Was macht die olympische Fackel in Brand?

Olympia war gestern das Thema in der Sporthalle des Cotta-Gymnasiums. Wie es sich anfühlt, mit verbundenen Augen Tore zu werfen, war dabei eine der neuen Erfahrungen für die Schüler.

Brand-Erbisdorf.

Die olympische Fackel zu tragen und damit die olympische Flamme zu entzünden, ist die höchste Ehre für einen Sportler. Die Original-Fackel, mit der der brasilianische Marathonläufer Vanderlei de Lima das Feuer bei den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro entzündete, konnten Schüler des Bernhard-von-Cotta-Gymnasiums in Brand-Erbisdorf gestern selbst einmal in die Hand nehmen.

Mitgebracht hatte sie Robert Holtz. Er leitet das Bundesprojekt "Olympia ruft: Mach mit!" der Deutschen Olympischen Akademie (DOA) in Frankfurt/Main. Sein fünfköpfiges Team machte gestern in Brand-Erbisdorf Station. "Das passt sehr gut, weil Olympia ein Schwerpunktthema im Lehrplan Klasse 9 ist", sagt Sportlehrerin Viola Weidemann. Rund 40 Schüler und Schülerinnen des sportlichen Profils haben die erste Doppelstunde Sport genutzt, um Quizfragen zu beantworten, jeweils in einem Zehnerteam einen sogenannten Fröbelturm zu errichten und Goalball zu spielen. Im Laufe des Vormittags hatten noch mehr Schüler Gelegenheit dazu.

Goalball ist eine Ballsportart für Menschen mit Sehbehinderung. Dabei muss ein 1,2 Kilo schwerer Klingelball ins gegnerische Tor geworfen werden. Seit 1976 wird Goalball bei den Paralympischen Spielen gespielt. Die Schüler haben das getestet und mit verbundenen Augen nachempfinden können, wie es sich anfühlt, blind Sport zu treiben.

"Es hat richtig Spaß gemacht, weil man nicht wie gewohnt sehen kann, sondern sich auf den Hörsinn verlassen muss", schilderte der 14-Jährige Joel Schlegel. Mitschüler Johann Lange räumte aber auch ein: "Man fühlt sich eingeschränkt, weil man nichts sieht. Einmal habe ich den Ball gegen den Bauch bekommen. Das kam schon überraschend." "Man muss sich auf die anderen verlassen", ergänzte Mitschüler Kalle Kretzschmar. Während die Jungen relativ schnell ins Spiel fanden, begannen die Mädchen eher zaghaft; nach und nach wurden die Würfe aber präziser. "Es ist erstaunlich, wie das doch funktioniert", sagte die 15-jährige Klara Bieler.

Kommunikation, Vertrauen, Spaß, Geduld, Teamgeist und Fairplay sind Aspekte, die nicht nur beim Goalball, sondern für jegliche Teamarbeit - auch im Klassenzimmer - wichtig sind. Olympische Werte zu vermitteln und das Selbstbewusstsein der Kinder zu stärken, ist Ziel der Akademie.

Sportlehrer Andreas Bolomsky beobachtete die Aktionen, "vielleicht können wir davon etwas in den Projektunterricht übernehmen." Seit circa 15 Jahren gibt es am Gymnasium Brand-Erbisdorf das sportliche Profil für Schüler der Klasse 8 bis 10. "Die Schüler müssen nicht sportlich, sondern sollten sportlich interessiert sein", erläuterte Bolomsky. Die Nachfrage sei kon-stant hoch. Dieses Schuljahr gibt es erstmals zwei Sportprofilgruppen, sagt Viola Weidemann. Ein Unterschied zum normalen Sportunterricht: Mädchen und Jungen haben gemeinsam Unterricht. "Für die Mädchen ist der Ansporn größer, wenn Jungs dabei sind. Und die Jungs spielen fairer, wenn Mädchen dabei sind. Das funktioniert unerwartet gut", erzählte sie von ihren Beobachtungen.

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