Untermarkt löchrig wie ein Käse

Werden in Freiberg Plätze und Straßen saniert, kommt es oft zu Überraschungen: Denn das Erbe des Bergbaus ist allgegenwärtig.

Freiberg.

Probleme auf der Baustelle am Freiberger Untermarkt: An zwei Stellen sind Bergbauschäden aufgetreten. Und zwar im westlichen Teil des Platzes unmittelbar am Werner-Bau der Bergakademie. Hier wurde der Familienschacht freigelegt, in den Alexander von Humboldt im Juli 1791 und damit wenige Wochen nach seiner Ankunft in Freiberg eingefahren war. "Die Maßnahme hat einen größeren Umfang", erklärt Baubürgermeister Holger Reuter (CDU). OB Sven Krüger ergänzt: "Freiberg ist löchrig wie ein Schweizer Käse." Es müsse bei Arbeiten an Plätzen und Straßen daher immer mit Bergschäden gerechnet werden.

Zudem legten Arbeiter am Eckhaus zur Geschwister-Scholl-Straße eine bis dato unbekannte bergbauliche Anlage frei. Der Hohlraum ist bis zu 1,2 Meter breit, knapp 3,5 Meter lang und gut 2,2 Meter hoch. Dieser Schacht, vermutlich ein Lichtloch, dürfte jedoch geringere Schwierigkeiten als der Familienschacht bereiten. Er soll laut Reuter aufgewallt und danach verfüllt werden. Genauso soll beim Familienschacht verfahren werden. Die Dimensionen sind andere: Er führt auf einer Länge von 28 Metern zum Hermser Stolln und setzt sich danach bis zum Alten Fürstenstolln fort. Die Teufe: annähernd 50 Meter. Was erschwerend hinzukommt: Der Schacht ist fast senkrecht. Allein die Erkundung und Sicherung der beiden Schächte in Regie des Oberbergamts könnte, wie Baubürgermeister Reuter erklärt, bis in die erste Jahreshälfte 2019 hinein andauern.

Um den Zeitplan der gut 1,6 Millionen Euro teuren Sanierung des Untermarkts zu halten, sollen einige für dieses Jahr vorgesehene Arbeiten verschoben und für das kommende Jahr geplante Maßnahmen vorgezogen werden. So soll schon jetzt ein Sammelkanal erneuert werden. Die Kanalanschlüsse und die Wasserleitung werden ebenfalls modernisiert. Auch Gas-, Strom- und Telefonleitungen werden - sofern möglich - bereits 2018 neu verlegt. Vor Wintereinbruch soll die Untergasse soweit hergerichtet sein, dass sie dank eines Provisoriums befahrbar ist. Am Untermarkt wird dies nach Einschätzungen von Reuter vermutlich nicht möglich sein.

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