinsberg, der von ihren Mitstreitern und der Kommune betrieben wird: "Welche Gemeinde könnte sich zwei Freibäder leisten?" Halsbrücke habe bereits die Sumpfmühle in Hetzdorf und Großschirma das Romanusbad in Siebenlehn. "Die Eigenständigkeit sollte die Hauptvariante sein", erklärte die Vereinschefin unter dem Beifall der Gäste.

Bürgermeister Bernd Hubricht (CDU) hatte zuvor erläutert, dass die Einwohnerzahl von Reinsberg immer weiter sinke, zugleich aber die Ausgaben und die Anforderungen an die Verwaltung stiegen. "Sie können schöne Träume haben, aber die platzen ohne Geld", verwies der Rathauschef auf geringe Steuer- und sonstige Einnahmen seiner chronisch klammen Kommune.

Ihm wäre es lieber, so Hubricht weiter, geschlossen mit einer Kommune zu fusionieren: "Aber da brauchen Sie jemand, der mitmacht." Seine Amtskollegen würden aber maximal fünf und nicht alle neun Dörfer nehmen wollen. Die Eingliederung sei ein Kraftakt - das hätten Großschirma bei Siebenlehn und Halsbrücke bei Niederschöna erfahren.

In der Aussprache zeigte sich keiner der Räte glücklich über die sich abzeichnende Spaltung. "Aber wir müssen den Realitäten ins Auge sehen", sagte Andreas Schneider (Regionalbauernverband). Mirko Schäffner (Linke) regte an, einen unabhängigen Berater zu konsultieren. Konrad von Posern (CDU) forderte, den Bestand der Grundschule in Neukirchen zu sichern: "Wenn wir uns auseinanderspalten, müssen Vereinbarungen getroffen werden, um die Mindestschülerzahl zu erreichen."

Das Thema Gemeindefusion beschäftigt die knapp 3000-Seelen-Gemeinde seit Jahren. So hatte sie mit Siebenlehn eine Verwaltungsgemeinschaft, bis die hoch verschuldete Stadt 2003 an Großschirma angeschlossen wurde. 2012 hatte es Avancen gen Nossen gegeben - die Kommunalehe über die Kreisgrenze hinweg scheiterte aber am Innenministerium. Danach wurde mit Halsbrücke und Großschirma verhandelt, 2017 war sogar Freiberg ins Blickfeld gerückt - die Kreisstadt ist aber kein direkter Nachbar.

Die jetzige Entscheidung hatte der Gemeinderat schon vor vier Monaten hinter verschlossenen Türen getroffen. Der Beschluss müsse aber öffentlich gefasst werden, so der Bürgermeister. Die Ergebnisse der Gespräche sollen im Herbst Thema einer Einwohnerversammlung sein.

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