Umfrage: Was haben Sie von Ihrem Begrüßungsgeld gekauft?

Von Schokolade bis Kaminuhr: Ganz unterschiedliche Wünsche haben sich die Mittelsachsen von den 100 D-Mark erfüllt

Knight-Rider-Kassette

Matthias Höfer, Flöha: Zum Zeitpunkt des Mauerfalls war ich noch Schüler. Die politische Tragweite habe ich als Zehnjähriger nicht kapiert. Dass etwas ganz besonderes im Gange war, hat man an den Reaktionen der Erwachsenen allerdings mitbekommen. Aber an die gemeinsame Fahrt mit den Eltern nach West-Berlin erinnere ich mich. Sollte ich doch etwas längst Begehrtes erhalten: ein Kassettendeck mit Radio, und - ganz wichtig - eine Knight-Rider-Kassette. Eine große Sache für mich. Diese Fernsehserie im Westen war absolut, und wir Ossis waren scharf auf das Thema. (hy)


Joghurt und Schokolade

Brigitte Zimmermann, Hartha: Unsere erste Westreise startete wenige Tage nach dem Mauerfall. Mit dem Bruder ging es über Hof nach Bayreuth. Unvergessen bleiben zunächst die rammelvollen Züge. An unserer kleinen Station Frankenstein sind wir erst gar nicht mit reingekommen. Und selbst von Freiberg aus war es eine Odyssee, Stehplatz in knackvollem Abteil beziehungsweise Sitzen auf dem Fußbodengang. Das Begrüßungsgeld habe ich sofort in Konsumartikel umgesetzt. Im Rucksack landeten auch Joghurt und Schokolade, mein Bruder kaufte eine Stereoanlage. (hy)


Moderne Hi-Fi-Anlage

Heidemarie Glöckner, Brand-Erbisdorf: "Ich kann mich sehr genau daran erinnern, wann, wie und wo ich das Begrüßungsgeld in Empfang genommen habe: Das war im oberfränkischen Ort Selb", erzählt sie. "Wir sind nicht gleich am 10. November los, sondern haben uns ein paar Tage Zeit gelassen, bis wir über die innerdeutsche Grenze gefahren sind." Natürlich mit dem Trabi, der mit fünf Personen voll besetzt war. Gekauft wurde gemeinsam eine Hi-Fi-Anlage. "So eine mit allem Drum und Dran: Schallplattenspieler, Kassettendeck, Tuner und Radioteil." Die habe auch zehn Jahre durchgehalten. (wjo)


Kaminuhr unter Glasglocke

Gerd Klemm, Weißenborn: "Mit Trabi und Familie ging es nach der Maueröffnung los", erinnert sich der Hobbyfotograf. "Und natürlich fuhren wir nach Hof." Das war die am schnellsten erreichbare Stadt auf der anderen Seite der Grenze. Lange Autoschlangen an den Übergängen und an den Banken und Ausgabestellen erwarteten die Besucher. Von den 100 D-Mark habe er sich eine Kaminuhr unter einer Glasglocke gekauft. "Der Verkäufer sagte damals, man solle Glas nehmen, weil das besser wäre als Kunststoff. Und was soll ich sagen: Sie funktioniert heute noch." (wjo)


Klamotten für die Kinder

Frank Brendler, Langenau: Sein Begrüßungsgeld holte er sich viel eher ab als die meisten Ostdeutschen. "Ich hatte das Glück, im August zu einer Besuchsreise über die Grenze zu dürfen", erzählt der Mitarbeiter der Brander Stadtverwaltung. Von den 100 D-Mark für jeden, der aus der DDR kam, wusste er zunächst gar nichts. "Freunde haben mich erst darauf aufmerksam gemacht." In Leverkusen holte er das Geld dann ab. Was er davon gekauft hat? "Das weiß ich gar nicht mehr. Wahrscheinlich Klamotten für die Kinder." Aus denen dürften seine Nachkommen mittlerweile herausgewachsen sein. (wjo)

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