Die Frau vom Bau sagt Tschüss

Karin Schuberth war 16 Jahre Stadtbaumeisterin von Oelsnitz. Jetzt geht sie in Ruhestand - mit einer großen Überraschung.

Oelsnitz.

Der Tisch im Büro der Oelsnitzer Stadtbaumeisterin Karin Schuberth biegt sich vor Geschenken: Blumen, Flüssiges, Herzhaftes. Nach fast 16 Jahren als Amtsleiterin und einem Vierteljahrhundert Arbeit für die Stadt geht die 61-Jährige in den Ruhestand. "Mit einem weinenden Auge", gibt sie zu. Und mit einer Überraschung: Zur Stadtratssitzung Mittwochabend durfte sie sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Die Frau vom Bau habe Oelsnitz geprägt, lobt Oberbürgermeister Mario Horn (CDU). "Und dabei ist sie in keinster Weise überheblich, sondern menschlich. Das rechne ich ihr ganz hoch an", ergänzt Vizebürgermeister Klaus Knüpfer (CDU), als Planer langjähriger Weggefährte.

Die Frau vom Bau, bei Karin Schubert kein flotter Spruch, sondern Wahrheit. "Klar trau ich mir das Mauern noch zu. Putzen auch", kommt es wie aus der Pistole geschossen. Mauern, Putzen, dazu Tiefbau und Montage, darin hat sie Prüfungen abgelegt für den Baufacharbeiterabschluss. Sie hat bei einem alten Meister noch das Mauern von Bögen gelernt, als Studentin in den Ferien das Haus der Großeltern ausgebaut und hätte am liebsten einen der riesigen Turmdrehkräne gesteuert, die sie auf dem Berliner Alex faszinierten. Nach Jahren beim Sanierungsträger WGS war sie am 1. Januar 2001 die Chefin im Bauamt - mit Kerstin Zollfrank, ihrer Stellvertreterin und Nachfolgerin, arbeitete sie mehr als 20 Jahre eng zusammen. Ohne fähige Mitarbeiter wäre es nichts geworden, sieht sich Karin Schuberth als Teamplayerin - keine Rettung von Schloss Voigtsberg, keine Oberschule und viele Baustellen, die schnell wieder vergessen sind.

Gerne hätte sie im Amt noch die Grundschule Am Karl-Marx-Platz zu Ende gebaut - und dass der Hohe Steg wiederkommt, sei unbedingt wichtig, für die Leute in einem ganzen Stadtteil. So ganz kann es Karin Schuberth nicht glauben, dass nun Schluss ist, sie ihr von einem Bürger geschenktes Straßenschild Schu-berth-Allee einpackt und nun Zeit für Neues hat. Die gebürtige Saalfelderin wohnt in Plauen, hat eine große Familie - ihr Mann war Bauingenieur, ihre zwei angeheirateten Söhne sind Bauleiter. Sie selbst sollte wie die Eltern Lehrer werden, entschied sich aber anders. "Von meinem Lehrvertrag wussten die Eltern nichts", verrät sie, wie ihre Bau-Karriere begann. Die Jahre in der Praxis, in der Privatwirtschaft - davon habe sie später oft profitiert, erzählt sie.

Und was kommt jetzt? "Ich will mich um die Enkel kümmern". Die Große ist zwölf, die Kleine fünf. Ab Dienstag geht Karin Schuberth zum Sport, will häkeln, malen, Ski fahren - alpin und Langlauf. Und sie wird genau verfolgen, wie es in Oelsnitz weitergeht. "Vom Herzen her bin ich schon Oelsnitzerin. Ich habe mich immer als Sperk gesehen, und das ist nicht nur so ein Lippenbekenntnis."

Die Stadträte sind Karin Schu-berth dankbar - und traurig, dass sie geht. "Von den Bauamtsleitern, die wir hatten, waren Sie die beste von allen", so Jürgen Schlick (DSU), Senior im Gremium. "Ich schätzte die Ehrlichkeit an Dir. Bleib, wie du bist", wünschte Helmut Morgner (CDU). "Ein saugutes Verhältnis", habe es zu ihr gegeben, so Gerda Gerstenberger (SPD). AfD-Politiker und DSU-Fraktionschef Ulrich Lupart bot zum Abschied das "Du" an. Ohne Stadtrat hätte vieles nicht geklappt, so Karin Schuberth in einer spontanen Rede. Sie rief den Abgeordneten zu, aktiv mitzutun. "Man muss auch mal was wagen, sich begeistern lassen", rief sie zum Miteinander über Parteigrenzen hinweg. Zum Abschied schenkte Karin Schuberth jeder städtischen Kita zudem ein großes Bau-Spielfahrzeug.

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