Wirtschaft regional
Online-Voting für Gründerpreis "Sachsen gründet - Start-up 2023"

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Sechs Finalisten hat die Jury des Wettbewerbs "Sachsens Unternehmer:in des Jahres" für den Sonderpreis "Sachsen gründet - Start-up 2023" ausgewählt. Der Sieger wird in einer Online-Abstimmung und live bei der Gala in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden ermittelt.

Chemnitz.

Die sechs Kandidaten für den Preis "Sachsen gründet - Start-up 2023" stehen fest und werden hier vorgestellt. Der Sieger erhält ein Media-Budget im Wert von 60.000 Euro, das dem jungen Unternehmen zu mehr Öffentlichkeit verhelfen soll.

Auch in diesem Jahr wird es ein Online-Voting zur Abstimmung über Sachsens beste Gründer geben. Voting-Start ist am Freitag, 28. April .2023 um 0:00 Uhr. Bis zum Sonntag, dem 7. Mai, 24 Uhr, kann im Netz abgestimmt werden.

Wie in den Jahren zuvor stellen sich die von der Jury für das Finale nominierten Gründer im Internet in kurzen Videoclips vor. Dabei bleibt es nicht: Zur Gala für den Unternehmerpreis am 12. Mai treten die sechs Firmen zudem in einem Live-Pitch gegeneinander an. Die Gäste des Abends stimmen unmittelbar danach ab. Die Ergebnisse beider Abstimmungen gehen hälftig in die Wertung ein und bestimmen so das Endergebnis, das bei der Preisverleihung verkündet wird.

Beim Onlinevoting kann man nach Angabe und Bestätigung der Mailadresse genau eine Stimme abgeben. Das Ergebnis der Online-Abstimmung wird vor der Preisverleihung nicht veröffentlicht.

Hier geht es zur Abstimmung


Hörsysteme aus Auerbach: Doreen Minnerop

Die Gründung der Hörakustik-Firma von Doreen Minnerop Anfang 2020 hätte richtig schief gehen können. Wegen Corona kurz nach dem Start fehlte schlicht die Laufkundschaft im modern eingerichteten Geschäft im vogtländischen Auerbach. Doch Gründerin Minnerop und ihre Mitstreiterinnen blieben am Ball und schafften es, das Unternehmen auf sichere Beine zu stellen. Nicht nur das: Sie setzten in dieser Zeit sogar auf Wachstum. Heute gibt es "Doreen Minnerop Hörakustik" außer in Auerbach noch zwei Mal in Reichenbach. Die gelernte Hörakustikerin und heutige Meisterin begann mit zwei Mitarbeiterinnen. Sechs weitere sind seither dazugekommen.

Die Nachfrage nach ihren Leistungen sei groß. Angepasst werden Hörsysteme unterschiedlicher Hersteller. "Sollte ein Kunde krankheitsbedingt nicht mobil sein, kommen wir auch gerne nach Hause. "Das Unternehmen sei ein Im-Ohr-Spezialist. "Das bedeutet, dass wir auf die kleinsten und komfortabel im Ohr zu tragenden Hörsysteme spezialisiert sind." Als Pädakustiker passe man auch Kindern Hörsysteme an. Zudem sei man Ansprechpartner für individuell gefertigten Gehörschutz und In Ear Monitoring für Bühnentechniker, Musiker oder Motorsportler. Ihr liege es am Herzen, Menschen dabei zu helfen, ihr Gehör zu verbessern und ihnen dadurch ein Stück Lebensqualität zurückzugeben, so Doreen Minnerop.

Doreen Minnerop.
Doreen Minnerop. Bild: Doreen Minnerop Hörakustik

Wasserstrahl-Technik aus Chemnitz: Markus Dittrich und Stefan Seidel

Für das Chemnitzer Start-up Novajet ist Wasser das wichtigste Werkzeug. Das im Herbst 2019 gegründet Unternehmen hat die Wasserstrahltechnologie so perfektioniert, dass extrem harte oder weiche Materialien gratfrei bearbeitet werden können. Eine Nacharbeit ist nicht mehr nötig, erklärt Novajet-Geschäftsführer Markus Dittrich. Der 35-Jährige ist zusammen mit Stefan Seidel (29) Gründer und Gesellschafter des bereits sieben Mann starken Unternehmens.

Bei Novajet handelt es sich um eine Ausgründung aus der Technischen Universität Chemnitz, wo seit über drei Jahrzehnten an der Wasserstrahltechnologie geforscht wird. Corona machte dem anfangs gesteckten Ziel, die selbst entwickelten und gebauten Maschinen zu vermarkten, einen Strich durch die Rechnung. "Wir konnten unser Konzept nicht vermarkten. Es gab keine Messen und Kundenbesuche waren auch nicht möglich", sagt der Geschäftsführer. Eine neue Strategie war gefragt. Man setzte auf Lohnfertigung.

Mit Erfolg. Immer mehr Aufträge - auch bei Kunden im Ausland - konnten an Land gezogen werden. Inzwischen zählen Automobilzulieferer, Unternehmen aus der Luftfahrt und auch Maschinenbauer zum Kundenstamm. "Wir fertigen beispielsweise auch Komponenten für Brennstoffzellen", sagt Novajet-Chef Dittrich.

Die selbst entwickelten Maschinen beschleunigen ein Gemisch aus Wasser und Sand auf die über dreifache Schallgeschwindigkeit und formen daraus einen leistungsstarken Strahl. Mit diesem Hochdruck-Wasserstrahl können Materialien gebohrt, graviert, geschnitten oder abgekantet werden. Das innovative sogenannte Suspensionsstrahlverfahren der Novajet GmbH führe zu erheblichen Produktivitätssteigerungen gegenüber der herkömmlichen Wasserstrahltechnologie. "Wir wachsen organisch, darüber sind wir froh", sagt Markus Dittrich, der optimistisch ist, dass auch das Geschäft mit dem Verkauf von Maschinen irgendwann wieder anläuft. Parallel forschen die Gründer an noch leistungsstärkerer Technik.

Markus Dittrich und Stefan Seidel (r.).
Markus Dittrich und Stefan Seidel (r.). Bild: Novajet

Pflege-App aus Leipzig: Michael Aleithe und Philipp Skowron

Nominiert ist auch das Leipziger Unternehmen Sciendis. Die von Michael Aleithe und Philipp Skowron 2019 gegründete Firma setzt Künstliche Intelligenz im Pflegebereich ein. Entwickelt wurde die App Wundera. Die Idee dazu sei den beiden Ärzten während ihres Promotionsverfahrens an der Universität Leipzig gekommen. Gemeinsam mit Partnern wollte man Abläufe im Gesundheitswesen verbessern und vereinfachen, berichtet Michael Aleithe. Mit großem Erfolg. Denn Wundera entlastet das Pflegepersonal bei der Behandlung chronischer Wunden, die meist altersbedingt durch Krankheiten wie Diabetes oder durch Bettlägerigkeit entstehen. "Solche Wunden müssen regelmäßig anhand ihrer Auffälligkeiten und Entwicklungen dokumentiert und versorgt werden."

Bei der Behandlung erfasst ein Pfleger mit der Kamera seines Smartphones die Wunde. Diese wird automatisch vermessen, fotografisch festgehalten und über eine einheitliche Eingabemaske mit Keyword-Erkennung digital dokumentiert. Über eine Schnittstelle können die Ergebnisse schließlich an das bestehende Dokumentationssystem übertragen werden, erklärt der Arzt. Der Aufwand für die Dokumentation verkürzt sich damit auf drei Minuten und entlastet die Pflegekräfte.

Neben ambulanten Pflegediensten setzen mittlerweile auch stationäre Träger, Homecare-Unternehmen, Sanitätshäuser und Versorgungszentren auf die Entwicklung aus Leipzig - insgesamt rund 100 Einrichtungen. Bei etwa 25.000 Patienten kommt die App damit bereits zum Einsatz. Michael Aleithe und Philipp Skowron arbeiten mit ihrem 15-köpfigen Team bereits an weiteren Anwendungen, um Wundera zu perfektionieren und das Personal im Gesundheitswesen zu entlasten.

Philipp Skowron und Michael Aleithe (r.).
Philipp Skowron und Michael Aleithe (r.). Bild: Sciendis

Design-Hotel aus Pirna: Annette Katrin Seidel

Im Hotel Laurichhof in Pirna ist nichts von der Stange. Darauf legen Gründerin Annette Katrin Seidel und Sohn Franz Philip Seidel größten Wert. Jede der 27 Suiten ist komplett anders gestaltet. Da gibt es die Romantik-Suite Palazzo de Medici mit Bezügen zur italienischen Renaissance, einer eigenen Bibliothek und einem Kronleuchter unter der Gemäldedecke. In der Suite Blueberry Fields ist alles - von den Möbeln, über die Wände und Decken bis hin zu den Vorhängen - in Lila getaucht. Und in Casa Novum - die Beletage für Verliebte, wie die Hotelinhaberin wirbt - steht die Badewanne gleich neben dem Bett, lodert der Kamin und es gibt übergroße Spiegel.

Nicht nur das Showroom-Konzept besticht im 2019 von der Architektenfamilie eröffneten Hotel. Es bietet zudem die Besonderheit, dass jedes Einrichtungsstück aus den Hotelzimmern gekauft und mitgenommen werden kann. "Das fängt bei den Lampen an und hört bei Boden- oder Wandbelägen auf."

Dahinter stecke die Idee, in langlebige Produkte zu investieren, so die gebürtige Pirnaerin. In direkter Weise stemme man sich so gegen den "verschwenderischen Umgang mit natürlichen Ressourcen im Zuge des Konsumismus".

Das Hotel in unmittelbarer Nähe zur Sächsischen Schweiz hat Ladestationen für Elektrofahrzeuge und E-Bikes, eine Wetterstation, "die mit dem Bewässerungs-, dem Licht-, dem Kühl- und dem Heizsystem der gesamten Anlage kommuniziert, und für optimale Energieeffizienz sorgt". Das Hotel sei gut gebucht wegen des Showroom-Konzepts. Aber auch die Speisekarte des hoteleigenen Restaurants überzeuge mit regionalen und saisonaler Zutaten.

Annette Katrin Seidel.
Annette Katrin Seidel. Bild: Hotel Laurichhof

Stroh-Dämmung aus Taucha: Rainer Schmidt

Stroh habe ausgezeichnete Dämmeigenschaften, sagt Rainer Schmidt. Kommt Stroh im Hausbau zum Einsatz, bleibt die Wärme im Sommer draußen und im Winter drinnen. Stroh sei zudem ein nachwachsender Rohstoff, den es überall auf der Welt gibt und der bei der Einsparung von CO2 hilft.

Alles zusammen wichtige Argumente für den Unternehmer aus der Solarbranche, sich 2019 in ein neues Abenteuer zu stürzen: Gemeinsam mit dem Zimmerer Moritz Reichert gründete er in Taucha bei Leipzig die Firma Lorenz. Schmidt und Reichert kennen sich seit der Schulzeit, stammen beide aus Lörrach in Baden-Württemberg. Während es Rainer Schmidt nach Taucha verschlug, ging Moritz Reichert nach Polen in den Geburtsort seines Urgroßvaters. Beim Thema Stroh fanden beide wieder zusammen.

Stroh sei in Hülle und Fülle vorhanden, sagt Geschäftsführer Schmidt und rechnet vor. 20 Millionen Tonnen Stroh werden jährlich in der Landwirtschaft geerntet. 80 Prozent davon werden in der Tierhaltung eingesetzt. Vier Millionen Tonnen bleiben übrig. Zum Dämmen eines Wohnhauses seien rund zehn Tonnen Stroh nötig.

Mit den maschinell gefertigten Montageelementen aus Holz und Stroh lassen sich Häuser unterschiedlichster Art und Größe bauen. Im letzten Jahr kam der Dämmstoff in 20 Häusern zum Einsatz. Von sich reden gemacht hat die Firma mit ihren 15 Mitarbeitern durch ein Referenzobjekt in Oberhausen: Für die Stadt im Ruhrgebiet haben die Tauchaer fünf Lehrschwimmbäder mit Strohwänden gedämmt. Die Firma Lorenz ist nach Angaben ihrer Gründer in kurzer Zeit Deutschlands führender Hersteller von Montagesystemen aus Holz und Stroh geworden. Im vergangenen Jahr wurden Module für 20 Einfamilienhäuser hergestellt.

Rainer Schmidt.
Rainer Schmidt. Bild: Lorenz GmbH

Bio-Schaumstoffe aus Görlitz: Wolfgang Coutandin und Bernd Wacker

Die Idee kam Bernd Wacker, als er 2018 einer Gerberei Elektro- und Automatisierungstechnik verkaufte. "Beim Rundgang durch den Betrieb stand ich vor einer Maschine, die vorgegerbte Rindshäute auf gleiche Dicke bringt", erinnert sich der Görlitzer. Die Lederfalzspäne, die beim Gerben als Abfall übrig blieben, ließen ihn fortan nicht mehr los. Schon kurz darauf experimentierte der Elektroingenieur zuerst in seiner Küche, dann in der Garage - mit dem Ziel, aus der fluffigen unverwerteten Naturfaser einen Bio-Schaumstoff zu machen. In Wolfgang Coutandin, Chemieingenieur und ebenfalls Elektroingenieur, fand Bernd Wacker einen Gleichgesinnten, den die Idee ebenfalls faszinierte. "Wir wollten ein Produkt erfinden, das Weichschaumstoffe, hergestellt aus Erdöl, ersetzt. Denn wir sind umgeben von petrochemischen Schaumstoffen."

Sie finden sich in Matratzen, Schuhen, Bekleidung, auf dem Barhocker, im Autositz, im Büro mit Schallabsorbern und Bürostuhl, im Restaurant, im Auto, Schiff, Bahn oder Flugzeug.2020 gründeten die beiden Ingenieure das Unternehmen Eco-Softfibre mit heute bereits fünf Mitarbeitern. Den Schritt sei man gegangen "im Glauben, dass wir unseren Enkeln einen nachhaltigen Planeten hinterlassen können, der trotzdem gewohnten Komfort erlaubt. Beide sind wir bereits Großvater", erklärt Bernd Wacker.

Global stünden die Reststoffe aus Gerbereien in einer Größenordnung zur Verfügung, die die gesamte weltweite petrochemische Polyurethanerzeugung mehr als ersetzen könnte. "Allein in Deutschland gibt es 10.000 Tonnen solcher Späne, weltweit weit mehr als eine Million Tonnen jährlich, die wir upcyceln könnten, ohne dass auch nur noch ein einziger Tropfen Erdöl notwendig wäre." Lederverschnitte mitgerechnet, komme man leicht auf die doppelte Menge. Ende des Jahres sei man bei Eco-Softfibre so weit, das natürliche Produkt industriell herzustellen und zu marktfähigen Preisen anzubieten.

Wolfgang Coutandin und Bernd Wacker (r.).
Wolfgang Coutandin und Bernd Wacker (r.). Bild: Eco-Softfibre

Der Wirtschaftspreis "Sachsens Unternehmer des Jahres" ist eine Initiative von Sächsischer Zeitung, Freier Presse, Leipziger Volkszeitung und MDR sowie von Volkswagen Sachsen, der Schneider + Partner Beratergruppe, der LBBW, der Gesundheitskasse AOK Plus und dem Partnernetzwerk "So geht sächsisch". (ade/lvz)

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