Wald und Wild in Zeiten der Trockenheit

Fehlt das Wasser für den ohnehin gestressten Wald im Sommer erneut, hat das auch Folgen für die Tiere. Sie plagt nicht nur Durst.

Brand-Erbisdorf.

Forstfachleute sind sich einig: Sollte es 2019 eine weitere Dürresituation mit ähnlich hohen Temperaturen wie 2018 geben, "wären gravierende Auswirkungen für den Wald und das Wild zu befürchten", bringt es Ingo Reinhold, Leiter des Forstbezirkes Marienberg, auf den Punkt.

Zwar seien die Ausgangsbedingungen für die hiesige Vegetation durch Bodentrockenheit noch nicht so gravierend wie in anderen Regionen, aber Regen in den nächsten Monaten sei das A und O. "Sonst geht es an die physiologische Kondition der Bäume - besonders der Nadelbäume, die an das feucht-kühle Mittelgebirgsklima angepasst sind", so Ingo Reinhold. Würde der Wasserstrom von den Wurzeln in die Nadeln unterbrochen, könnten ganze Nadeljahrgänge vertrocknen und abgeworfen werden, erklärt er. Die Bäume könnten weniger Holz und auch kein Harz mehr bilden. "Eine vitale Fichte wehrt mit Harz den Anflug von Borkenkäfern ab, indem sie die Bohrlöcher damit verschließt und so verhindert, dass die Käfer Eier ablegen und Larven bilden", sagt der Forstmann. Bei anhaltender Trockenheit wären die Fichten dem Angriff von Borkenkäfern somit schutzlos ausgeliefert.

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Ein weiteres Problem bei erneuter Trockenheit wäre das viele, durch Schnee- und Sturmbruch im Wald liegende Holz, das nicht schnell genug aufgearbeitet werden könne, weil die Kapazitäten nicht ausreichten. Das Horrorszenario: ein großflächiges Absterben von Fichtenwäldern und als Folge ausgedehnte Kahlflächen. "Damit würden zugleich Wildtiere Deckungsraum verlieren, die Pflanzenfresser ihre Nahrungsgrundlage", sagt Reinhold. Doch das heimische Wild habe über Jahrtausende "gelernt", kurzfristige Extremsituationen zu überleben. Es verändere seinen Biorhythmus. Für Jungwild könne es aber schlimme Auswirkungen haben, wenn Muttertiere wegen Nahrungsknappheit nicht genügend Milch geben.

Ganz oben steht für den Forst somit schnelles Aufarbeiten des Schadholzes und Früherkennung von frischbefallenem Käferholz. "Daran setzen wir alles", so Reinhold. Unterstützung benötigten auch private Waldbesitzer. "Unsere Revierförster beraten zunehmend."

Doch nicht nur Wildtiere wären - bei erneuter Trockenheit - gestresst. Auch für Katze und Co. sollte laut dem Freiberger Tierheim in solchen Phasen ausreichend frisches Wasser bereitstehen. Schattige Plätze im Haus oder Grundstück dürften ebenso nicht fehlen, sagt die stellvertretende Tierheimchefin Heike Wolff. "Und Tiere, die gerne baden, sollten die Möglichkeit bekommen", fügt sie an.

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