Weite Wege, unterschiedliche Interessen

10 Jahre Mittelsachsen Kreissportbund-Präsident Volker Dietzmann über Herausforderungen und Erfolge

Freiberg.

Fast 50.000 Mittelsachsen treiben organisiert Sport. Aus drei mach eins: Die Kreissportverbände aus Freiberg, Mittweida und Döbeln wurden vor zehn Jahren zum Kreissportbund Mittelsachsen. Warum diese Vereinigung sehr gut war, aber noch immer zu Problemen führt, sagt KSB-Präsident Volker Dietzmann im Interview mit Thomas Reibetanz.

Freie Presse: Herr Dietzmann - zehn Jahre Mittelsachsen heißt auch zehn Jahre Kreissportbund Mittelsachsen. Eine Erfolgs geschichte?

Volker Dietzmann: Im Großen und Ganzen kann man es schon als Erfolgsgeschichte beschreiben. Denn wir waren vorbereitet. Wir wussten, dass mit der Kreisreform auch die Zusammenlegung der Sportverbände aus Freiberg, Mittweida und Döbeln kommen muss. Der Landessportbund schreibt vor, dass ein Kreissportbund auch der politischen Gliederung eines Landkreises entsprechen muss. Wir haben trotz aller Unterschiede sehr gut zueinandergefunden.

Was waren die Unterschiede?

In erster Linie die Art der finanziellen Förderung. In Mittweida wurde zum Beispiel eine Pauschale pro Mitglied an die Vereine gezahlt. Das hieß, dass beispielsweise eine Frau, die rein hobbymäßig Gymnastik betreibt, die gleiche Fördersumme bekam wie ein Kanute, der es zu den Europameisterschaften geschafft hat. Das war nicht fair. In Freiberg hingegen gab es Richtlinien, nach denen gefördert wurde. Diese Verfahrensweise wird jetzt im gesamten Landkreis angewandt.

Und die Gemeinsamkeiten?

Gemeinsam haben alle Verbände, dass es überall viel ehrenamtliches Engagement in den Vereinen gab. Das ist auch so geblieben, das kann gar nicht oft genug anerkannt und auch gewürdigt werden. Wo wir aber schon bei einem der Probleme wären, welche diese Zusammenlegung mit sich gebracht hat. Denn wir können in diesem riesigen Kreis nicht immer und überall sein, um zum Beispiel Ehrennadeln persönlich zu überreichen.

Bestehen denn die Vereine auf die Anwesenheit des Kreissportbund-Präsidenten bei Ehrungen?

Darum geht es weniger. Vielmehr geht es darum, dass wir als Kreisverband den Anspruch haben, derartige Leistungen angemessen zu würdigen - also auch Präsenz zu zeigen, den Kontakt zu den Vereinen zu pflegen. Wir schaffen es auch, dass immer einer unserer Vertreter vor Ort ist. Nicht selten bin ich das selbst, weil ich mich auch sehr für die Vereine interessiere. Allerdings ist dieser Posten ein Ehrenamt, ich habe einen anspruchsvollen Job und hätte gern auch etwas Privatleben. Und nicht selten kommt man von so einer Veranstaltung erst sehr spät zurück und hat im Gepäck noch einen Herzdrücker der Vereine, bei denen man war.

Also ist der Landkreis zu groß?

Wie in vielen anderen Bereichen auch zeigt sich im Sport, dass Mittelsachsen ein für viele Einwohner nur sehr schwer greifbares Gebiet ist. Die Wege sind weit, die Interessen in den einzelnen Regionen unterschiedlich. Während man im Norden des Kreises mal eben nach Leipzig zum Einkaufen fährt, ist man im Süden tief im Erzgebirge verwurzelt. Im Sport zeigt sich das bei unseren Aushängeschildern. In der Gegend um Sayda sind es die Skifahrer, in Döbeln die Taucher, in Lauenhain, Mittweida, Flöha die Kanuten - um nur einige zu nennen.

Die weiten Fahrwege sorgen nicht nur bei den Vereinen für Missstimmung. Auch die Fachverbände haben Probleme damit.

Richtig. Sogar noch mehr als in den Vereinen. Dort gibt es die regionale Verbundenheit, dort kennt man sich, dort hilft man gern. In den Fachverbänden allerdings ist es schon schwer, den passenden Ort für die Versammlung zu benennen, damit keiner der Teilnehmer zu weit fahren muss. Anderes Beispiel sind die Staffelleiter beim Fußball, die oft sehr weite Wege fahren, um sich ein Spiel anzuschauen. Das ist anspruchsvoll und schreckt manchen ab, ein solches Amt zu übernehmen. Für die Zukunft des Sports wird das Ehrenamt aber weiter wichtig sein.

Und die Probleme löst man wie?

Indem man die Menschen mit positiven Impulsen zum Ehrenamt bewegt. Aufwandsentschädigungen, Prämien oder ähnliches sind dort einige Ideen. Und wir brauchen auch sportliche Erfolge, über die man im ganzen Landkreis spricht.

Volker Dietzmann: Der 57-Jährige wuchs in Ohorn in der Lausitz auf, wohnt jetzt in Großschirma. Von 1989 bis 1997 spielte er bei der HSG Freiberg Handball. Anschließend war er bis 2009 als Trainer, unter anderem der Männermannschaft, bei der HSG tätig. Er arbeitet seit 2009 als persönlicher Referent des Landrates im Landratsamt Mittelsachsen, seit 2012 ist er ehrenamtlicher Präsident des Kreissportbundes. (tre)


Über 400 Sportvereine im Landkreis

Der Kreissportbund (KSB) Mittelsachsen ging im Jahr 2008 aus dem KSB Freiberg, dem KSB Mittweida und dem KSB Döbeln hervor. Das zehnjährige Bestehen wird am 27. Oktober im Wasserkraftwerk Mittweida gefeiert.

Zu Beginn dieses Jahres - immer dann werden die Zahlen erhoben - waren 46.316 Sportlerinnen und Sportler in 403 Sportvereinen unter dem Dach des KSB organisiert. Die größten Fachverbände stellen die Sportarten Fußball, Leichtathletik, Turnen, Handball, Schwimmen und Wintersport.

In der Geschäftsstelle des KSB in Freiberg kümmern sich sechs hauptamtliche und ein gutes Dutzend ehrenamtlicher Mitarbeiter um die Betreuung der Vereine. (tre)

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