Lehrer: Wenn es nur 13 Bewerber für 81 Stellen gibt

Drei Wochen nach den Bewerberzahlen gibt das Kultusministerium preis, wie viele Stellen überhaupt besetzt werden sollen. Wo sind die größten Lücken?

Dresden.

Wenn nach den Sommerferien am 19. August das neue Schuljahr beginnt, wird vermutlich vor allem im Raum Chemnitz der eine oder andere dringend benötigte Lehrer fehlen. Zwar hatte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) vor drei Wochen angesichts der eingegangenen 1223 Bewerbungen von Lehrern mit einschlägiger Pädagogikausbildung schon vom Ende des "Negativtrends der vergangenen Jahre" gesprochen. Dass in manchen Regionen dennoch besonders große Lücken zu erwarten sind, zeigt der Vergleich mit der erst jetzt vorgelegten Zahl geplanter Einstellungen.

Demnach gibt es in ganz Südwestsachsen - das sind zwei der fünf Bezirke des Landesamts für Schule und Bildung (LaSuB) - lediglich für Gymnasien mehr Bewerber als Stellen: 60 für 10 Stellen in Zwickau und 46 für 19 Stellen in Chemnitz.

Bei allen anderen Schularten in Südwestsachsen ist das Verhältnis hingegen umgekehrt. Dort mangelt es an "passgenauen" Bewerbern. Die größte Lücke tut sich bei Oberschulen im LaSuB-Bezirk Chemnitz auf, wo nur 13 Bewerbungen für 81 Stellen vorliegen. Selbst für Grundschulen kann die Nachfrage (50 Bewerber) den Bedarf (87 Stellen) in Chemnitz nicht decken. Ähnlich sieht es in Zwickau und vor allem auch in Ostsachsen (Standort Bautzen) aus.

Sachsenweit dürfte damit nur die Besetzung der 123 Stellen an Gymnasien kein Problem werden - angesichts der landesweit mehr als 600 Bewerber für diese Schulart.

Als "Hauptproblem" bei der Stellenbesetzung hat das Kultusministerium nun ausgemacht, wie viele Gymnasiallehrer davon überzeugt werden können. "eventuell auch in einer anderen Schulart tätig zu sein".

Piwarz verspricht allen 1223 Lehrkräften ein Einstellungsangebot - für einen Großteil davon dürfte jedoch Region, Schulart oder sogar beides nicht dem eigentlichen Wunsch entsprechen. Ein Drittel der Bewerber kommt aus anderen Bundesländern, zwei Drittel aus Sachsen. Eine gewisse Abhilfe ist durch Seiteneinsteiger zu erwarten, von denen rund 200 ihre dreimonatige Einstiegsqualifizierung im Mai begonnen haben. Von den 150 schulscharf ausgeschriebenen Stellen blieben laut Ministerium 44 ohne einen einzigen Bewerber. Knapp 7000 Lehrkräfte sind in Sachsen inzwischen verbeamtet. Dazu zählen 4884 auf Probe, 753 Referendare sowie 1136 Schulleiter oder ihre Vize.

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6Kommentare
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    KarlChemnitz
    16.05.2019

    @OlafF: Ich fühle mich ein bisschen missverstanden. Ich zähle mich nämlich explizit nicht zu den Jammerern, ganz im Gegenteil: Ich finde, wir leben in einer Stadt mit einem hohen Maß an Lebensqualität. Das Image unserer Stadt wird dem aber leider keineswegs gerecht. Ich komme national und international ziemlich viel rum und ich erlebe immer wieder das gleiche: Wenn ich berichte, wo ich herkomme, muss ich mich meistens erstmal erklären, wie man denn bitteschön in Chemnitz leben kann, in dieser häßlichen, grauen und von Nazis beherrschten Stadt?! Wo immer ich kann, versuche ich das Image unserer Stadt gerade zu rücken. Fakt ist aber: Besonders für Uni-Absolventen, die sich jetzt überlegen, wo Sie ihre ganz persönliche Karriere starten, also sich damit auch entscheiden müssen, in welcher Stadt Sie sich ihr Leben aufbauen, steht unsere Stadt derzeit nun einmal nicht allzu hoch im Kurs (zu Unrecht). Und eine gaz entscheidende Ursache dafür sind nun einmal die Geschehnisse vom letzten Jahr (nicht nur !) Das hat nichts mit Jammern zu tun, das ist schlicht und ergreifend eine Tatsache. Die Frage ist jetzt: Wie vermitteln wir den Ortsfremden (aber eben auch den vielen Chemnitzern): Hey, wir leben in einer tollen Stadt: Mit unbegrenzten Freiräumen, einem tollen Kulturangebot, umgeben von einer richtig geilen Landschaft, einer hervorragend ausgebauten Infrastruktur im Hinblick auf Kitas, Schulen, Uni etc.. Das ist eine der größten Herausforderungen, vor der wir alle im Augenblick stehen. Darum meine Bitte an alle, die hier in den Kommentaren schmökern: Wir sind die Stadt! Wir haben es in der Hand, ein anderes, farbenfrohes und positives Bild unserer Stadt zu malen. Deswegen auch hier im Forum: Anstatt verbaler Schusswechsel endlich Schulterschluss!

  • 5
    1
    OlafF
    16.05.2019

    Karl@...Ihre Sicht in allen Ehren. Aber glauben Sie wirklich , dass man den Lehrermangel nun auch noch auf die Ereignisse in und um den Tummelplatz der politisch und medial ausgeschlachteten Ereignisse schieben kann? Ja, das Sächsische Manchester ist alt geworden. Die Jugendlichen sind weggegangen, weil es zu wenige Ausbildungs- und Arbeitsplätze gab. Ganze Industriezweige brachen hier weg und der Strukturwandel brachte viele Schwierigkeiten. Viele blieben in den alten Bundesländern oder in Dresden und Leipzig, weil es in DD Neustadt und Leipzig CITY cooler zugeht als an der Zenti in Chemnitz. Aber immer das Gejammer. Schauen Sie sich doch einmal um, was alles entstanden ist und noch entsteht. Waren sie schon mal am Campus oder auf den anderen Baustellen des neuen UNI-Komplexes. Dort liegt die Zukunft und viele wissen es noch nicht. Wir haben hier Chancen, um die uns andere beneiden: Bezahlbare komunale Wohnungen, Industriebrachen welche als Bauland genutzt werden können, eine etablierete Kunst und Kulturszene, einen Hyde-Park der von der Innenstatt bis ins Heckert-Gebiet reicht. Vieleicht sollten wir aufhören uns mit Leipzig und Dresden zu vergleichen. Auch Berlin ist nun einmal Berlin. Hier ticken die Uhren etwas langsamer und viele richtigen Großstadtmenschen beneiden uns um unsere Ruhe und Gelassenheit (Wenn man uns in Ruhe lässt).Nehmen Sie doch bitte einmal ihre politischen Scheuklappen ab und schlendern Sie die Chemnitz entlang...

  • 4
    2
    kw05b5chns
    16.05.2019

    Das klingt so niedlich: "der eine oder andere Lehrer wird in Chemnitz fehlen"...150 fehlende Lehrer x 41 Wochen (Ferien sind schon abgezogen) mal 26 Wochenunterrichtsstunden = 159.900 Unterrichtsstunden die im neuen Schuljahr, Stand Heute, für Chemnitzer Schüler nicht abgesichert sind.
    Wann schreien denn endlich Alle gemeinsam auf!
    Die CDU und SPD könnten das im Landtag sofort ändern - für Chemnitz.

  • 2
    10
    KarlChemnitz
    16.05.2019

    Aus meiner Sicht ist das unter anderem eine der unmittelbaren Auswirkungen der Ereignisse vom Sommer es letzten Jahres. Das Image unserer Stadt ist mittlerweile so was vom im Arsch, insbesondere im Vergleich mit Dresden und Leipzig. Dafür dürfen wir uns zu allererst bei unseren destruktiven Wutbürgern bedanken. Leider ist das aber nur der Anfang: Schon heute gibt es in vilen Unternehmen unserer Stadt ein riesengroßes Problem, Bewerber davon zu überzeugen, in dieser grauen und braunen Stadt Ihre berufliche Zukunft zub starten. Zum Heulen.

  • 3
    1
    FMR
    16.05.2019

    https://www.fdp-chemnitz.de/2019/05/08/offener-brief-an-die-saechsische-staatsregierung/

  • 10
    2
    vomdorf
    16.05.2019

    Liebe Freie Presse, bitte fragt doch mal im LaSuB was in zwei Jahren passiert, wenn hunderte Lehrer in Rente gehen....dann wird es nämlich richtig schlimm, da sind die paar fehlenden Lehrer jetzt gar nichts.

    Auch Seiteneinsteiger werden es nicht richten, weil die meist nicht das Händchen für Kinder haben und die Disziplin in deren Stunden ein Fremdwort ist.
    Eine Lösung hab ich auch nicht, aber in Wirklichkeit ist eben alles noch viel schlimmer, als es offen zugegeben wird.



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