Weiter Ärger mit dem Piepser

Das digitale Alarmierungssystem des Landkreises funktioniert immer noch nicht einwandfrei. Einige Feuerwehren haben nach Monaten der Kritik selbst andere Systeme besorgt.

Freiberg.

Buchstaben, Fragezeichen, Sonderzeichen - die Einsatzalarmierung, die die Freiwillige Feuerwehr Hartha am Donnerstag auf ihrem neuen Piepser erhalten hat, war schlicht nicht lesbar. Das berichtet Wehrleiter René Greif. Ein Ärgernis für die Kameraden, wenn sie nicht wissen, zu welchem Einsatz sie wohin gerufen werden. "Die Information wird vom digitalen Alarmierungssystem verschlüsselt gesendet, und der Pager soll sie entschlüsseln. Das klappte wieder nicht", so der Feuerwehrchef. Zum Glück seien die Kameraden nur zu einem kleinen Einsatz mit einer Brandmeldeanlage gerufen worden.

Der Ärger um die digitale Alarmierungstechnik, die der Landkreis 2017 eingeführt hat, schwelt weiter. Mehrere Wehren klagen über Mängel bei der Nutzung der Pager, auch Piepser genannt. Die Linken im Kreistag wollen sich das nicht länger angucken. Sie fordern den Kauf eines anderen Alarmierungssystems. "Es darf nicht sein, dass durch ein nicht funktionierendes Alarmierungssystem Menschenleben und Sachwerte einer Gefahr ausgesetzt werden", heißt es im Antrag, den die Fraktion am Mittwoch im Kreistag einbringen will. Die Geduld der Wehren sei zu Ende. So hätten sich einige Orte selbst andere Alarmierungssysteme angeschafft.

Die Harthaer nutzen laut Wehrleiter eine alternative Alarmierung zusätzlich zu den Pagern. "Wir haben ein Programm, bei dem jeder eine SMS bekommt." Auf ein ähnliches Alarmierungsprogramm setzt Waldheim. "Viele Kameraden lassen den Pager zu Hause und nutzen nur noch eine App auf dem Handy", sagt Ordnungsamtsleiterin Mandy Thümer. Mit dem Programm, das eine Dresdener Firma entwickelt hat, sei man zufrieden. In der Stadt sei es beim offiziellen digitalen Kreis-Alarmierungssystem hingegen oft zu Ausfällen gekommen. Dann habe der Stadtrat Geld für ein anderes System bewilligt.

Die Freiwillige Feuerwehr Freiberg nutzt laut Holger Reuter, Bürgermeister für Stadtentwicklung und Bauwesen, grundsätzlich das offizielle Alarmierungssystem des Landkreises. Zusätzlich gibt es in der Stadt aber ebenfalls das Handyprogramm der Dresdener Firma. Es wurde 2015 angeschafft. Die Kosten trug die Stadt. "Im Rahmen der Umstellung und Vereinheitlichung der digitalen Alarmierung im Landkreis war eine Ersatzbeschaffung von Meldern unwirtschaftlich", so Reuter. "Um den vorübergehenden Mangel an Meldeempfängern zu kompensieren, wurde die Handyalarmierung eingeführt."

Dass mehrere Wehren Alarmierungsdienste auf dem Handy nutzen, wissen die Verantwortlichen im Landratsamt. "Der Landkreis weist darauf hin, dass dies kein verlässliches Mittel der Alarmierung ist und auch der Alarmierungsrichtlinie nicht entspricht", heißt es in einer Stellungnahme zum Antrag der Linksfraktion. Denn es könne passieren, dass Alarmierungen erst mit Zeitverzug bei den Feuerwehrleuten eingehen, je nachdem, ob Handynetz verfügbar ist. Der Anschaffung eines anderen Alarmierungssystems steht die Behörde kritisch gegenüber und empfiehlt den Kreisräten, den Linke-Antrag abzulehnen.

Allerdings räumt das Landratsamt Mängel ein. Aber Änderungen an Hardware und Software hätten den Empfang der Piepser verbessert. "Gemeinsam mit den Nutzern sind nunmehr Bereiche mit unzureichender Versorgungsqualität zu ermitteln", heißt es. Man weist aber daraufhin, dass es - ähnlich wie beim Handynetz - nicht garantiert werden kann, dass die Pager überall im Landkreis ununterbrochenen Empfang haben werden.

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1Kommentare
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  • 0
    1
    PassauF
    01.12.2018

    Wieder einmal ein Paradebeispiel des Wahrheitsgehaltes der Reden von MP Kretschmer zur Inneren Sicherheit in Sachen" Sachsen ist ein sicheres Land". Eine leichtsinnige, lebensgefährliche und trügerische Alarmierungssicherheit mit den Handynetzen. Haben die Verantwortlichen noch nicht erlebt, wie beispielsweise bei einem Brand eines Mehrfamilienhauses das Handynetz in der Umgebung zusammengebrochen ist oder bei Grossereignissen lange Zeit kein Handynetz funktionierte? Den Aufsichtsbehörden muß kräftig auf die Finger geklopft werden dass ein ordnungsgemäßes Alarmierungssystem funktioniert und solche Steuergeldverschwendungen und Risiken in den Kommunen unterbunden werden.



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