Was Sachsens Schüler anstelle von Kopfnoten wollen

Kurz vor der Wahl legt der Landesschülerrat einen Forderungskatalog an die Landespolitik vor - mit einer ganzen Menge Ideen.

Dresden.

Wie wichtig Sachsens oberster Schülervertretung das Anliegen ist, lässt sich bereits der Titelseite der Broschüre entnehmen. "#Ernsthaftundkonstruktiv", heißt es dort zu den bildungspolitischen Forderungen, die der Landesschülerrat gut zwei Wochen vor der Wahl an den nächsten Landtag und die neue Staatsregierung richtet. Ein durchaus passender Zeitpunkt für eine Vorschlagsliste, mit der das Gremium Einfluss nehmen will - als "Sprachrohr der Basis", erklärt Landesschülersprecher Noah Wehn.

Er spricht zugleich von einer "realistischen Agenda" und "echten Empfehlungen zum Handeln", die innerhalb der nächsten fünf Jahre umgesetzt werden könnten. Obwohl der Landesschülerrat ausdrücklich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, finden sich in dem Papier stolze 36 Ideen.

Dazu gehört beispielsweise die Unterstützung des Volksantrags für Gemeinschaftsschule, dessen Unterschriften vom Bündnis für längeres gemeinsames Lernen an diesem Freitag an Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) übergeben werden - der Landesschülerrat nennt die Gemeinschaftsschule eine sinnvolle Ergänzung und eine "Bereicherung" des bisherigen Schulsystems, die niemandem aufgezwungen werden solle und gerade für den ländlichen Raum eine Chance sein könne.

Vorgeschlagen wird zudem auch ein neuer Umgang mit Kopfnoten. "Wir fordern die neue Staatsregierung auf, die Kopfnoten in jetziger Form abzuschaffen", heißt es im Papier. Zur Begründung wird angegeben, dass die bisherigen vier Noten für Betragen, Fleiß, Mitarbeit und Ordnung "nicht aussagekräftig genug" seien: "Das gesamte System der Bewertung beruht größtenteils auf subjektiven Einschätzungen der Lehrkräfte, einen objektiven Bewertungsmaßstab gibt es nicht."

Besser wäre es aus Sicht des Landesschülerrates, die bisherigen Kopfnoten entweder durch eine "verpflichtend zu verfassende schriftliche Bewertung" zu ersetzen - oder aber durch neue Kategorien wie beispielsweise für "soziales Engagement". Eine abschließende Position, für welche Kompetenzen der Landesschülerrat Kopfnoten akzeptieren würde, gebe es aber noch nicht, fügte Wehn hinzu.

Priorität haben für den Landesschülerrat Schaffung und Ausbau einer digitalen Infrastruktur an Sachsens Schulen. "Wenn Lehrer nur Overheadprojektoren in der Klasse haben, haben sie auch einfach keine Lust, digitale Unterrichtsformate zu erproben", sagt Wehn. Bis 2024 sollten alle Oberschulen und Gymnasien über Internetanschlüsse mit einer Mindestgeschwindigkeit von 200 Megabit pro Sekunde verfügen.

Zudem schlägt die Schülervertretung ein "Haltbarkeitsdatum" für die häufig veraltete Technik vor: "Die in Schulen verwendete Hard- und Software soll zwingend alle fünf Jahre auf ihre Aktualität geprüft werden müssen", heißt es im Papier. Damit für Schüler an den eigenen Tablets oder anderen digitalen Endgeräten Medienkompetenz erlernbar wird, sollen die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden.

Für nötig hält der Landesschülerrat auch Nachbesserungen, um Schülern überall ein gesundes, nahrhaftes und hochwertiges Mittagessen zu garantieren. Dazu müsse es statt des bisherigen Preis- einen "Qualitätswettbewerb" der Essensanbieter geben - wofür die Schülervertretung einen sachsenweit einheitlichen Festpreis unter finanzieller Beteiligung des Freistaats vorschlägt. Diese wäre aus Schülerssicht auch für ein sachsenweit gültiges Bildungsticket vonnöten, dessen von den Eltern getragener Eigenanteil maximal 20 Euro betragen solle.

Auch für die Beseitigung des Lehrermangels unterbreitet der Landesschülerrat Vorschläge. Wer sich als Lehramtsstudent bereit erklärt, nach dem Referendariat fünf Jahre in eine Bedarfsregion zu gehen, solle monatlich nicht erst im Vorbereitungsdienst den neuen 1000-Euro-Sonderzuschlag erhalten, sondern auch schon im Studium 300 Euro.


GEW: Ab 2025/26 werden Schülerzahlen langsam wieder sinken

Auch für das kommende Schuljahr befürchtet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Unterrichtsausfall in vielen Regionen. "Sachsen geht mit Lehrermangel ins neue Schuljahr, er ist an vielen Stellen unverändert, an manchen eher größer", sagte GEW-Landeschefin Uschi Kruse am Mittwoch in Dresden. Zugleich warnte sie vor regionalen Ungerechtigkeiten bei der Lehrerversorgung. Dazu trage auch die "großstädtische Perspektive" der Landespolitik bei. Nötig sei ein realistisches Bild über die Situation in allen Schularten und Regionen. Zwar könne durch die verbesserte Vergütung an Grundschulen der Lehrerbedarf wohl zu 90 Prozent gedeckt werden. An Ober- und Förderschulen sei die Lage indes besorgniserregend, an beiden Schularten hätten nur jeweils etwa 60 Prozent der ausgeschriebenen Stellen besetzt werden können.

Kruse forderte ein über die nächste Legislaturperiode hinausreichendes Personalentwicklungskonzept der Regierung: "Die Schülerzahlen werden ab 2025/2026 langsam sinken." Dieses Schuljahr gebe es gut 6000 Schüler mehr als 2018/19. Kultusminister Christian Piwarz (CDU) will am Donnerstag die Anzahl neu eingestellter Lehrer bekanntgeben. Gesucht waren Pädagogen für 1100 Stellen. tz/dpa

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8Kommentare
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  • 4
    1
    vomdorf
    16.08.2019

    Gendertoilette geht einfach....muss nur das richtige Schild an die Tür:-)))

    Was viele sicher über die sog. Digitalisierung nicht wissen: das Geld gibt es nur für die Geräte, also Hardware. Für Software sind dann die Kommunen zuständig.Das heißt, es kommen Folgekosten, die noch noch nicht absehbar sind, wenn das ganze Zeug möglichst lange funktionieren soll. Und da hier, wie überall im öffentlichen Bereich, das Billigste genommen werden muss darf man gespannt sein, wie das in einigen Jahren aussieht.

  • 4
    2
    sunhiller
    15.08.2019

    Bevor in Sachsen alle Schulen voll digitalisiert sind,
    hat jede Schule seine Gendertoilette, jede Wette !!!

  • 3
    4
    Zeitungss
    15.08.2019

    @Blackadder: Nein Danke. In meinem anfangs verirrten Beitrag dachte ich eher an die Reisebegleitung durch die Grünenspitze mit der schwedischen Umweltverbesserin, was zur Folge hätte, dass die nächsten Verbote ohne Alternative auf sich warten lassen. So war es gemeint. Es geht gelegentlich auch einmal etwas daneben.

  • 3
    7
    Blackadder
    15.08.2019

    @Zeitungss: Wenn Sie sich so für die grüne Führungsspitze interessieren, empfehle ich Ihnen heute Abend 18:30 Uhr den Nischel.

  • 1
    3
    Zeitungss
    15.08.2019

    Oh, meine Zeilen sind wohl etwas verkehrt angekommen, was sicherlich an mir lag. Er sollte zum Thema Segelboot für unsere schwedische Umweltvertreterin gedacht sein. Ich bitte um Vergebung.

  • 1
    6
    Zeitungss
    15.08.2019

    Für die grüne Führungsspitze war wohl kein Platz?

  • 7
    3
    Distelblüte
    15.08.2019

    Die Artikelüberschrift funktioniert als Clickbait hervorragend. Ich hoffe, dass dabei die anderen Forderungen des Landesschülerrats nicht untergehen, etwa die nach längerem gemeinsamem Lernen, einer technischen Ausstattung aler Schulen, die digitales Lehren und Lernen ermöglicht und der Forderung, beim Schulessen nicht den preiswertesten Anbieter zu nehmen, sondern Qualität als Maßstab zu nehmen. Dies wäre neben der praktischen Konsequenz einer gesunden Schulspeisung gleichzeitig ein Signal, nicht mehr die 'Geiz ist geil'-Mentalität zu pflegen.

  • 15
    6
    BlackSheep
    15.08.2019

    Wie sagte schon Frank Rosin, in anderem Zusammenhang, aber sehr treffend "Kinder wissen nicht was gut für Sie ist"



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