Tohuwabohu am Busbahnhof

Tag eins des neuen Stadtverkehrs in Freiberg stellte so manchen Fahrgast vor Herausforderungen. Regiobus hatte Service- Mitarbeiter extra geschult. Und zeigt sich mit den Betriebsabläufen zufrieden.

Freiberg.

Brigitte Löwe, 67, steht mit Pudelmütze am Busbahnhof am Steig 2 und friert. Am Montagmittag warten mit ihr Schüler, aber auch viele ältere Frauen und Männer. Einige haben Tragetaschen in den Händen, eine Frau stützt sich auf ihren Rollator, ein Mann kommt langsam mit einem Paar Krücken gelaufen. Das Gesprächsthema: der geänderte Busfahrplan. "Wann fährt die D?" - "Ich weiß nicht, ich finde es nicht mal an der Anzeige." "Fährt der dort zum Wasserberg?" "Nee, erst nach Friedeburg." Das Durcheinander scheint perfekt.

Der gestrige Montag war Tag des Fahrplanwechsels - und damit Tag eins des überarbeiteten Liniennetzes im Freiberger Stadtverkehr. Die Linien A und H sowie B und E wurden kombiniert, die Linienführung der Linien B und C geändert. Insbesondere im Stadtteil Seilerberg, der sich plötzlich von den Linien B und C abgeschnitten und damit um Direktverbindungen nach Zug, zum Gewerbegebiet Häuersteig sowie zum Stadtteil Wasserberg gebracht sah, erhob sich ein Sturm der Entrüstung. Daraufhin besserte das zuständige Unternehmen Regiobus etwas nach, so fährt nun auch die Linie A zum Seilerberg.

Vom Betriebsablauf her, berichtete Henning Schmidt von Regiobus, klappten all die Umstellungen wie am Schnürchen. Die Fahrer kamen mit den neuen Linienführungen gut zurecht, so Schmidt. Er weiß aber auch, dass die Situation für viele Fahrgäste noch eine Herausforderung darstellt. "Nach der Theorie kommt nun die Praxis", sagte der Regiobus-Mann. Es werde noch etwas dauern, bis die Leute mit den geänderten Linien so selbstverständlich klarkommen wie mit den bisherigen, ist sich Schmidt bewusst. Aber Regiobus setzt darauf, dass es eines Tages soweit ist. Schließlich sollen die Änderungen den Nahverkehr in Freiberg ja verbessern, etwa übersichtlicher machen.

Brigitte Löwe fährt täglich zum Friedhof. Bislang nahm sie die LinieD vom Forstweg. Gestern Mittag fuhr sie erst mal mit der Linie A zum Busbahnhof. "Die D zum Friedhof ist gerade weg. Ich muss jetzt, naja, gut 20 Minuten auf die nächste D warten", erzählt sie. "Der Anschluss passt überhaupt nicht", ärgert sie sich. "Hier schimpfen alle, ob jung oder alt. Früher ging es um Krankheiten, heute um den Bus." Vielleicht kaufen manche nun keine Monatskarte mehr, sondern steigen doch wieder ins Auto, vermutet sie. "Aber die Busfahrer, die sind sehr nett", betont sie.

Ilona Wolf, 60, fährt regelmäßig mit Linie B von Zug nach Freiberg. "Ich habe es jetzt ein wenig besser: Vor meiner Tür hält der Bus nun jede halbe Stunde. Vorher war es jede Stunde", erzählt sie. "Aber die Seilerberger trifft es sehr schwer. Das verstehe ich nicht."

Rudolf Lucas stützt sich am Bussteig 1 auf seinen Stock: "Ich bin 90, meine Frau 92, wir sind auf den Bus angewiesen." Dass die Verbindung vom Seilerberg zum Kaufland am Häuersteig wegfällt, "geht gar nicht", schimpft er. "Man kann uns nicht zumuten, von der Müntzer-Straße zur Brander Straße zu laufen." Es gehe nicht nur ums Einkaufen. "Wir wollen mal raus, was sehen, was erleben." Sarah Meyer nimmt morgens den Bus der Linie C, um zur Schule zu fahren. "Der fährt zwar jetzt öfter, aber ich muss morgens 15 Minuten eher aufstehen", moniert sie.

Astrid Klemm, 51, fährt regelmäßig mit Linie F. Dann stieg sie bisher in die Linie E um. "Man muss sich reinfinden. Ich bin es gewohnt, Bus zu fahren." Sie fragt sich nur, warum ausgerechnet im Winterhalbjahr der Fahrplan umgestellt werden musste. "Das wäre im Sommer für alle einfacher gewesen." Wenn sie nun einen Bus verpasse, muss sie eine halbe Stunde in der Kälte warten. Vorher sei es eine viertel Stunde gewesen.

Im Mobilitätszentrum am Wernerplatz hatten gestern Vormittag an die 100 Fahrgäste nach verschiedenen Verbindungen gefragt. "Eigentlich ist es ziemlich gut angelaufen, ich bin positiv überrascht", sagt Servicemitarbeiter Marco Bemme. Viele Leute seien gut vorbereitet. Ein bisschen Verwirrung anfangs sei normal. Kollegin Manuela Stark erzählt, dass sie im Vorfeld die Pläne studiert habe. "Vom Unternehmen wurden wir gut vorbereitet." Zwischen 7.30 Uhr und 12 Uhr sei gestern alles gut gelaufen. "Im Großen und Ganzen haben wir sachlich diskutiert." Letzte Woche war das nicht immer so. Die Servicemitarbeiter setzten einen Fahrgast vor die Tür. "Wir sind auch Menschen", sagt Manuela Stark. "Wir müssen uns nicht anbrüllen lassen." (mit fhob)

Im Netz: Zu einer Übersicht über die neuen Stadtlinien und Fahrpläne gelangen Sie über den Link freiepresse.de/regiobus.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    0
    Februar
    11.12.2018

    Die neuen Buslinien entsprechen nicht den Bedürfnissen der Benutzer.Fahrpläne sind eine Herausforderung z.B.fährt die Linie A nun von der Karl- Kegel- Str./ Forstweg ab ,oder vom Forstweg unten. Viele merken jetzt auch erst, dass man vom Wasserberg die Einkaufsmärkte Aldi, Penny und Lidl nicht erreicht. Ein Fremder findet sich gleich gar nicht zu recht. Die Verantwortlichen sollten zügig ihre Hausaufgaben machen und Änderungen herbei führen.Die Menschen sind gezwungen aufs Auto zurück zu greifen. Verbessern wir damit unsere Luft. Freiberg geht rießen Schritte zurück.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...